AMP investiert 50 Mio. Euro bis 2020

E-Autos sollen ab 2010 in fünf Städten rollen

Die vor einem halben Jahr ins Leben gerufene Plattform "Austrian Mobile Power" hat mit der Gründung der Austrian Mobile Power Managment GmbH & Co KG (AMP) der drei Leitunternehmen Magna, Siemens und Verbund den Strukturierungsteil abgeschlossen. Bereits ab 2010 startet die AMP in fünf Modellregionen (Wien, Graz, Salzburg, Vorarlberg und Kärnten) mit der Vernetzung. Der Aufbau der Infrastruktur beginnt ebenfalls in der Pilotphase ab 2010. 2020 könnten bereits 250.000 Strom-Autos auf Österreichs Straßen fahren.

Bis 2020 werden 50 Mio. Euro in die Einführung der Elektromobilität in Österreich investiert. Die Investitionskosten für 100.000 Fahrzeuge werden sich auf 5 Mrd. Euro belaufen, gaben Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, Siemens-Chefin Brigitte Ederer und der Entwicklungs-Chef von Magna International Europe, Karl Nigl, bekannt.

Die als Verein organisierte Plattform hat inzwischen 12 Mitglieder. Neben Verbund, Siemens, Magna, KTM, AVL und dem Austrian Institute of Technology (AIT) sind Wien Energie, Energie Steiermark, Rewe, Infineon, The Mobility House und Raiffeisen neu dazugekommen. Die Salzburg AG und EVN seien außerdem über Projekte integriert. Anzengruber rechnet damit, dass über kurz oder lang alle heimischen Energieversorger Mitglied der Initiative sind. "Jeder ist Willkommen", sagte der Verbund-Chef.

Infrastruktur-Aufbau bis 2013

Der Aufbau der Infrastruktur für die Strom-Autos wird bis 2013 dauern. Im Gegensatz zu Konzepten wie dem Batterietausch setzt die AMP auf das sogenannte "Charge Everywhere"-Konzept. Getankt wird haushaltsverfügbarer Starkstrom aus der Steckdose, die Abrechnung erfolgt über einen wählbaren Stromerzeuger. Die Andockstationen sollen auf großen Parkplätzen, in Parkgaragen oder bei Tankstellen stehen. Ederer hofft, die OMV als Plattform-Mitglied zu gewinnen. Die ersten Tankstellen wird es in Wien bzw. in den Modellregionen geben. Insgesamt werden österreichweit bis zu 575.000 Steckplätze benötigt.

Für Magna stellt das Elektroauto eines der wichtigsten Zukunftsthemen dar, meinte Nigl. Ziel sei es, ein Fahrzeug zu entwickeln und in ausreichender Stückzahl zu produzieren. Magna habe von Ford den Auftrag bekommen, den Ford Focus zu elektrifizieren. Die Grazer-Magna-Ingenieure entwickeln das Strom-Auto mit. Auch von Daimler und Mitsubishi gebe es Anfragen, so Nigl vage. Weiters will Magna die Batterieentwicklung, konkret die der Lithium-Ionen-Batterien, vorantreiben und plant in Europa eine Hochbatterienproduktion mit einem Technologiepartner aus Asien, erzählte Nigl, ohne nähere Details zu verraten.

Im Gegensatz zu einem fossil betriebenen Fahrzeug habe man beim Strom-Auto zwar kein "Sounderlebnis", dafür beschleunige es in 5 bis 6 Sekunden auf 100 km/h. "An dem Problem der Lautlosigkeit muss man noch arbeiten." Dass ein künstliches Geräusch eingebaut wird, kann sich Ederer aber nicht vorstellen.

Hehre Ziele auch in Deutschland

Auch in deutschen Forschungsabteilungen hat die Mobilität der Zukunft bereits begonnen. Große Konzerne wie Siemens oder das Energieversorgungsunternehmen RWE arbeiten mit Hochdruck an der Elektromobilität. Das zeigte eine Informationsreise der Kärntner Wirtschaftskammer Kärnten nach Berlin. "Strom wird in Zukunft die maßgebliche Energieform sein - aber sie muss sauber produziert werden", brachte es Peter Albrecht von der Mobility Devision der Siemens AG bei einer Informationsveranstaltung im Siemenszentrum in Berlin auf den Punkt.

Und die Elektromobilität ist ein wichtiger Teil davon, sowohl als Verbraucher als auch als Teil des Kreislaufes in Form eines mobilen Energiespeichers. Der Entwicklungsingenieur geht davon aus, dass im Jahr 2020 allein in Deutschland rund eine Million Elektroautos unterwegs sein werden.

Was für die Techniker von Siemens oder großen Energieversorgern, wie der RWE, bereits beschlossene Sache ist, klingt für viele noch wie Utopie. "Die Netze werden integriert, dezentraler und kleiner", zeichnete Albrecht als Szenario der Zukunft. So werden Bauten künftig mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet sein und nicht nur für sich produzieren, sondern Teil eines ganzen Systems sein. Und wichtige Speicher in diesem Kreislauf sind die Autobatterien in jedem Haushalt. Damit der Kreislauf funktioniert, müssen intelligente Systeme diese Netze so steuern, dass immer dort genügend Strom vorhanden ist, wo er auch gebraucht wird. Und für diese Systeme erwartet sich Siemens ein großes, neues Geschäftsfeld.

Reichweite bleibt unter 200 Kilometer

Reichweiten über 200 km mit einer Ladung sind aus heutiger Sicht unrealistisch. Und laut Carolin Reichert, Leiterin des Geschäftsbereichs Elektromobilität des Energieversorgers und Teileigentümers der Kelag, auch gar nicht notwendig. "90 Prozent der Tagesfahrten der Deutschen liegen unter 100 km", sagt sie.

Die RWE investiert massiv in dieses Geschäftsfeld und baut ein Ladenetz über ganz Deutschland und mit dem Kärntner Partner Kelag auch im Kärntner Zentralraum auf. In Zukunft soll überall "getankt" werden, wo Autos parken: zu Hause, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Parkraum, in Garagen und Parkhäusern. "Und im Durchschnitt parken Autos 23 von 24 Stunden", sagt Reichert. Der "Tankvertrag" fürs E-Auto soll aufgebaut sein wie ein Handyvertrag. Man hat eine Vereinbarung mit einem Anbieter, der wiederum Roamingverträge mit dem Mitbewerb abschließt. Die RWE ist mit rund einem Drittel an der Kärntner Kelag beteiligt.

Die Kärntner Wirtschaftskammer setzt ebenfalls auf diese Technologie und unternahm nicht zuletzt diese Informationsreise, um sich über die neuesten technischen Standards zu informieren. Alle Bezirksstellen in Österreichs südlichstem Bundesland wurden bereits mit E-Tankstellen ausgerüstet, an denen die beiden kammereigenen Elektrofahrzeuge aufgeladen werden können.

"Die Elektromobilität kommt sicher, der Zeitrahmen wird auch von der Politik abhängen", davon ist Albrecht überzeugt. Die Politiker könnten mit Förderungen auf der einen Seite und mit Restriktionen auf der anderen Seite die Geschwindigkeit der Umstellung stark beeinflussen. "Europa muss sich anstrengen, damit es nicht auf der Strecke bleibt", sagt er. China beschäftige sich seit längerem intensiv mit diesem Thema und im arabischen Raum werden Milliarden in diese Technologie investiert.