Europas Leitbörsen überwiegend im Minus

Handelsschluss

Europas Leitbörsen überwiegend im Minus

 Euro-Stoxx-50 hat mit 2.199,42 Punkten um 8,07 Zähler oder 0,37% schwächer geschlossen.

Die europäischen Leitbörsen haben die Sitzung am Donnerstag überwiegend mit etwas tieferen Notierungen beendet. Für einen negativen Handelsbeginn sorgten enttäuschende Konjunkturnachrichten aus China sowie die Aussagen der US-Notenbank Fed vom Dienstagabend.

Die Schwächeperiode in der chinesischen Industrie hält an: Im Juni war der HSBC Einkaufsmanagerindex zum Vormonat erneut zurückgegangen und lag den achten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, war bekannt geworden und sorgte vor allem an den asiatischen Aktienmärkten für recht deutliche Verluste.

Auch die US-Vorgaben fielen nach dem Zinsentscheid vom Vorabend und der verlängerten "Operation Twist" negativ aus. Ein eigentlich bis Ende Juni befristeter Anleihen-Tausch wird nun bis zum Ende des Jahres fortgesetzt. Fed-Präsident Bernanke hatte zwar klargemacht, dass die Notenbank angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten zu einer erneuten quantitativen Lockerung bereit sei. Einige Anleger hätten aber auf konkrete neue Maßnahmen gehofft, kommentierten Händler.


In Europa verblieb der Einkaufsmanagerindex auf den tiefsten Stand seit knapp drei Jahren, wurde am Vormittag bekannt. Zudem musste Spanien bei einer Anleiheauktion wieder tief in die Taschen greifen, um die Ansprüche von Investoren zu erfüllen. Zumindest aber waren die Papiere auf eine große Nachfrage gestoßen, hieß es weiter.

Am frühen Nachmittag konnten sich die meisten europäischen Märkte jedoch etwas erholen und drehten zum Teil ins Plus - bis mehrheitlich unter den Erwartungen ausgefallene US-Konjunkturdaten den Indizes erneut einen Dämpfer versetzten.

So fielen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe etwas höher als erwartet aus. Zudem hat sich in den USA das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Juni stark eingetrübt und auch die Verkäufe bestehender Häuser im Mai sind etwas stärker als erwartet zurückgegangen. Der Sammelindex der Frühindikatoren ist im Mai hingegen stärker als erwartet gestiegen.

Im Späthandel rutschten der Euro und die Märkte wegen der Unsicherheit um den Euro-Rettungsschirm ESM wieder deutlicher ab. Der deutsche Bundespräsident Gauck will die Gesetze zum Stabilitätsmechanismus ESM und zum Fiskalpakt wegen der erwarteten Klagen vorerst nicht unterschreiben, wurde kurz vor Sitzungsende bekannt.

Ein Branchenvergleich in Europa zeigte Versicherer und Aktien aus dem Nahrungsmittel-Sektor unter den wenigen Gewinnern. Auf der Verliererseite standen hingegen einige Werte aus dem Automobil-Sektor und Rohstoff-Titel, die unter den fallenden Rohstoffpreisen litten.

Unter den Einzelwerten standen die KPN-Aktien im Blickfeld, nachdem der Telekom-Konzern einer Fusion der deutschen Tochter E-Plus mit dem Telefonica-Ableger O2 vorerst eine Absage erteilt hat. Die Schweizer Großbank UBS strich daraufhin ihre Kaufempfehlung und kürzte das Kursziel von 10,00 auf 7,50 Euro. Laut Analysten verdiene die KPN-Aktie zwar eine höhere Bewertung, kurzfristig dürften sie wegen der Unsicherheiten aber kaum über der 8-Euro-Teilofferte von America Movil gehandelt werden. Die KPN-Anteile fielen in Amsterdam 5,32 Prozent auf 7,48 Euro.

Air France-KLM dagegen rückten in Paris um mehr als 5,49 Prozent auf 3,629 Euro vor. Die Air France will in den nächsten eineinhalb Jahren fast jede zehnte Stelle abbauen, um wieder auf Gewinnkurs zu kommen. Bis Ende 2013 sollen demnach rund 5.100 Jobs wegfallen, war bekannt geworden.