Flughafen Wien/Schwechat

Skylink-Debakel

Flughafen: Alle drei Chefs müssen gehen

Machtkampf um Vorstände. Warum die Ablöse platzte. Bis zu 5 Mio. Abfertigung.

Showdown am Flughafen Wien: Die Ablöse der drei Airport-Vorstände wurde im Aufsichtsrat am Mittwoch auf 15. Dezember vertagt. Aufgeschoben ist in diesem Fall aber keineswegs aufgehoben. Denn Aufsichtsratschef Christoph Herbst – ein Vertrauter von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll – will nun im Dezember alle drei Flughafen-Chefs (Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann) ablösen. Und damit seinen Plan doch noch durchsetzen.

Denn Herbst war schon am Mittwoch mit der Radikalvariante in die Aufsichtsratssitzung gegangen, alle drei Vorstände rauszuwerfen. Der Aufsichtsratschef will nach dem Skylink-Debakel (Kostenexplosion von 400 auf 952 Mio. Euro) einen Neuanfang. Der würde nur mit neuen Personen gehen.

Die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wurde zum beinharten Poker:
.) Die Ablöse von Kaufmann, Schmid (beide SPÖ-nahe) und Gabmann (der ÖVP-Mann im Flughafen) war im Vorfeld bereits zwischen ÖVP und SPÖ akkordiert – aber dann kam alles ganz anders.
.) Als Herbst die Neuausschreibung des gesamten Vorstandes zur Sprache bringen will, beharren die SPÖ-Vertreter im Aufsichtsrat plötzlich darauf, dass Technik-Vorstand Schmid bleiben soll – auf Wunsch von Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Mit dem Argument, dass Schmid sich in der Causa Skylink nichts zuschulden hat kommen lassen.
.) Herbst versucht danach vergeblich, die SPÖ-Aufsichtsräte zu einem Komplettaustausch des Vorstandes zu überreden.
.) Nachdem Kaufmann und Gabmann sich weigern, freiwillig zu gehen, wird die Marathonsitzung nach neun Stunden vertagt.

Bei der ÖVP reagiert man verschnupft: „Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass uns die SPÖ im Flughafen-Aufsichtsrat ausrutschen lässt“, so ein ÖVP-Aufsichtsrat. Hintergrund: Die SPÖ hatte im Aufsichtsrat bereits gegen die Stimmen der ÖVP die Verträge der drei Vorstände um fünf Jahre bis 2014 verlängert.

5 Millionen Abfertigung: Pröll will Konsequenzen
Genau diese Verträge könnten dem Flughafen nun teuer kommen: Sollten alle drei Airport-Chefs abgesetzt werden, würden sich Ansprüche von mehr als fünf Millionen Euro ergeben (das Fixgehalt beläuft sich auf 254.000 € pro Vorstand, dazu kommen noch Boni, Sachbezüge und Abfertigungsansprüche).

Pröll kündigt in ÖSTERREICH aber bereits an: „Ich habe kein Verständnis für Millionenabfertigungen.“ Und er erwarte sich spätestens bei der nächsten Sitzung Konsequenzen. Im Klartext: Dann müssen die Airport-Chefs gefeuert werden …

ÖSTERREICH: Die Aufsichtsratssitzung des Flughafens ging am Mittwoch ohne Ergebnis zu Ende. Dabei standen wichtige personelle Entscheidungen an: die Ablöse der Vorstände. Sind Sie enttäuscht über das Null-Ergebnis?
Erwin Pröll: Als Eigentümervertreter erwarte ich mir vom Aufsichtsrat, dass er seine Pflichten wahrnimmt. Entweder jetzt oder in wenigen Wochen.
ÖSTERREICH: Im Vorfeld hatte es auch Kritik an der Vertragsverlängerung von Vorstandssprecher Herbert Kaufmann gegeben. Zu einem Zeitpunkt, als das Skylink-Desaster schon teilweise am Tisch lag. Wie viel Verständnis haben Sie für diese Entscheidung?
Erwin Pröll: Gar keines. Und auch heute habe ich kein Verständnis für die seinerzeitige Entscheidung des Aufsichtsrates – wie immer die zustande kam –, dass es zu einer fünfjährigen Vertragsverlängerung kam. Und ich habe schon gar kein Verständnis dafür, wenn in der gegebenen Situation Abfertigungszahlungen oder Boni in mehrfacher Millionenhöhe fällig werden.
ÖSTERREICH: Was erwarten Sie von der nächsten Aufsichtsratssitzung am 15.Dezember?
Erwin Pröll: Dass der Aufsichtsrat entsprechend seinen Aufgaben handelt.