14. Mai 2008 20:09
Bei seinem Treffen mit dem neuen Präsidenten Dmitri Medwedew sei bereits
über konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen worden, sagte
Steinmeier am Mittwoch nach dem 90-minütigem Gespräch im Kreml. Der
Nachfolger von Wladimir Putin habe sich dabei ausdrücklich zu der
notwendigen Modernisierung von Staat und Gesellschaft bekannt. Er sehe
deshalb ein erhebliches "Potenzial" für die geplante Partnerschaft.
Als Beispiele nannte Steinmeier den Aufbau einer funktionierenden Verwaltung
und eines modernen Gesundheitswesens und den Energiebereich mit Schwerpunkt
auf Einsparungen. Auch der seit einer Woche amtierende neue Staatschef
erklärte, er sei weiter an engen Beziehungen zu Deutschland interessiert.
Neben den "glänzenden" Wirtschaftskontakten müsse die Zusammenarbeit auf
weitere Felder verbreitert werden, erklärte der Präsident, der Anfang Juni
in Berlin erwartet wird. Der deutsche Außenminister wurde als erstes
ausländisches Regierungsmitglied von Medwedew empfangen.
Treffen mit Oppositionspolitiker Kasparow
An diesem Donnerstag
wird Steinmeier in Moskau auch mit Russlands bekanntestem
Oppositionspolitiker, Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow, zusammenkommen.
Dies verlautete aus diplomatischen Kreisen. Am Mittwoch hatte Steinmeier mit
Vertretern des liberalen Oppositionsbündnisses "Union der rechten Kräfte"
(SPS) in der Residenz der deutschen Botschaft gesprochen. Ein weiteres
Treffen Steinmeiers mit Vertretern der russischen Zivilgesellschaft ist am
Freitag in St. Petersburg geplant.
Eher fraglich ist, ob ein ebenfalls ursprünglich für Donnerstag in Moskau
geplantes Gespräch mit dem auf den Posten des Regierungschefs gewechselten
Putin stattfindet.
Gespräche mit Amtskollege Lawrow
Zum Abschluss seines
zweitägigen Aufenthalts in Jekaterinburg am Ural war Steinmeier zuvor mit
seinem Amtskollegen Sergej Lawrow zusammengetroffen. Dieser übte in
Zusammenhang mit dem Konflikt um das iranische Atomprogramm heftige Kritik
an den USA. Er hielt der Regierung in Washington vor, sie versuche durch
"verfälschende" Darstellungen über gemeinsame Beschlüsse, die
Iran-Sechsergruppe zu spalten. Auch der Versuch der US-Regierung, eigene
Sanktionen gegen dritte Länder zu verhängen, untergrabe die gemeinsamen
Bemühungen um eine Lösung des Konflikts. Damit spielte Lawrow auf
US-Drohungen an, gegen ausländische Unternehmen, die weiter mit Teheran
Handel treiben, Strafmaßnahmen zu verhängen.
Differenzen gab es weiter beim Thema Kosovo. Lawrow kritisierte erneut die
auch von Deutschland vollzogene Anerkennung der Unabhängigkeit der früheren
serbischen Provinz. Dadurch könne eine "Kettenreaktion" bei Separatisten in
der ganzen Welt entstehen.