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Verhandlungen wegen restlicher Geiseln

Afghanistan

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Verhandlungen wegen restlicher Geiseln

Nach der Freilassung zweier Geiseln haben die Taliban am Dienstag telefonisch mit Vertretern der südkoreanischen Regierung über das Schicksal der 19 weiteren Verschleppten verhandelt. Direkte Gespräche seien vorerst nicht mehr geplant, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Das IKRK stehe weiterhin als Vermittler zur Verfügung, sagte Sprecher Franz Rauchenstein in Ghazni. Er forderte beide Seiten auf, im Interesse der seit dreieinhalb Wochen verschleppten Christen rasch zu einer Einigung zu kommen.

Am Montag zwei Frauen freigelassen
Die Taliban in Afghanistan haben am Montag zwei ihrer südkoreanischen Geiseln freigelassen. Die beiden Frauen weinten, als sie aus dem Auto eines afghanischen Stammesführers in ein wartendes Fahrzeug des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) umstiegen. Das IKRK sei als neutraler Mittler auf Ersuchen sowohl der südkoreanischen Unterhändler als auch der "bewaffneten Oppositionsgruppe" tätig geworden, teilte die Organisation am Dienstag mit. Die Freigelassenen gehörten zu der Gruppe von ursprünglich 23 südkoreanischen Christen, die am 19. Juli in der Provinz Ghazni überfallen und entführt wurden. Zwei der Geiseln wurden inzwischen getötet.

Frauen zum US-Stützpunkt in Ghazni gebracht
Zur der Entführung bekannten sich die Taliban, die im Austausch für ihre Geiseln die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen fordern. Die afghanische Regierung lehnt dies strikt ab. Die beiden am Montag freigelassenen Frauen sind nach Aussage der Taliban krank. Sie wurden an einem vorher von einem Talibansprecher benannten Punkt zehn Kilometer südöstlich der Stadt Ghazni der Obhut der IKRK-Vertreter übergeben. Die Frauen wurden dann zum US-Stützpunkt in Ghazni gefahren. Beide trugen Taschen mit sich.

Die südkoreanische Regierung bestätigte die Freilassung der beiden. Außenamtssprecher Cho Hee Yong forderte die Freilassung auch der anderen Südkoreaner, die sich noch in der Gewalt der Taliban befinden.

Telefonat mit Agentur
Eine der freigelassenen Geiseln sagte AFP vorher auf der Autofahrt nach Ghazni am Telefon, sie und ihre Freundin seien "Ok". Sie gab das Alter der beiden Frauen mit 32 und 36 Jahren an. Über den Gesundheitszustand der 19 weiteren Geiseln und die Namen der Freigelassenen konnte zunächst nichts in Erfahrung gebracht werden, da die Gesprächspartnerin nur gebrochen Englisch sprach, sehr aufgeregt war und wegen des Lärms im Hintergrund nur schlecht zu verstehen war.

Vermittler auch im Auto
In dem Auto befand sich demnach auch der Stammesälteste und Vermittler in dem Geiseldrama, Haji Zahir. Dieser hatte vorher mitgeteilt, die beiden freigelassenen Geiseln in Empfang genommen zu haben.

Direkte Verhandlungen
Talibansprecher Qari Yousuf Ahmadi hatte die Freilassung der beiden Frauen am Sonntag angekündigt. Zur Begründung erklärte er, dass die Taliban mit den Fortschritten bei den am Freitag begonnenen direkten Gesprächen mit südkoreanischen Vertretern in Ghazni zufrieden seien.

Über die Freilassung der beiden Frauen hatten Vertreter der Taliban und Südkoreas seit Freitag direkt miteinander verhandelt. Ein Sprecher der Islamisten hatte am Wochenende zunächst gesagt, die Frauen seien bereits freigelassen worden. Später erklärte er jedoch, falsch verstanden worden zu sein. Am Montag nun teilte Talibansprecher Ahmadi mit, der Führerrat der Bewegung unter Vorsitz von Mullah Mohammed Omar habe die Freilassung der beiden Koreanerinnen beschlossen.

Zwei Geiseln erschossen
Die Taliban erschossen zu Beginn der Geiselnahme zwei männliche Gruppenmitglieder. Die Kidnapper haben mit der Ermordung der übrigen Geiseln gedroht, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Die Regierung in Kabul hat es bisher abgelehnt, im Austausch für die Südostasiaten inhaftierte Islamisten freizulassen.

Deutsche Geisel
Einen Tag vor den Koreanern waren zwei deutsche Ingenieure entführt worden, von denen einer erschossen wurde. Von dem zweiten Bundesbürger, um dessen Freilassung sich der Krisenstab intensiv bemüht, gab es am Montag neue Nachrichten über Al-Jazeera. Der Korrespondent des Fernsehsenders berichtete, er habe telefonisch Kontakt zu der Geisel hergestellt. Der Deutsche habe an die Regierungen in Berlin und Kabul appelliert, sich ernsthaft für seine Freilassung einzusetzen. Die Entführer des Ingenieurs fordern den Abzug der mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan.

Die deutsche Regierung spracht sich derweil für eine Beteiligung von Taliban an Aufbau und Stabilisierung Afghanistans aus. Für die Versöhnung in dem kriegszerstörten Land könne die Regierung in Kabul nicht auf deren Ausschluss setzen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Vielmehr müssten "moderate, vernünftige" Vertreter, die am Wiederaufbau und an Aussöhnung interessiert seien, miteinbezogen werden. Ansprechpartner für die Bundesregierung bleibe dabei Afghanistans Präsident Hamid Karsai. Eine Einbindung der Taliban sei eine innerafghanische Angelegenheit, sagte Steg.

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