Wissenschaftler wollen keine Zeit mehr verlieren

Klimakonferenz

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Wissenschaftler wollen keine Zeit mehr verlieren

Die Elite der Klimaforscher hat sich am Donnerstag in einem dramatischen Appell an die auf Bali versammelte Staatengemeinschaft gewandt. Es sei genug geredet worden, heißt es in dem Appell der 213 Wissenschafter. Jetzt müsse gehandelt und der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bis 2050 halbiert werden. "Es gibt keine Zeit zu verlieren."

Halbierung
Dem Vorschlag einer Halbierung der Emissionen bis 2050 könnte nach Einschätzung der Wissenschafter die globale Erwärmung auf zwei Grad oberhalb der Durchschnittswerte bremsen, wie sie vor der Industrialisierung bestanden. Dies würde die Welt vor existenziellen Folgen des Klimawandels bewahren wie steigende Meeresspiegel, Dürre und Artentod. Dieses Zwei-Grad-Ziel wurde auch von der Europäischen Union übernommen.

"Nase voll"
Der Appell mache deutlich, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft jetzt wirklich die Nase voll habe und von der Politik endlich radikales Handeln erwarte, sagte Andrew Weaver von der kanadischen Universität Victoria. "Die Zeit für halbherzige Maßnahmen und freiwillige Vereinbarungen ist vorbei", sagte der NASA-Wissenschafter und Mitunterzeichner Gavin Schmidt.

USA wollen weiter kein klares Emissionsziel
Die USA wollen sich bei der Weltklimakonferenz nicht auf ein klares Ziel für Emissionsreduktionen einlassen. Das sagte der Leiter der US-Delegation, Harlan Watson, am Donnerstag in Nusa Dua auf Bali. Er verwies auf den von den USA gestarteten separaten Dialog unter den größten Treibhausgasemittenten, der im September in Washington begann und im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll.

Klare Zahlen der USA sollen bald vorliegen
Dabei könnten "klare Zahlen" auf den Tisch kommen. Watson betonte, dass der Dialog nicht in Konkurrenz zu den UNO-Verhandlungen laufe, sondern diese unterstützen solle.

Die EU und andere Staaten wollen auf Bali bereits das Ziel für die Industriestaaten festlegen, ihre klimaschädigenden Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken. Dies entspricht einer Empfehlung aus einem der Vorbereitungstreffen für Bali.

De Boer will Position nicht ändern
Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte, dieses Ziel werde von fast allen Beteiligten akzeptiert. "Wir werden unsere Position nicht ändern", sagte Watson aber am Donnerstag. Auf konkrete Ziele könnten die Länder in den nächsten zwei Jahren verständigen. So lange sollen die Verhandlungen über einen neuen Klimaschutzvertrag laufen, zu dem in Bali das Mandat ausgearbeitet wird. "Wir müssen ja nicht gleich zu Anfang diese Nummernspielchen spielen", sagte Watson.

Australien rudert zurück
Auch der neue australische Regierungschef Kevin Rudd ist in Klimafragen deutlich zurückgerudert. Sein Land sei weiter gegen jede verbindliche Festlegung, den Ausstoß der Treibhausgase der Industrienationen in den kommenden zwölf Jahren um bis zu 40 Prozent zu senken, sagte er am Donnerstag in Brisbane. Damit widersprach Rudd de facto der Delegation seines Landes bei der UNO-Klimakonferenz auf Bali, die sich für eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase einsetzte.

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