21. Juni 2009 20:32
Diese Bilder gehen derzeit um die Welt: Fotografiert mit Handys, verbreitet
über SMS, Internet. Trotz Demonstrationsverbots strömen die Anhänger des
unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Moussavi im Iran zu immer
neuen Protestveranstaltungen auf die Straßen. Und: Sie werden dabei mit
aller Härte vom herrschenden Regime niedergeknüppelt. „Die verhassten
Milizen der Regierung fahren auf Motorrädern herum, schlagen auf alles ein,
was nicht sofort verschwindet“, so die österreichische Krisenreporterin
Antonia Rados, die derzeit live für RTL aus Teheran berichtet.
Massive Gewalt. Augenzeugen berichten von Schlagstöcken,
Elektroschock-Geräten und kochend heißem Wasser, das gegen die Demonstranten
angewandt wird. Immer wieder fallen Schüsse. Der Widerstand im Iran – er
wird vor allem von Frauen ausgeübt, die mutig auf die Straßen gehen – und
oft blutig dafür bezahlen. „Ich höre immer noch die Schreie der Frauen“, so
ein iranischer Demonstrant.
Hunderte Tote
Laut Angaben des staatlichen Fernsehens sollen bei
den Protesten allein am Samstag erneut zehn Demonstranten getötet, Hunderte
verletzt worden sein – tatsächlich dürfte aber die Zahl der Opfer deutlich
höher liegen. So rechnet eine Studentenorganisation mit bereits 300
Todesopfern, Hunderte Regimegegner, darunter die Tochter des früheren
iranischen Präsidenten Akbar Rafsanjani, wurden verhaftet.
Oppositionspolitiker Moussavi verurteilte gestern auf seiner Website das
harte Vorgehen und sprach von einem „Schlachthaus“, das das Regime aus dem
Land mache. Zum Schutz der iranischen Demonstranten fordert nun der Grüne
Peter Pilz die Öffnung der österreichischen Botschaft in Teheran.
Der mächtige Wächterrat und Präsident Mahmoud Ahmadinejad geraten dabei
derzeit immer mehr unter Druck. Ahmadinejad forderte Großbritannien und die
USA auf, „ihre Einmischungen zu unterlassen“, Parlamentssprecher Ali
Larijani bezeichnete die Stellungnahmen Deutschlands, Frankreichs und
Großbritanniens (sie verlangen eine Neuauszählung der Wahlzettel) als eine
„Schande“.
Revolution
Der israelische Minister für strategische
Angelegenheiten, Moshe Yaalon, glaubt, dass die anhaltenden Proteste im Iran
in einer Revolution münden könnten. Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi
und seine Frau hätten „einen neuen Geist der Offenheit und Freiheit“
gebracht, sagte der frühere Generalstabschef.