Erhebliche Risiken durch Kreditausfälle für IKB

Deutschland beäugt Goldman Sachs wegen Schadenersatz

Auch Deutschland geht möglicherweise gegen die unter Betrugsverdacht stehende US-Investmentbank Goldman Sachs vor. Die Finanzaufsicht BaFin trete in Kontakt mit der US-Börsenaufsicht SEC und informiere sich über das Verfahren und die erhobenen Vorwürfe, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums am Montag. "Es geht zunächst einmal darum, sich konkreter zu informieren." Dabei geht es nach Darstellung des Ministeriums auch um mögliche Schadenersatzansprüche.

Die IKB-Bank prüft ebenfalls rechtliche Schritte. Allerdings sei im vorliegenden Fall nicht die IKB AG selbst Investor, sondern Ankaufsgesellschaften aus der Zweckgesellschaft Rhineland, teilte eine Sprecherin der Bank am Montag in Düsseldorf mit. Die IKB sei in diesem Zusammenhang über eine vormalige Tochtergesellschaft als Anlageberater tätig gewesen. Die Bank habe die US-Börsenaufsicht SEC aber bei deren Ermittlungen unterstützt.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger mit einem Finanzprodukt getäuscht und um mehr als eine Milliarde Dollar (744 Mio. Euro) gebracht zu haben. Die früher staatliche Mittelstandsbank IKB, die vom deutschen Steuerzahler gerettet werden musste, hat laut Anklageschrift fast ihren gesamten Einsatz von 150 Mio. Dollar verloren. Goldman Sachs sieht sich dagegen selbst als Opfer des Finanzgeschäfts.

Die Sprecherin des Finanzministeriums verwies darauf, dass sich die IKB inzwischen nicht mehr im Besitz der öffentlichen Hand befinde. Daher müsse geprüft werden, wer einen möglichen Schadenersatzanspruch für die öffentliche Hand stellen könnte. Dies werde ausgelotet. Die IKB hat sich auf dem US-Häusermarkt verspekuliert und musste vom Steuerzahler mit fast 10 Mrd. Euro gerettet werden. Mittlerweile gehört die Bank dem US-Finanzinvestor Lone Star.

Nach Goldman Sachs geraten noch andere Banken ins Visier der Börsenaufsicht. Mehrere Institute hatten 2007 ähnliche Finanzprodukte aufgelegt, mit denen Investoren auf einen Einbruch des US-Häusermarkts setzen konnten. Dazu hätten die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und die von der Bank of America übernommene Investmentbank Merrill Lynch gehört, schrieb das "Wall Street Journal" am Montag. Es sei aber unklar, ob die Börsenaufsicht tatsächlich gegen die Häuser ermittele.