Symbolische Grenzöffnung in Nikosia

Wiedervereinigung

Symbolische Grenzöffnung in Nikosia

Nach 44 Jahren ist die Absperrung in der Ledra-Straße im Zentrum der geteilten zypriotischen Hauptstadt Nikosia beseitigt. Als erste Passanten überquerten offizielle griechisch- und türkisch-zypriotische Vertreter am Donnerstagmorgen den Übergang. "Es ist ein bedeutender Moment. Ich hoffe, dass mit der Öffnung auch der Weg geebnet wird für eine Lösung der Zypern-Frage", sagte Ex-Außenminister Georgios Iacovou als Repräsentant der Regierung. "Es ist ein historischer Augenblick", sagte auch der türkisch-zypriotische Vertreter Özdil Nami.

Symbol der Teilung
Die Sperre, die Anfang 1964 - mehr als zehn Jahre vor der Insel-Teilung infolge der türkischen Militärinvasion - nach schweren Ausschreitungen zwischen Angehörigen der beiden Volksgruppen errichtet worden war, galt als Symbol für die Teilung. Die Türkei reagierte 1974 mit dem Einmarsch auf einen von der damaligen griechischen Militärjunta unterstützten Putsch gegen den zypriotischen Präsidenten Erzbischof Makarios III. Die Putschisten strebten den Anschluss ("Enosis") Zyperns an Griechenland an. Die Ledra-Straße wurde aber bereits 1964 von britischen Truppen mit Stacheldraht abgeriegelt, nachdem es zu schweren ethnisch motivierten Unruhen gekommen war.

Die Wiedervereinigung Zyperns ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen in greifbare Nähe gerückt. Der UNO-Sonderbeauftragte Lynn Pascoe sagte am Mittwoch in Nikosia, er sei sehr ermutigt von dem, was er auf beiden Seiten gehört habe. Sein Bericht an Generalsekretär Ban Ki-moon und den Weltsicherheitsrat werde positiv und hoffnungsvoll ausfallen. Pascoe war zu getrennten Gesprächen mit dem neuen Präsidenten Zyperns, Demetris Christofias, und dem türkisch-zypriotischen Führer Mehmet Ali Talat zusammengekommen. Der Übergang an der Ledra-Straße ist der sechste, der seit 2003 eingerichtet wird. Christofias und Talat hatten bei ihrem Treffen am 21. März unter anderem vereinbart, die Ledra-Straße wieder zu öffnen.

Mitglied der EU
Völkerrechtlich ist ganz Zypern seit 2004 Mitglied der EU, doch findet deren Regelwerk in dem von türkischen Truppen besetzten Norden keine Anwendung. Bei seiner Amtseinführung hatte sich Christofias zur "vollen Gleichberechtigung" der beiden Bevölkerungsteile in einer "vereinigten Bundesrepublik Zypern" bekannt. Talat, dessen Separatadministration "Türkische Republik Nordzypern" (KKTC) nur von Ankara anerkannt wird, hatte seinerseits betont, er gehe "vorbehaltlos" in die Gespräche. Der Kommunist Christofias tritt für ein "entmilitarisiertes und föderatives" Zypern ein. Seine Fortschrittspartei des werktätigen Volkes (AKEL) hat der NATO stets vorgeworfen, die definitive Teilung der Insel zwischen ihren Mitgliedern Griechenland und Türkei herbeiführen zu wollen.

Christofias lehnt die Forderung Talats ab, an den 2004 von den griechischen Zyprioten in einem Referendum verworfenen UNO-Wiedervereinigungsplan anzuknüpfen. Der Plan des früheren Generalsekretärs Kofi Annan war von den türkischen Zyprioten gutgeheißen, aber von den griechischen Zyprioten mit großer Mehrheit abgelehnt worden. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass er dem Großteil der nach der türkischen Invasion 1974 aus dem Norden vertriebenen griechischen Zyprioten und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre Heimatorte verwehrte, zugleich aber vorsah, dass ein beträchtlicher Teil der von der Türkei angesiedelten Festlandtürken und der 40.000 Mann starken türkischen Truppen auf der Insel bleiben kann.

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