René Rene Benko

Kaiser´s Tengelmann im Visier

Benko hat Hunger auf deutsche Supermarktkette

Geheim-Treffen um 14.00 Uhr in Frankfurt.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums für den deutsche Lebensmittelhändler Kaiser's Tengelmann soll Insidern zufolge am Donnerstag bei einem Spitzentreffen eine Lösung für die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette gesucht werden. Interesse an Teilen von Kaiser's Tengelmann hat für den Fall einer Zerschlagung angeblich auch der österreichische Karstadt-Eigner Rene Benko angemeldet.

Spitzenvertreter von Tengelmann, Edeka, Rewe, Markant und Norma hätten jedenfalls vereinbart, gegen 14.00 Uhr in Frankfurt Gespräche aufzunehmen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

"Das Treffen steht", sagte einer der Insider. Er hoffe, dass das Gespräch eine Lösung bringe, die alle Arbeitsplätze sichere, sagte Kaiser's-Tengelmann-Betriebsratschef NRW (Nordrhein-Westfalen), Rainer Schroers. Im September hatten die Supermarkt-Chefs bereits einmal über die Zukunft der Kette verhandelt. Sie hatten angekündigt, eine tragfähige Lösung finden zu wollen. Bisher ist dies aber nicht gelungen. Ob es bei dem neuen Treffen einen Durchbruch geben werde, sei noch völlig offen, sagten mehrere Insider. Die beteiligten Unternehmen wollten die Aussagen nicht kommentieren.

Für Kaiser's Tengelmann läuft die Zeit ab. Eigentümer Karl-Erivan Haub hat für die Zukunft der Kette mit rund 15.000 Beschäftigten ein Ultimatum gestellt. Gibt es bis Freitag um Mitternacht keine tragfähige Lösung für Kaiser's Tengelmann, will er mit der Zerschlagung beginnen. Märkte an guten Standorten in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin könnten dann an verschiedene Interessenten gehen, den übrigen droht die Schließung.

Allein in Nordrhein-Westfalen seien dann rund 3.000 Arbeitsplätze in Gefahr, fürchten Arbeitnehmer. Interesse an Teilen von Kaiser's Tengelmann hat Insidern zufolge für den Fall einer Zerschlagung auch Karstadt-Eigner Rene Benko angemeldet. Ende 2015 verfügte die Kette noch über 446 Märkte, 133 davon in Berlin, 188 in Bayern und 125 in der Region Nordrhein. Es dürften nun aber weniger sein, denn Vermieter haben Insidern zufolge bei einigen Märkte wegen der unklaren Aussichten die Mietverträge nicht verlängert.

Haub hatte Kaiser's Tengelmann an Edeka verkaufen wollen. Die Transaktion wurde zwar vor zwei Jahren besiegelt, doch die Umsetzung steht auf der Kippe. Das Kartellamt legte sein Veto ein, im März hebelte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses nach langer Prüfung aus. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hatte die sogenannte Ministererlaubnis dann aber auf Eis gelegt - Rewe, Markant und Norma hatten gegen sie geklagt.

Insidern zufolge drängt Haub darauf, dass Rewe sowie der Diskonter Norma und die Einkaufsgemeinschaft Markant ihre Klagen vor dem OLG zurückziehen - der Weg für eine Übernahme durch Edeka wäre dann frei. Doch dafür müsste es auch Zugeständnisse an die Kläger geben. Bei dem Spitzentreffen geht dieser Poker nun weiter. Erstmals nehme auch Norma teil, sagten Insider - der Diskonter war beim letzten Gespräch noch nicht dabei. Er hoffe, dass die Ministererlaubnis für eine Übernahme durch Edeka doch noch umgesetzt werden könne, sagte Betriebsratschef Schroers weiter.

"Sollten die Bemühungen um eine Umsetzung der Ministererlaubnis erfolglos sein, wird der Vertrag mit Edeka enden und wir werden in die Einzelverwertung gehen", hatte Haub angekündigt, zu dessen Tengelmann-Konzern unter anderem auch die Obi-Baumärkte oder der Textil-Diskonter Kik gehören. Der Chef der Tengelmann-Tochter Kaiser's-Tengelmann, Raimund Luig, hatte gesagt, eine endgültige Entscheidung Haubs zur Zukunft der Kette sei dann nach Ablauf des Ultimatums am Montag zu erwarten.