Keine heiße Spur im Fall Mannichl Keine heiße Spur im Fall Mannichl

Neonazi-Attentat

© polizei bayern

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Keine heiße Spur im Fall Mannichl

Zwei Wochen nach dem Messerangriff auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl fehlt den Ermittlern bei der Fahndung nach dem Attentäter weiter eine heiße Spur. Auch die neuen Zeugenaufrufe mit Phantombildern brachten über die Weihnachtsfeiertage keine entscheidenden Hinweise, wie Polizeisprecher Thomas Plößl am Freitag auf AP-Anfrage sagte. Es seien zwar einige Hinweise eingegangen, eine Spur habe sich daraus aber nicht ergeben.

Phantombilder brachten bisher nichts
Die Ermittler suchen teils mit Phantombildern nach vier Männern und einer Frau, die am Tattag in Mannichls bayerischem Heimatort Fürstenzell gesehen wurden. Auch einen Aufruf aus den vergangenen Tagen, wonach ein Autofahrer und ein Mann mit einem Kinderwagen als mögliche Zeugen gesucht werden, erneuerte die 50-köpfige Sonderkommission am Freitag. Für Hinweise auf den oder die Täter ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

Vor zwei Wochen niedergestochen
Mannichl wurde am Samstag vor zwei Wochen vor seinem Haus in Fürstenzell mutmaßlich von einem Neonazi niedergestochen. Der Polizeidirektor beschrieb den Täter als großen Mann mit rundem Kopf und Glatze und berichtete, er sei als "linkes Bullenschwein" beschimpft worden. Mannichl ist für sein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsextremisten bekannt, weshalb ein Racheakt vermutet wird.

Ehepaar wieder freigelassen
Ein dem Umkreis der extremistischen "Freien Nationalisten" zugerechnetes Ehepaar aus München wurde verhaftet, am Dienstag aber wieder freigelassen. Es stand im Verdacht der Beihilfe zu dem Attentat, bestritt dies aber und präsentierte ein Alibi.

Rechte Kundgebung am 3. Jänner?
Unterdessen könnte es bereits am 3. Jänner zu einem rechten Aufmarsch in der Passauer Innenstadt kommen. Ein bekanntes NPD-Mitglied beantragte nach Angaben der Stadt eine Kundgebung. Die Stadt prüft, ob ein Verbot der Demonstration juristisch möglich ist.

Die SPD-Kandidatin für das deutsche Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, kritisierte unterdessen die Debatte über ein NPD-Verbot als "Reflexhandlung". Die steigende Gewaltbereitschaft habe viel tiefere Ursachen, ein Parteiverbot bewirke da nichts, sagte Schwan. Gerade den Rechtsextremismus müsse man ganzheitlich, auch an seinen sozialen Ursachen bekämpfen. Zu diesen Ursachen gehöre, dass die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft stark zugenommen habe.

Der Mannichl-Attentäter habe extreme Bereitschaft zur Brutalität gezeigt. "Diese Gewaltbereitschaft würde auch durch ein Verbot der NPD nicht einfach aus der Gesellschaft verschwinden", sagte die SPD-Kandidatin.

Rechtsextreme Straftaten steigen an
Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten steigt unterdessen. Nach vorläufigen Zahlen des deutschen Innenministeriums wurden in den ersten zehn Monaten von den Landeskriminalämtern 11.928 rechtsextremistisch motivierte Delikte registriert und damit 29,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Gewalttaten stieg um 15,3 Prozent auf 639. Bei rechtsextremistischen Straftaten wurden bis Oktober 672 Menschen verletzt.

Foto: (c) Polizei Bayern

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