Demjanjuk ist in München gelandet

Ex-KZ-Wächter

Demjanjuk ist in München gelandet

Der aus den USA abgeschobene mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk ist in Deutschland angekommen. Eine Sondermaschine mit dem 89-Jährigen an Bord landete am Dienstag gegen 9.20 Uhr auf dem Münchner Flughafen, wie die Polizei bestätigte. Nach seiner formellen Festnahme wurde Demjanjuk ins Gefängnis Stadelheim gebracht, wo ihm der Haftbefehl eröffnet wird.

Die Sondermaschine mit Demjanjuk an Bord kam aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Am Montag war er von Beamten der US-Einwanderungsbehörde in seinem Haus in Seven Hill abgeholt und zunächst in einem Krankenwagen in deren Amtsräume in Cleveland gebracht worden. Von dort aus war die Chartermaschine in Richtung München gestartet. Demjanjuk wurde auf dem Flug von einem Arzt und einem Pfleger begleitet.

Gesundheitszutand stabil
Nach seiner Ankunft in Deutschland wurde John Demjanjuk in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht. An einem Medienaufgebot vorbei fuhr der Krankenwagen mit dem 89-Jährigen am Dienstagvormittag auf das Gelände des Gefängnisses. Interessantes Detail am Rande: Der bisher prominenteste Insasse des Gefängnisses war 1922 Adolf Hitler. Er war damals wegen Landfriedensbruchs zu drei Monaten Haft verurteilt worden.

Nach Angaben des stellvertretenden JVA-Leiters Jochen Menzel soll Demjanjuk in einem Gemeinschaftshaftraum in der Pflegeabteilung zusammen mit einem Rollstuhlfahrer untergebracht werden. Sein Gesundheitszustand sei stabil, sagte Menzel. Derzeit werde Demjanjuk von Ärzten der JVA untersucht

Zähes Ringen um Abschiebung
Der Abschiebung war ein zäher Rechtsstreit voraus gegangen. Demjanjuk hatte sich wochenlang in den USA vor allem mit Hinweis auf seinen schlechten Gesundheitszustand gegen seine Abschiebung gewehrt und sogar den Obersten Gerichtshof in Washington eingeschaltet. Demjanjuks Familie hatte Gerichte in Deutschland und den USA angerufen und dort seine angeblich angeschlagene Gesundheit des 89-Jährigen als Hindernis für die Abschiebung ins treffen geführt. Alle Instanzen wiesen die Anträge der Familie aber zurück.

Dem gebürtigen Ukrainer Demjanujuk soll in München der Prozess gemacht werden. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört zu haben. In dieser Zeit wurden dort rund 29.000 Juden umgebracht, weshalb Demjanjuk Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vorgeworfen wird.

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