Über 100 Festnahmen vor Botschaft in Nepal

Tibet

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Über 100 Festnahmen vor Botschaft in Nepal

Die Demonstranten hatten sich zu einer Kundgebung vor der chinesischen Botschaft versammelt, wie die Polizei mitteilte. Unter den insgesamt 114 Festgenommenen seien etwa 50 buddhistische Nonnen und Mönche. "Ich demonstriere für die Freiheit meines Landes", sagte ein 13-jähriger Teilnehmer kurz vor seiner Festnahme. China müsse aufhören, in Tibet zu töten. Er habe erst kürzlich von der Ermordung seiner Verwandten im Süden Chinas erfahren.

Seitdem die Proteste gegen die chinesische Tibet-Politik im vergangenen Monat in Lhasa ausgebrochen waren, hatte es immer wieder Demonstrationen mit Festnahmen in Kathmandu gegeben. Die Festgesetzten wurden zumeist noch am Abend des gleichen Tages wieder freigelassen. In Nepal leben rund 20.000 Exil-Tibeter.

Erste Urteile gegen Demonstranten
Eineinhalb Monate nach den Unruhen sprach die chinesische Justiz am Dienstag erste Urteile aus. 30 Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und lebenslang verurteilt, wie der Sender CCTV news berichtete. "Wer das chinesische Gesetz bricht, sollte auch vom Gesetz bestraft werden", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Nach Angaben des Fernsehsenders wurden die Angeklagten unter anderem wegen Brandstiftung, Plünderung, Diebstahls, des Angriffs von Staatsorganen und der Anstiftung zu Kämpfen verurteilt.

Peking wirft den pro-tibetischen Demonstranten vor, 18 Zivilisten und einen Polizeibeamten getötet und mehr als 600 Menschen verletzt zu haben. Peking hatte stets behauptet, "mit Zurückhaltung" auf den Konflikt reagiert zu haben. Die chinesischen Sicherheitskräfte hatten die Proteste niedergeschlagen und nach offiziellen Angaben rund 400 Menschen festgenommen.

Mindestens 203 Tote
Die tibetische Exilregierung beziffert die Zahl der Todesopfer auf mittlerweile mindestens 203. Zudem seien rund 1.000 Menschen verletzt und mindestens 5.175 im Rahmen der Proteste festgenommen worden. Zunächst waren die tibetische Führung und Exil-Tibeter-Organisationen von 150 Todesopfern und 2.000 Festnahmen ausgegangen. Ein Sprecher der tibetischen Exilregierung sagte, die Proteste hätten sich nicht gegen Chinesen, sondern die "falsche Politik" der chinesischen Regierung gerichtet.

Die Exilregierung verteidigte den Dalai Lama gegen Anschuldigungen aus Peking, das geistliche Oberhaupt der Tibeter wolle die Olympischen Spiele sabotieren. Der Dalai Lama sei im Gegenteil der Meinung, dass China die Spiele verdiene. "Es ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und hat eine alte Kultur", sagte ein Sprecher des Dalai Lama. "Wir sabotieren die Spiele nicht." China hatte das Oberhaupt der Tibeter zuvor zur "Wertschätzung" des an ihn gerichteten Gesprächsangebots aufgerufen. Bedingung sei es, dass er "die Sabotage der Olympischen Spiele in Peking und seine separatistischen Aktivitäten" beende.

Festnahmen auch in Vietnam
In Vietnam nahmen die Behörden schon im Vorfeld des olympischen Fackellaufs Menschen fest. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete, wurden zwei Demonstranten festgenommen, weil sie auf einem belebten Marktplatz ein Banner enthüllt hatten, das die Olympischen Ringe als Handschellen zeigte. Die für Demokratie im Land kämpfende Organisation Viet Tan sprach sogar von mehr als einem Dutzend Festgenommenen, darunter Studenten, Lehrer und Künstler.

Die Unruhen in Tibet sowie die den Fackellauf begleitenden Proteste hatten vor den Olympischen Spielen in Peking heftige internationale Kritik an China und Rufe nach einem Olympia-Boykott ausgelöst.

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