ATX geht tiefrot ins Wochenende

Wiener Börse

ATX geht tiefrot ins Wochenende

Der ATX fiel 71,61 Punkte oder 3,24 Prozent auf 2.136,70 Einheiten.

Die Wiener Börse hat am Freitag tiefrot geschlossen. Der ATX fiel 71,61 Punkte oder 3,24 Prozent auf 2.136,70 Einheiten. Damit lag die tatsächliche Entwicklung des Leitindex rund 62 Punkte unter der heutigen Händlerprognose im APA-Konsensus von 2.199 Punkten.

Zum Vergleich die wichtigsten Börsenindizes um 17.30 Uhr: Dow Jones/New York -1,11 Prozent, DAX/Frankfurt -2,63 Prozent, FTSE/London -2,14 Prozent und CAC-40/Paris -2,64 Prozent.

Dabei setzte der ATX bereits zum Handelsauftakt seinen die gesamte Woche andauernden Negativlauf fort. Auf Wochensicht steht trotz einer verkürzten Handelswoche insgesamt ein Minus von 6,4 Prozent für den ATX zu Buche. Vor allem die erneut schwächeren Ölpreise belasteten vormittags die Aktienmärkte rund um den Globus. Nachdem die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Wachstumsprognose für die Ölnachfrage im nächsten Jahr zum vierten Mal in fünf Monaten gekürzt hatte, gab der Brent-Ölpreis erneut nach und die US-Ölsorte WTI fiel unter die 60-Dollar-Marke. Infolge knüpften in Wien OMV (minus 2,93 Prozent) und SBO (minus 3,98 Prozent) an ihre Vortagesverluste an.

Durchwachsen fielen unterdessen Konjunkturnachrichten aus der Eurozone und den USA aus: Während Zweitschätzungen zur November-Preisentwicklung für Spanien einen 0,5-prozentigen Preisverfall zum Vormonat ergaben, wurde in Italien die Teuerung von 0,1 auf 0,3 Prozent hochgebessert. Kaum gewachsen ist vor diesem Hintergrund die Industrieproduktion der Eurozone. Sie lag mit plus 0,1 Prozent hauchdünn über der Stagnation und ebenso hauchdünn unter den Erwartungen.

Auch aus den USA kamen zum Wochenausklang durchwachsene Konjunktursignale: So fielen die Erzeugerpreise im November etwas stärker als erwartet. Demgegenüber ergab das Konsumklima-Barometer der Universität Michigan, dass der Optimismus der US-Verbraucher so groß wie seit Jänner 2007 nicht mehr ist.

An der Wiener Börse gerieten allen voran die Aktien der Raiffeisen Bank International (RBI) unter Verkaufsdruck: Sie gingen mit einem Minus von 8,47 Prozent bei 13,50 Euro aus dem Handel, nachdem sie bereits am Vortag 4,84 Prozent eingebüßt hatten. Zuletzt waren die RBI-Papiere im November 2011 um weniger als 14 Euro je Titel zu haben. Zum Vergleich: Erste Group schlossen sich mit minus 5,47 Prozent dem schwachen Trend an, der Bankensektor büßte europaweit knapp drei Prozent ein.

Die starken Kursverluste begründet Analyst Thomas Neuhold von Kepler-Cheuvreux zum einen mit dem schwachen Rubel, der auf Jahressicht mittlerweile über 40 Prozent an Wert verloren hat. Zum anderen könnte die jüngste Aufregung um die Moskauer Konzerntochter ZAO Raiffeisenbank ein Belastungsfaktor sein. Zur Wochenmitte hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass das Co-Management der ZAO Raiffeisenbank bei einem 10 Mrd. Rubel schweren Bondverkauf durch die russische VEB-Bank möglicherweise ein Verstoß gegen die Russland-Sanktionen der EU war.

Einer der wenigen Tagesgewinner war an der Wiener Börse der Flughafen Wien, dessen Aktien im schwachen Umfeld immerhin 0,23 Prozent zulegten. Am größten heimischen Airport sind im November wegen der Ukraine-Krise und des dadurch bedingten Passagierrückgangs um 1,5 Prozent weniger Fluggäste abgefertigt worden als ein Jahr davor. In den ersten elf Monaten zusammen stieg das Passagieraufkommen jedoch um 2,4 Prozent.