Chemie-Ali wurde hingerichtet

Majeed-Massaker

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Chemie-Ali wurde hingerichtet

Der als "Chemie-Ali" bekannte Cousin des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein ist hingerichtet worden. Wie ein Regierungssprecher in Bagdad mitteilte, wurde Ali Hassan al-Majid am Montag wegen Mordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehängt. Er war erst vor gut einer Woche wegen des Massakers im kurdischen Halabja mit rund 5.000 Toten zum insgesamt vierten Mal zum Tode verurteilt worden.

Rechte Hand Saddams
"Chemie-Ali" zählte während der Amtszeit von Saddam Hussein, der bereits Ende 2006 hingerichtet wurde, zu den gefürchtetsten Vertretern der Regierung in Bagdad und galt als die rechte Hand des Staatschefs. 1996 ließ er seine eigenen Neffen Hussein Kamel und Saddam Kamel hinrichten, die sich vorübergehend nach Jordanien abgesetzt hatten. Er wurde mehrfach wegen Verbrechen aus der Amtszeit Saddam Husseins schuldig gesprochen und insgesamt viermal zum Tode verurteilt.

Majid wurde laut Gerichtsakten 1941 geboren, nach eigenen Angaben 1944. Er stammt ebenso wie Saddam Hussein aus Tikrit. Sein Vorgehen gegen die Kurden war besonders grausam, so dass er auch den Beinamen "Schlächter Kurdistans" erhielt. Im Mai 1987 ordnete er einen Vernichtungsfeldzug in den Kurden-Gebieten an, bei dem große Bevölkerungsgruppen vertrieben wurden.

5.000 Giftgas-Tote
In Halabja kamen bei einem Giftgasangriff im Jahr 1988 schätzungsweise rund 5.000 Menschen ums Leben. Kurz vor dem Ende des Kriegs zwischen dem Irak und dem Iran hatten kurdische Untergrundkämpfer damals die Kleinstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Am 16. März 1988 bombardierte die irakische Luftwaffe Halabja mit Giftgas, darunter Senfgas und das Nervengas Sarin.

Als die USA im März 2003 im Irak einmarschierten, war Majid eine Zeit lang Kommandant der südlichen Teile des Irak. Auf der US-Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Iraker nahm Majid Platz fünf ein, in dem zur Fahndung ausgeteilten Kartenspiel der US-Armee war er der Pik-König. Im August 2003 wurde er gefasst.

Zum ersten Mal wurde Majid im Jahr 2007 zum Tode verurteilt - damals wurde ihm die Niederschlagung des kurdischen Aufstands in den Jahren 1987 und 1988 zur Last gelegt. Ende 2008 folgte die zweite Todesstrafe, zu der er wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung des Schiiten-Aufstands 1991 verurteilt wurde. Im März 2009 wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum dritten Mal verurteilt. Dabei ging es um den Tod von Dutzenden Schiiten, die 1999 im Bagdader Stadtteil Sadr-City und in der Stadt Najaf im Süden des Landes ermordet wurden. Mitte Jänner wurde wegen des Massakers in Halabja dann zum vierten Mal die Todesstrafe gegen ihn verhängt.

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