29. Oktober 2008 21:33

Finanzkrise 

Geheimes Gutachten: 100.000 Jobs wackeln

Düsteres liefert das WIFO in einer ÖSTERREICH vorliegenden Studie: Wegen der Finanzkrise schrumpft die Wirtschaft, Zehntausende Jobs wackeln.

Geheimes Gutachten: 100.000 Jobs wackeln
© APA-FOTO: BARBARA GINDL

Für den großen Kassasturz hat das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erstmals die Folgen der Finanzkrise für unser Land berechnet. ÖSTERREICH liegen die bisher geheimen Daten jetzt komplett vor.

Jobs wackeln, 2009 schon Rezession möglich
Die Kernpunkte des Gutachtens: Selbst unter Annahme eines positiven Szenarios rechnen die Experten mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich. Im Extremfall könnte es bis 2011 sogar 103.000 Arbeitslose mehr als noch 2008 geben. Schon im nächsten Jahr könnte es demnach zu einer kleinen Rezession – also zu einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung – kommen.

Die Hintergründe der Prognose sind sinkende Auftragseingänge bei den Firmen und die Krise in Osteuropa, wo heimische Firmen stark engagiert sind. Beide berechneten Szenarios seien „gleich wahrscheinlich“, so die Wirtschaftsforscher. Im Detail sehen die Modelle so aus:

SZENARIO 1:
In diesem Szenario kommt Österreich quasi mit einem blauen Auge davon. Demnach wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im nächsten Jahr noch um 0,9 Prozent. Dennoch steigt schon die Zahl der Arbeitslosen – konkret um 24.000 gegenüber dem Jahr 2008. Bis 2011 könnte diese Zahl insgesamt um 58.000 anwachsen.

Das WIFO unterstellt dabei, dass die Politik umfangreiche Gegenmaßnahmen gegen die Finanzkrise plant, was das Budgetdefizit endgültig explodieren lassen würde. Schon 2009 würden demnach drei Milliarden Euro locker gemacht, im Jahr 2010 dann noch einmal 3,5 Milliarden Euro. Darin enthalten wären etwa eine Teuerungsabfederung, die Steuerreform und diverse Konjunkturpakete.

SZENARIO 2:
Weniger Erfolg haben all diese Geldspritzen im zweiten Modell, dem sogenannten „Risikoszenario“. Hier gibt es einen stärkeren sowie länger anhaltenden Abschwung aufgrund der schlechten internationalen Wirtschaftslage. Daher würde das BIP im Jahr 2009 sogar um 0,2 Prozent zurückgehen, 2010 gäbe es dann wieder ein leichtes Wachstum von 0,5 Prozent, 2011 schon wieder 1,5 Prozent. Dennoch würde die Zahl der Arbeitslosen in diesem Zeitraum um 103.000 emporschnellen. Freilich gilt: „Selbst unser Risikoszenario kann nicht alle Abwärtsrisiken einschätzen“, wie die Wirtschaftsforscher selbst einräumen.




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