DAX

Am Donnerstag

Europas Leitbörsen schließen überwiegend im Plus

EZB lässt Leitzins auf Rekordtief.

Die Europäischen Leitbörsen sind am Donnerstag überwiegend im Plus aus dem Handel gegangen. Der Euro-Stoxx-50 erhöhte sich um 19,31 Einheiten oder 0,61 Prozent auf 3.206,76 Zähler.

   Ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit stand heute die zinspolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Trotz der extrem niedrigen Inflation halten die Währungshüter den Leitzins im Euroraum bei 0,25 Prozent. Die Entscheidung fiel im Schatten der immer größer werdenden Deflationsängste. Im März war die Jahresteuerung im Euroraum auf 0,5 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der Wert liegt deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter 2,0 Prozent. Das hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen, dennoch hatten Experten keine Änderungen erwartet.

   Der EZB-Präsident Mario Draghi hat Anleger aber auf eine weitere Lockerung des geldpolitischen Kurses eingestimmt. "Der EZB-Rat ist sich einig, auch unkonventionelle Instrumente einzusetzen, die ihm innerhalb seines Mandats zur Verfügung stehen, um effektiv gegen die Risiken einer zu lange dauernden Phase niedriger Inflationsraten vorzugehen", sagte Draghi in einer Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung. Auf den Finanzmärkten rief dies teilweise starke Reaktionen hervor.

   Auf Branchensicht zeigte sich am heutigen Handelstag vor allem der Bankensektor stark und verzeichnete die größten Zugewinne. Kosten für die Geldaufnahme verringerten sich in Ländern wie Italien, Portugal, Spanien und Griechenland. Größte Gewinner im Euro-Stoxx-50 waren daher die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria mit plus 3,61 Prozent, gefolgt von den italienischen Instituten Intesa Sanpaolo (plus 3,24 Prozent) und Unicredit (plus 2,81 Prozent). Am unteren Ende des Stoxx-50 notierte die Deutsche Bank mit minus 1,13 Prozent, Analysten hatten heute Kursziel und Bewertung gesenkt.

   Der finnische Reifenhersteller Nokian Renkaat schloss mit minus 2,70 Prozent. Das Unternehmen hat wegen schwächerer Geschäfte in seinem Hauptmarkt Russland seine Prognose für dieses Jahr gekippt. Sowohl Umsatz als auch Gewinn würden 2014 fallen und nicht wie ursprünglich angepeilt im Vergleich zum Vorjahr steigen, hieß es.

   Pernot Ricard verloren 1,19 Prozent, nachdem Analysten der Credit Suisse Group die Aktien zum Verkauf empfohlen hatten. Eine Verbesserung des Absatzes in China brauche länger, als von Investoren angenommen, hieß es in der Bewertung.

   Die Credit Suisse-Aktie beendete den Tag mit plus 0,79 Prozent. Die Großbank ist im vierten Quartal wegen des US-Steuerstreits in die roten Zahlen gerutscht. Wegen der Rückstellungen für die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen des US-Justizministeriums musste die Schweizer Großbank ihre Anfang Februar veröffentlichten Zahlen revidieren.

   Der deutsche Chemieriese BASF verzeichnete minus 0,42 Prozent. Der Konzern will mit einem Gemeinschaftsunternehmen in Japan seine Geschäfte in der Batteriechemie voranbringen. Geplant sei die Gründung eines Joint Ventures mit der japanische Gruppe Toda Kogyo, das auf Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien ausgerichtet sein soll.