Erdöl bedroht
Houthi-Vormarsch bedroht erneut den Welthandel
Die Gruppe kontrolliert nun die gesamte Westküste des Landes und damit einen zentralen Schifffahrtsweg für den Welthandel. Schon einmal konnte die Miliz mit Angriffen im Roten Meer internationale Lieferketten stören.
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Das Bab al-Mandab ist eine Meerenge an der Südspitze der Arabischen Halbinsel und bildet den Eingang zum Roten Meer. An der schmalsten Stelle lediglich etwa 30 Kilometer breit liegt sie etwa 2.200 Kilometer südlich des Suezkanals.
Seeverkehr war bereits Ende 2023 massiv unter Druck
In normalen Zeiten passieren etwa zehn Prozent des weltweiten Seehandels und 30 Prozent des weltweiten Containerverkehrs die auch als "Tor der Tränen" bezeichnete Meerenge. Bereits Ende 2023 kam der Seeverkehr dort durch Drohungen und Beschuss der Huthi-Miliz massiv unter Druck.
Lieferketten wurden damals zwar gestört, etwa mussten Automobilhersteller in Europa ihre Produktion teilweise drosseln, da sich die Lieferung von Bauteilen verzögerte. Auch verteuerten sich Schiffstransporte kurzfristig massiv. Aber einen nachhaltigen, signifikanten Effekt auf Preise für Konsumenten konnten Studien durch die Störung nicht nachweisen.
Die Bedeutung der Meerenge ist durch die Krise an der Straße von Hormuz jedoch noch gestiegen: Saudi-Arabien versucht etwa, einen Teil seiner Ölexporte nach Asien über das Rote Meer umzuleiten. Eine zusätzliche Sperrung des Bab al-Mandab würde daher zwei wichtige Wege für Handel und Energietransporte gleichzeitig treffen.
Keine Angriffe auf Schiffe der USA und Israels
Noch ist der Welthandel nicht blockiert. Die Houthi werden zwar vom Iran unterstützt, liegen derzeit aber insbesondere mit Saudi-Arabien im Konflikt. Bei einem Treffen in der US-Botschaft im Oman hätten die Houthi-Vertretern der USA zugesichert, rund um die wichtige Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer und dem Golf von Aden keine Schiffe der USA und Israels anzugreifen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur diese Woche aus Diplomatenkreisen in Riad.
Die Miliz hatte zuvor eine "Blockade" für saudische Schiffe angekündigt und daraufhin mehrere saudische Schiffe angegriffen oder zu Kursänderungen gezwungen. Aus Daten des Analyseunternehmens Kpler, die der dpa vorliegen, geht ein Rückgang an Schiffspassagen durch die Meerenge hervor: Demnach waren es Mitte Juli im Schnitt noch 46 Transite täglich. Die Zahl fiel auf 33 am Donnerstag.
Umweg über Südafrika kostet 2 Mio. Dollar mehr pro Fahrt
Schiffe zwischen Asien und Europa können Afrika südlich über das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Diese Route vermeidet das Bab al-Mandab, das Rote Meer und den Suezkanal. Sie ist allerdings erheblich länger und teurer. Der Datenanbieter Windward bezifferte die zusätzlichen Kosten im Juli auf rund zwei Millionen US-Dollar je Fahrt.
Im Zuge der vergangenen Angriffe der Houthi im Roten Meer hatten viele Reeder auf die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung umgestellt.
Die Reederei-Allianz "Gemini" von Maersk (Dänemark) und Hapag-Lloyd (Deutschland) fährt mit mehreren Liniendiensten durch das Rote Meer statt um das Kap der Guten Hoffnung, und das teils schon seit Monaten. Hapag-Lloyd erwägt gegenwärtig, weitere Fahrten zwischen Europa und Asien durch den Suezkanal umzurouten. Die weltgrößte Reederei MSC kündigte Anfang der Woche an, teils Fahrten durch das Rote Meer wieder aufzunehmen.
Österreich von der Rote-Meer-Route abhängig
Deutschland ist wie auch Österreich von der Route durch das Rote Meer abhängig. Einer vom deutschen Wirtschaftsministerium beauftragten Ifo-Studie zufolge passierte 2023 annähernd ein Zehntel der deutschen Importe das Rote Meer. Das Einfuhrvolumen auf dieser Route lag bei 136 Milliarden Euro.
Ob mögliche Verwerfungen in der Seepassage die Inflation anheizen würden, ist schwer abzusehen. Nach Einschätzung des dänischen Containerschifffahrtsexperten Lars Jensen hinge das Ausmaß von Preissteigerungen maßgeblich von den transportierten Waren ab. Bei kleinen, teuren Waren wie Markenschuhen gebe es je Paar Auswirkungen im Centbereich, weil Tausende Schuhe in einen Seecontainer gepackt werden könnten. Sperrige Waren wie Kühlschränke verteuerten sich dagegen stärker.
Engpass bei Diesel
Analysten verändern seit Monaten regelmäßig ihre Prognosen für Energiepreise. Die volatile Lage des Iran-Kriegs macht solche Schätzungen derzeit schwer. Immer wieder eskalieren Angriffe auf Schiffe in der von den USA und dem Iran umkämpften Straße von Hormus. Die ist besonders wichtig für den internationalen Ölhandel.
Über die vergangenen Monate hatten ausreichende staatliche Reserven, wie auch Vorräte bei Unternehmen weitere Ölpreissteigerungen gedämpft. Diese gelten nun jedoch als teilweise aufgebraucht. Zudem kommen gerade raffinierte Produkte wie Diesel derzeit kaum von der Arabischen Halbinsel an den Markt.
Kraftstoffpreise an der Tankstelle hängen direkt von den Weltmarktpreisen ab. Zu deren Entwicklung zitierte das "Wall Street Journal" Mike Wirth, den Chef des Energieunternehmens Chevron, mit den Worten: "Ich wünschte, ich könnte Ihnen einen Grund nennen, warum sich die Lage bessern könnte. Aber das ist derzeit schwer abzusehen."
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