Eine hochrangig besetzte Wirtschaftsdelegation rund um Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer reiste von Dienstag bis Samstag in die Ukraine.
Österreich will sich für den Wiederaufbau der Ukraine in Stellung bringen. In Lemberg (ganz im Westen des Landes) kam es Samstagfrüh zum brisanten Zwischenfall. Kurz nach 2 Uhr läuten die Sirenen - Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und ein paar österreichische Unternehmer flüchten in den Luftschutzbunker ihres Hotels. Dort müssen sie zwei Stunden lang ausharren. Nachher können sie unversehrt wieder nach oben. "Es war eine Stresssituation", sagt ein Beteiligter der Delegation gegenüber oe24.
Russland hat die gesamte Ukraine mit Luftangriffen überzogen: Drohnen und Raketen, sogar Hyperschallraketen. Die Lemberg-Region blieb diesmal verschont. Bis dahin war die Reise ruhiger verlaufen, deren Erfolg ein konkreter Deal ausmacht, wie Österreichs Unternehmen Aufträge zum 500-Milliarden-schweren Wiederaufbau der Ukraine erhalten.
500-Milliarden-Deal
„Der Wiederaufbau der Ukraine ist ein europäisches Jahrhundertprojekt – und er eröffnet auch große Chancen für österreichische Unternehmen die wir nutzen müssen. Genau deshalb habe ich auf dieser Reise österreichische Unternehmen direkt mit der ukrainischen Verwaltung und ukrainischen Unternehmen zusammengebracht", sagt Hattmannsdorfer.
Der Wiederaufbau der Ukraine ist ein Riesen-Projekt für Europa mit einem Bedarf von über 580 Milliarden US-Dollar: So hoch nennt die Weltbank die nötigen Investitionen. Österreich soll sich dabei führend einbringen. „Österreichische Unternehmen verfügen gerade in Bereichen wie Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft und Gesundheit über starke Kompetenz. Genau diese Stärken wollen wir einbringen und unsere Unternehmen frühzeitig bei diesem Zukunftsmarkt positionieren“ so der Wirtschaftsminister.
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und sein ukrainisches Pendant Oleksii Sobolev.
Bei einem großen Wirtschaftsforums mit 300 Gästen aus österreichischen und ukrainischen Unternehmen ging es um Kooperationen für den Wiederaufbau der Ukraine. Dabei konnten die Anliegen von 11 österreichischen Unternehmen direkt adressiert werden. Gleichzeitig wurde von ukrainischer Seite konkretes Interesse an Produkten und Lösungen von rund 7 österreichischen Unternehmen übermittelt, heißt es aus dem Ministerium zu oe24.
Vitali Klitschko empfängt Österreicher
Treffen gab es etwa auch mit:
- Denys Schmyhal, Erster Stellvertretender Ministerpräsident und Energieminister
- Oleksii Sobolev, Minister für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft
- Maksym Kozyzkyj, Gouverneur der Region Lwiw
- Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kyjiw
"Darüber hinaus schaffen wir mit drei konkreten Vereinbarungen jetzt bessere Rahmenbedingungen, damit unsere Betriebe ihre Stärke beim Wiederaufbau einbringen und aktiv an diesem Großprojekt mitarbeiten können“, betont der Wirtschaftsminister anläßlich seiner Wirtschaftsmission in die Ukraine.
Mittlerweile ist die Delegation wieder in Österreich.
Die konkreten Ergebnisse
- Österreichische Unternehmen können künftig schneller und flexibler an Wiederaufbauprojekten teilnehmen.
- Deals zur Transportinfrastruktur: rund 96 Milliarden US-Dollar wird es dafür in der Ukraine brauchen
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Deals zum Wiederaufbaubedarf und Wohnbau: rund 90 Milliarden US-Dollar (gerade in diesen Bereichen verfügen österreichische Unternehmen über internationale
Spitzenkompetenz, insbesondere im Straßen- und Tunnelbau, der Infrastrukturplanung und bei Bau- und Ingenieurleistungen) - Deals zur Energie-Infrastruktur
Über 1.000 österreichische Unternehmen haben Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine. Diese haben rund 200 österreichische Niederlassungen im Land und es gibt mehr als 25.000 Beschäftigte in österreichischen Unternehmen vor Ort.
Der Handel entwickelt sich trotz Krieg positiv: Die österreichischen Exporte in die Ukraine betrugen 2025 volle 703 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es noch 665 Millionen und 2023 knapp über 600 Millionen.