Bin Laden laut TV-Show

Fernseh-Skandal

© EPA

Bin Laden laut TV-Show "unschuldig"

Der meistgesuchte Terrorist der Welt ist in einer Gerichts-Show des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Niederlande für "unschuldig" erklärt worden. Es sei nicht erwiesen, dass Osama bin Laden Drahtzieher der Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA war, befand in der Nacht auf Donnerstag beim Sender Nederland 2 eine sogenannte Bürger-Jury. Die zwei Frauen und drei Männer folgten damit beim Start der neuen Reality-Show "Advokat des Teufels" weitgehend dem Plädoyer des Amsterdamer Star-Anwalts Gerard Spong.

Zu wenige Beweise
Auch den Vorwurf, Bin Laden sei Gründer und Chef des Terrornetzwerkes Al Kaida, wies die TV-Jury als nicht hinreichend bewiesen zurück. Recht gaben sie der Anklage allerdings darin, dass Bin Laden "ein Terrorist ist, der den Islam für persönliche Machtambitionen missbraucht". Der Strafverteidiger hatte in allen drei Punkten auf "unschuldig" plädiert.

9/11 als "inszenierte Fiktion" bezeichnet
Zum Entsetzen der Anklagevertretung gelang es Spong scheinbar, die TV-Jury und das Studio-Publikum davon zu überzeugen, dass Bin Ladens Verantwortung für die Anschläge vom 11. September 2001, bei denen nahezu 3.000 Menschen ermordet wurden, eher eine von westlichen Politikern inszenierte Fiktion als eine bewiesene Tatsache sei. Als nicht zu akzeptieren bezeichneten die Fernseh-Geschworenen allerdings Spongs Argument, der mutmaßlich gefährlichste Terrorist der Welt sei als legitimer "Freiheitskämpfer in einem Krieg gegen den Westen" anzusehen.

Nach eigenem Bekunden hatte der Anwalt, der im realen Leben Honorare von 450 Euro pro Stunde verlangt, keine Bedenken gegen eine Verteidigung Bin Ladens vor einem TV-Publikum. "Auch Menschen, die Verbrechen verübt haben sollen, die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigen, müssen verteidigt werden", erklärte er. Die holländische TV-Gesellschaft AVRO, die "Advokat des Teufels" produziert, hat fünf weitere Folgen der Reality-Show angekündigt. Dabei sollen Spong ebenfalls "grausamer Verbrechen verdächtigte Menschen" verteidigen.

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