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New York: Uneinheitlich nach Bernanke-Aussagen

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So uneinheitlich wie die US-Börsen am Montag in den Handel gestartet sind, so uneinheitlich tendierten sich auch zum Handelsschluss. Vor allem Finanz- und Technologiewerte verzeichneten Kursverluste. Zudem mussten Anleger die jüngsten Kommentare von US-Notenbankchef Ben Bernanke erst einmal bewerten.

Vor dem Economic Club of Washington sagte er, dass die Inflation zwar vorerst gedämpft bleiben könnte, die Arbeitslosigkeit aber für einige Zeit hoch bleiben werde.

"Bernankes Aussagen haben nicht gereicht, um die Risikobereitschaft der Anleger zu wecken", sagte ein Fondsmanager. "Die Marktteilnehmer müssen erst einmal ein paar wirklich schlechte Konjunkturdaten sehen, um glauben zu können, dass die Notenbank die Zinsen tatsächlich nicht anhebt." Der besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag hatte die Sorge geschürt, die Währungshüter könnten schon bald wieder die Zinsen heben.

Finanzwerte wie die Bank of America und JPMorgan gehörten zu den größten Verlierern im Dow mit Kursabschlägen von 2,4 und 1,17 %. Auch Papiere der Citigroup mieden die Börsianer, wie das Kursminus von 2,18 % auf 4,03 Dollar zeigt. Laut Medienberichten sind sich die Bank und die US-Regierung uneins darüber, wie viel Geld sich die Bank neu beschaffen muss, um die erteilten Staatshilfen zurückzuzahlen.

Zuvor hatte bereits die "Financial Times" unter Berufung auf Insider bei der Bank sowie US-Aufsichtsbehörden berichtet, Citigroup liefe die Zeit davon. Schaffe das angeschlagene Institut es nicht, bis Anfang kommender Woche eine Kapitalerhöhung in Gang zu bringen, werde der einst größte Finanzdienstleister der Welt frühestens Ende Januar einen neuen Anlauf starten können, schrieb das Blatt.

Hewlett-Packard standen ebenfalls im Dow auf der Verkaufsliste und sackten um 1,16 % auf 49,21 Dollar ab. Im Technologiesektor gab es aber auch sehr deutliche Gewinner: Nvidia-Aktien hoben regelrecht ab und sprangen um 12,83 % auf 16,09 Dollar in die Höhe, verteuerten sich um 8,67 % auf 8,52 Dollar. Die Experten der Citigroup hatten für beide Aktien die Kursziele angehoben.

Sprint Nextel profitierten deutlich von einem Pressebericht und zogen um 12,97 % auf 4,18 Dollar an. Das Anlegermagazin "Barron's" schrieb, die Aktie sei unterbewertet und könne um bis zu 50 % steigen, da der Telekomkonzern seine Kundenzahl steigere. Dow Chemical kletterten ebenfalls um knapp 2 %, nachdem "Barron's" geschrieben hatte, der Chemiekonzern werde auch dank der Übernahme von Rohm & Haas die Gewinnerwartungen der Wall Street übertreffen können.

Ärger steht eventuell dem angeschlagenen Versicherer AIG bevor. Mehrere hochrangige Manager drohen einem Zeitungsbericht zufolge im Streit um die Kürzung der Bezüge mit ihrer Kündigung. Sie fürchteten, dass ihre Gehälter für 2009 gekürzt und für 2010 deutlich eingeschränkt würden, schreibt das "Wall Street Journal".
Zwei der fünf Manager hätten ihre Drohung aber über das Wochenende bereits zurückgezogen. Den Aktien machte das vergleichsweise wenig, wie das Plus von 0,17 % auf 30,17 Dollar zeigte.

Die Aktien von Kraft Foods gewannen 0,41 % auf 26,68 Dollar hinzu. Im Übernahmepoker um den Schokoladenhersteller Cadbury hat sich der britische Wirtschaftsminister mit scharfen Worten eingeschaltet. Der US-Lebensmittelgigant müsse mit "gewaltigem Gegenwind" seitens der Regierung rechnen, sollte er nach einer feindlichen Übernahme des britischen Unternehmens das Profitdenken überstrapazieren, sagte Peter Mandelson laut Berichten vom Samstag. Cadbury selbst will am 14.12. offiziell zu der Offerte Stellung nehmen.

Ebenfalls mit einer Übernahme im Blick steht Celgene. Das US-Biotech will den Krebsspezialisten Gloucester Pharmaceuticals für 640 Mio. Dollar schlucken. Analysten bewerteten die Übernahme durchweg positiv. Die Anteilsscheine gaben dennoch um 0,77 % auf 55,54 Dollar nach.

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