Samuelsson will eine Compliance-Abteilung

MAN-Chef plant neue Kontrollinstanz

Als Konsequenz aus dem Schmiergeldskandal in seinem Haus will MAN-Chef Hakan Samuelsson laut einem Zeitungsbericht eine neue Kontrollinstanz schaffen. Samuelsson werde auf der an diesem Mittwoch (8. Juli) geplanten Sitzung des Aufsichtsrates vorschlagen, zusätzlich zur bereits bestehenden Innenrevision eine Compliance- Abteilung zu schaffen, die sich um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien kümmern soll, schreibt die "Financial Times Deutschland". Ein Sprecher von MAN wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Staatsanwaltschaft München hatte Anfang Mai Büros des Unternehmens durchsuchen lassen. Sie geht davon aus, dass vor allem im Lastwagen-Geschäft Verkäufer in den Niederlassungen Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden zahlten, um den Verkauf anzukurbeln. Im Visier sind mehr als 100 Beschuldigte.

Samuelsson hatte nach der deutschlandweiten Razzia ein Amnestieprogramm aufgelegt, um die Aufklärung voranzutreiben. Demnach werden MAN-Angestellte, die über Gesetzesverstöße auspacken, nicht gefeuert und auch nicht auf Schadenersatz verklagt, sofern sie nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Zugleich hatte Samuelsson zuletzt deutlich gemacht, dass er konsequent durchgreifen will.

Aus Branchenkreisen war zu hören, Samuelsson plane in der Tat eine Stärkung der unternehmensinternen Kontrollmechanismen. Dafür spricht auch, dass MAN über die hauseigene Jobbörse im Internet derzeit zwei Stellen im Bereich interne Revision ausgeschrieben hat. Sie sind zur sofortigen Besetzung frei.

Keine Hinweise auf schwarze Kassen

In der Schmiergeld-Affäre bei MAN haben sich bisher keine Hinweise auf schwarze Kassen ergeben. Das stellte die mit der Prüfung beauftragte Anwaltskanzlei WilmerHale in ihrem Zwischenbericht fest, mit dem sich der Aufsichtsrat des Unternehmens in München befasste. Die Kanzlei hatte die Provisionszahlungen der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe genommen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Anteil rechtswidriger Zahlungen dabei "überschaubar" gewesen und betreffe im Wesentlichen die Jahre bis 2006, erklärte das Unternehmen in München. Um möglichen künftigen Fällen vorzubeugen, will MAN zudem seine Korruptionsabwehr mit einem Fünf-Punkte-Programm stärken.

Die Staatsanwaltschaft München geht davon aus, dass Verkäufer in den MAN-Niederlassungen mit dubiosen Zahlungen vor allem den Lkw-Verkauf ankurbelten. Die Ermittler haben weit über 100 Beschuldigte im Visier. Ab 2007 habe die Zahl der Verdachtsfälle nach den Untersuchungen der Anwaltskanzlei drastisch abgenommen, erklärte MAN. Als Sofortmaßnahmen soll nun sowohl die Aufklärung der Vorwürfe als auch die Vorbeugung vorangebracht werden. So will das Unternehmen künftig bei möglichen Fällen die Staatsanwaltschaft informieren und neben der personellen Aufstockung seiner Revisionsabteilung auch die Compliance-Organisation stärken. Auch die Prozesse des Nutzfahrzeug- Vertriebs sollen überprüft werden. Zu dem Fünf-Punkte-Programm gehört zudem der Dialog mit Anti-Korruptionsexperten von Organisationen wie Transparency International.

Mit Siemens nicht vergleichbar

Ähnliche Maßnahmen hatte auch der Elektrokonzern Siemens auf den Weg gebracht, der 2006 vom bisher größten Schmiergeld-Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte erschüttert wurde. Auch nach den bisherigen Einschätzungen der Staatsanwaltschaft München ist die Dimension der beiden Fälle aber nicht vergleichbar. Bei Siemens soll über Jahre hinweg über ein System von schwarzen Kassen und fingierten Beraterverträgen Bestechungsgeld zur Erlangung von Aufträgen im Ausland geflossen sein. Insgesamt ging es dabei um Zahlungen von 1,3 Mrd. Euro.

Dagegen ist bei MAN bisher von einer Million Euro im Inland und rund 13 Mio. Euro im Ausland die Rede. Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeughersteller hatte unter anderem ein Amnestieprogramm für auskunftswillige Mitarbeiter zur Aufklärung der Affäre aufgelegt, das gut angenommen worden sein soll. Außerdem wurden sogenannte Gelegenheitsprovisionen beim Verkauf von Lastwagen und Bussen abgeschafft. Der Aufsichtsrat habe dem Vorstand die volle Unterstützung bei der Umsetzung des Fünf-Punkte-Programms zugesichert, erklärte das Unternehmen. "Aufsichtsrat und Vorstand haben nach wie vor das gemeinsame Ziel, jeglicher Art von Korruption bei MAN den Boden zu entziehen."