Europas Börsen schließen im Plus

Autowerte gefragt

Europas Börsen schließen im Plus

Lufthansa-Aktien sackten nach einer Gewinnwarnung ab.

Die europäischen Leitbörsen haben die Sitzung am Dienstag klar in der Gewinnzone beendet. Der Euro-Stoxx-50 gewann bis zum Handelsschluss um 2,11 % auf 2.140,41 Einheiten.

Nachdem die Aktienmärkte in Europa angesichts der Abstufung Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Minus eröffnet hatten, setzte sich am Markt sehr bald die Zuversicht auf einen positiven Verlauf der in Kürze anstehenden Telefonkonferenz zwischen dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos und der "Troika" aus den Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) sowie Internationalem Währungsfonds (IWF) durch. Bereits am Vorabend hatte es Gespräche gegeben, die aber ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen waren.

Auch die Hoffnung, die US-Notenbank Fed könnte im Rahmen ihrer am morgigen Mittwoch zu Ende gehenden Sitzung für Impulse sorgen, stützte die Stimmung an den Aktienmärkten. Zwar geht die Mehrheit der Experten davon aus, dass die Fed das Volumen ihrer Anleihenkäufe konstant halten wird. Änderungen könnten sich aber im Hinblick auf die Struktur der Portfolios ergeben.

Vor diesem Hintergrund vermochten auch die gekürzten Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft durch den IWF die Stimmung an den Märkten nicht nachhaltig zu trüben. Es drohe das Risiko einer länger andauernden Wachstumsschwäche in den Industrieländern, erklärte der Fonds am heutigen Dienstag in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick. Er nahm seine Wachstumsschätzung für die Weltwirtschaft für 2011 um 0,3 Prozentpunkte auf 4,0 % zurück. Für 2012 geht er ebenfalls von einem Weltwirtschaftswachstum von 4,0 % aus, das sind 0,5 Prozentpunkte weniger als zuvor angenommen.

Unter den im Euro-Stoxx-50 gelisteten Einzelwerten gab es lediglich drei Kursverlierer; gleich zwei davon wurden von den französischen Bankaktien Societe Generale (minus 3,08 % auf 17,15 Euro) und BNP Paribas (minus 6,51 % auf 24,92 Euro) gestellt. Am Markt verwies man einerseits auf das intensive Griechenland-Engagement französischer Geldinstitute, andererseits auf Medienberichte, wonach der Siemens-Konzern mehr als 500 Mio. Euro von einer großen französischen Bank abgezogen und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt haben soll. Zudem unterbrach die Bank of China einer chinesischen Zeitung zufolge vor dem Hintergrund der Griechenland-Sorgen bestimmte Devisengeschäfte mit den französischen Instituten Societe Generale, Credit Agricole und BNP Paribas.

Nachgefragt waren indes Autowerte - der entsprechende Branchenindex Euro konnte europaweit die größten Zugewinne verbuchen. So gewannen Volkswagen (VW) an der Spitze des europäischen Auswahlindex um 4,83 % auf 114,00 Euro dazu, Daimler schlossen um 3,91 % fester auf 36,79 Euro.

Mit kräftigen Zugewinnen konnten auch ING Groep schließen, die sich um 4,13 % auf 5,12 Euro befestigten. ING Diba, die Tochter des niederländischen Finanzkonzerns, will ihrem Chef Roland Boekhout zufolge das Geschäft mit Unternehmenskunden wiederbeleben. Die Direktbank hatte das Segment zuletzt vernachlässigt, will nun aber im großen europäischen Wachstumsmarkt Deutschland als Universalbank auftreten und vor allem größere Unternehmen als Kunden gewinnen, so Boekhout dem "Handelsblatt" gegenüber.

In Frankfurt stachen die Kursverluste der Lufthansa ins Auge, die nach einer Gewinnwarnung für 2011 am unteren DAX-Ende um 4,40 % auf 10,32 Euro absackten. Man gehe nunmehr von einem operativen Gewinn im oberen dreistelligen Millionenbereich aus. "Das Ziel einer weiteren Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert (876 Mio. Euro) erscheint aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr erreichbar", hieß es in einer Aussendung zu Mittag. Im Frühhandel hatten die Titel nach Aussagen des Branchenverbandes IATA zur Geschäftsentwicklung in der Flugbranche noch mit deutlichen Kursgewinnen tendiert.