Tückische E-Technik?

Chevrolet Volt brannte nach Crashtest

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Bei uns sollte der baugleiche Opel Ampera dieser Tage in den Handel kommen.

Mit großem Tamtam hatte General Motors sein erstes Elektroauto Chevrolet Volt auf die Straße geschickt. Doch der Wagen verkauft sich weniger gut als erhofft. Nun sind bei Crash-Tests auch noch Feuer ausgebrochen. Ein Rückschlag für die gesamte Elektroauto-Bewegung?

Prestigeerfolg
Für den US-Autoriesen General Motors sollte der Chevrolet Volt der ganz große Wurf werden. Als einer der ersten Hersteller überhaupt schickte der Konzern einen Elektrowagen mit Reichweitenverlängerer ( Range Extender ) in Großserie auf die Straße: den Chevrolet Volt und für Europa den weitgehend baugleichen Opel Ampera . Die Kritiker überschlugen sich mit Lob, die Konkurrenz blickte neidisch auf die alltagstaugliche Limousine. Ein Prestigeerfolg für das Unternehmen, das lange eher für fette Spritschlucker bekannt war.

Erfolg hielt sich bislang in Grenzen
Doch die Euphorie ist inzwischen ein Stück weit verflogen: Nicht nur, dass der Chevrolet Volt weniger Fans findet als erwartet. Nun muss sich GM auch noch damit herumschlagen, dass nach Crash-Tests in den USA Feuer ausgebrochen sind. Die Sache bewegt selbst die Kollegen in Rüsselsheim: Das Auto wird hierzulande im Wesentlichen unverändert als Opel Ampera angeboten.

"Die Auslieferung an die Kunden verzögert sich leicht", sagte ein Opel-Sprecher auf Anfrage. Mehr als 6000 Vorbestellungen lägen aus ganz Europa vor. Der Sprecher versicherte: "Der Ampera ist sicher." Von Anfragen besorgter Kunden wisse er nichts, und wenn dann würde Opel auf die Sorgen eingehen.

Brand nach Crashtest

Was war passiert? Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte den Volt schon im Mai einem Crash-Test unterzogen. Der Wagen wurde von der Seite gerammt. Soweit war alles im grünen Bereich, und das Auto erhielt sogar fünf Sterne für die Sicherheit. Der demolierte Wagen stand mehr als drei Wochen lang unbeachtet in der Ecke herum - bis plötzlich Feuer ausbrach.

Wie die NHTSA nach dem Löschen des Brandes feststellte, war das Kühlsystem für die Lithium-Ionen-Batterie bei dem Aufprall beschädigt worden. Mit der Zeit erhitzte sich der Akku. Bei weiteren Crash-Tests schlugen teils schon nach Stunden Funken aus dem beschädigten Batteriepack. Die NHTSA machte den Vorfall im November öffentlich und leitete eine Untersuchung ein.

Zur Verteidigung sei jedoch erwähnt, dass beim kürzlich durchgeführten EuroNCAP-Crashtest beide Modelle die Höchstwertung von fünf Sternen bekamen.

Schlechtes Timing
Der Vorfall kommt zur Unzeit. Der Markt der Elektroautos beginnt gerade erst anzulaufen. Nur wenige Hersteller wie Nissan mit dem kompakten Leaf haben bereits ein Serienfahrzeug auf der Straße. Oder GM mit seinem Volt. Ein deutscher Autobauer sieht sich in seinem Zögern bestätigt: "Uns ist es lieber, wenn wir ein oder zwei Jahre später auf den Markt kommen und dann mit ausgereifter Technik", heißt es hinter vorgehaltener Hand. "Das erwarten unsere Kunden von uns."

GM-Konzernlenker Daniel Akerson müht sich höchstpersönlich um Schadensbegrenzung. GM bietet besorgten Kunden an, den Volt zurückzukaufen oder auf einen Leihwagen umzusteigen, bis die Sache mit dem Feuer restlos aufgeklärt ist und möglicherweise die Konstruktion geändert wird.

Nur eine Handvoll Kunden haben das Leih-Angebot bislang angenommen. Denn der Volt ist bei seinen Fahrern überaus beliebt, wie die einflussreiche Verbraucherzeitschrift Consumer Reports gerade erst feststellte. Zudem ist es im realen Straßenverkehr auch noch zu keinen Bränden gekommen.

Ziel heruntergesteckt
Bis zum November wurde GM im Heimatmarkt dennoch gerade einmal 6142 Volt los und verabschiedete sich von seinem Ziel, 10 000 im Gesamtjahr absetzen zu wollen. Das dürfte am Preis von rund 40 000 Dollar plus Steuern liegen. Eine vergleichbar große Limousine mit konventionellem Antrieb kostet die Hälfte. Hierzulande schlägt das Schwestermodell Ampera mit knapp 43.000 Euro zu Buche. Die meisten Autokäufer dürfte die Aufregung um brennende Elektrowagen damit von vornherein kalt lassen.

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Fotos vom neuen Opel Ampera

Vorne sind die in Form eines Bumerangs gestalteten Scheinwerfergehäuse besonders aufflällig.

Das Design des Hecks wurde sehr auf Windschlüpfrigkeit getrimmt.

In der Seitenansiche wirkt der Ampera dynamisch. Auf den ersten Blick vermutet hier vermutet niemand ein Elektroauto.

Unter der Motorhaube steckt neben dem E-Motor auch ein kleiner Benziner zur Reichweitenverlängerung. Der Verbrenner aktiviert sich immer dann, wenn der Ladezustand der Batterie ein definiertes Minimum erreicht hat. Dann startet der 86 PS starke 1,4-Liter-Benzinmotor automatisch und treibt den Generator zur Stromversorgung des Elektromotors an.

Das Interieur des Ampera soll das moderne Antriebskonzept offenbar widerspiegeln.

Die beiden interaktiven, hoch auflösenden Farbmonitore wirken jedenfalls futuristisch. Statt der üblichen Rundinstrumente gibt es hinter dem Lenkrad das Driver Information Center (DIC) mit einem konfigurierbaren Farbdisplay.

Neben seiner Reichweite überzeugt der Ampera auch beim Platzangebot. So reisen bis zu vier Passagiere in bequemen Einzelsitzen. Im Fond wird es für groß Gewachsene über dem Kopf zwar etwas eng, an der Beinfreiheit gibt es aber nichts auszusetzen.

Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 310 Litern zwar nicht gerade üppig, lässt sich dank der weit aufschwingenden Hekcklappe aber einfach beladen und via Umlegelehnen auf 1.005 Liter erweitern- nur die Ladekante fällt etwas hoch aus.

Eine Vollladung an der 230-Volt-Steckdose dauert vier Stunden. Zum Lieferumfang gehört ein sechs Meter langes Stromkabel samt Trommel, das im Kofferraum verstaut ist.

Die Vorderräder des Ampera werden rein elektrisch angetrieben. Eine 16-kWh-Lithium-Ionen-Batterie versorgt den 150 PS starken Elektromotor (370 Nm) mit Energie.

Je nach Fahrweise, Streckenprofil und Außentemperatur lassen sich bei vollständig aufgeladener Batterie Distanzen zwischen 40 und 80 Kilometern rein batteriebetrieben zurücklegen.

Fotos vom EuroNCAP-Crashtest Nov. 2011

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