Die Zeiger stehen auf Einigung

Gazprom will sich schnell mit E.ON einigen

Der russische Gasriese will den Streit mit dem deutschen Energiekonzern E.ON über die Gaslieferungen bis Jahresende beilegen. Die Verhandlungen seien schwierig, gingen aber in die richtige Richtung, sagte Gazprom-Vizechef Medwedjew der "Börsen-Zeitung". Er gab an, dass Gazprom zu Zugeständnissen bereit sei, wenn sich auch E.ON bewege. Am Ende müssten alle gewinnen, auch die Verbraucher.

E.ONs Gassparte Ruhrgas drängt angesichts des eingebrochenen Gasabsatzes auf eine Lockerung der Lieferverträge. Die Deutschen wollen den Gasimport drosseln. Vertraglich sind sie in diesem Fall bisher dazu verpflichtet, einen Teil der Gasmengen anzuzahlen und später abzunehmen.

Konkurrenten können sich flexibler eindecken und profitieren davon im Wettbewerb. E.ON Ruhrgas musste in den ersten drei Quartal einen Einbruch des Gewinns vor Zinsen und Steuern von mehr als 30 % auf 1,4 Mrd. Euro hinnehmen.

Nun will E.ON seinen Gasbezug stärker flexibilisieren und mehr auf die kurzfristigen Spotmärkte ausrichten. Dort sind die Preise wegen der Krise und des wachsenden Angebots an verflüssigtem Gas (LNG) deutlich gesunken. Einige Experten sehen darin bereits eine Tendenz zur Entkoppelung vom Ölpreis. Dieser Einschätzung widersprach der Gazprom-Manager und warnte: "Der Spotmarkt ist volatil und unkalkulierbar, weil mit vielen Spekulationen verbunden."

Medwedjew gab sich optimistisch, dass die Gasnachfrage schon bald wieder steigt. "Nach maximal zwei oder drei Jahren wird zwar vielleicht die Wachstumskurve nicht ganz so steil sein wie früher, aber die Dynamik gleich." Er widersprach der Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA, die kürzlich ihre Prognosen für die nächsten 10 bis 20 Jahren gesenkt hatte.