3.700 Lehman-Opfer wurden bereits entschädigt

Credit Suisse entschädigt weitere Lehman-Opfer

Fast ein Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers einigt sich die Credit Suisse mit rund 100 weiteren geschädigten Kunden. Damit sind bisher rund 3.700 Lehman-Opfer auf der Entschädigungsliste der Schweizer Großbank, die mit Produkten der US-Bank Geld verloren hatten.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht prüft mittlerweile bei "einer Handvoll Banken", ob es im Vertrieb von Lehman-Produkten systematisch Fehlleistungen gab. Nach der Einigung mit der Westschweizer Konsumentenvereinigung FRC ("Federation Romande des Consommateurs") im Frühling habe die CS versprochen, Härtefälle anzuschauen, sagte Banksprecher Andres Luther: "Das haben wir jetzt gemacht." Die Credit Suisse habe anhand der mit der FRC vereinbarten Kriterien Lösungen für Härtefälle gefunden, aber keine neuen Konditionen vereinbart, betonte Luther. Anwalt Fischer sprach von einer "Feinabstimmung der bestehenden Kriterien im Einzelfall".

99,1 Mio. Euro als Entschädigung

Wieviele Kunden insgesamt auf Anraten ihres Bankberaters kapitalgeschützte Papiere von Lehman Brothers gekauft hatten, wollte der CS-Sprecher nicht bekannt geben. Nach früheren Aussagen des CS-Private-Banking-Chefs Walter Berchtold sind nur 0,3 Prozent aller Kunden betroffen. Insgesamt zahle die CS rund 150 Mio. Franken (99,1 Mio. Euro) an Entschädigung, sagte Luther.

Bis heute hätten noch über 2.000 Lehman-Opfer kein Geld erhalten, sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer, Rene Zeyer. Seine Schutzgemeinschaft vertrete rund 700 Geschädigte. Davon hätten vier eine Klage gegen die CS eingereicht. Dies seien wenige, weil eine Klage mit erheblichen Selbstkosten verbunden sei.

Bei Bankenombudsman Hanspeter Häni betonte, der Untergang der US- Investmentbank habe "zu einer noch nie dagewesenen Häufung von Fällen geführt. Wir hatten insgesamt über 2000 Anfragen. Daraus haben sich 1.500 schriftliche Dossiers entwickelt." Der Großteil der Fälle sei insofern erledigt, "als wir nichts mehr ausrichten können für die Kunden". Noch 350 Fälle seien offen und es kommen heute noch neue Fälle rein", sagte Häni. Dies seien zum Teil Kunden, die zunächst mit ihrer Bank selber verhandelt hätten und erst an Ombudsman gelangten, nachdem sie erfolglos geblieben seien.

CS in Schweiz am stärksten betroffen

Die Credit Suisse ist auch nicht die einzige Bank in der Schweiz, deren Kunden wegen der Lehman-Pleite auf wertlosen Papieren sitzen blieben. Allerdings ist das Ausmaß bei den anderen Banken viel kleiner. Die Finanzmarktaufsicht (Finma), die seit längerem Abklärungen durchführt, hat 17 schweizer Banken identifiziert, die in größerem Stil vom Lehman-Untergang betroffen waren. "Davon schauen wir nun eine Handvoll Banken vertieft an, darunter auch die CS", sagte Finma-Sprecher Tobias Lux.

Ziel der Untersuchung sei es herauszufinden, ob es beim Vertrieb von strukturierten Lehman-Produkten systematisch zu Fehlleistungen gekommen ist. "Wir gehen der Frage nach, ob die aufsichtsrechtlichen Pflichten und Anforderungen eingehalten wurden", sagte Lux. Einzelfälle stünden aber nicht im Fokus der Finma.Namen von betroffenen Banken, nannte Lux keine. Wann die Abklärungen abgeschlossen seien, sagte der Sprecher nicht.