Übernahme von bis zu 75 Prozent

Deutsche Bank könnte Sal. Oppenheim beherrschen

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Die Deutsche Bank erwägt Kreisen zufolge, bei einer Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim bereits im ersten Schritt Nägel mit Köpfen zu machen.

Angedacht sei der Kauf von bis zu 75 % der Anteile an dem Luxemburger Traditionsinstitut, sagten zwei mit der Transaktion vertraute Personen laut einem Agenturbericht.

Auch der Abschluss eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrages sei im Gespräch, um Sicherheit für Mitarbeiter und Kunden zu schaffen. Die "Welt am Sonntag" meldete, die Übernahme von bis zu 75 % solle ein Signal der Stabilität nach außen geben.

"Eine Übernahme in kleinen Schritten ist mittlerweile vom Tisch", so eine mit den Plänen vertraute Person. Die Bank werde im ersten Schritt in jedem Fall eine Mehrheit an dem in Luxemburg ansässigen deutschen Institut erwerben. In Finanzkreisen war zuletzt von einem Wert um 1,5 Mrd. Euro die Rede gewesen. Die Deutsche Bank hat zudem bereits Kredite von rund 650 Mio. Euro an die Familiengesellschafter und Sal. Oppenheim zur Verfügung gestellt.

Bis spätestens Ende Oktober wird eine Vereinbarung erwartet. Der Branchenprimus ist aber ausschließlich am Geschäft mit vermögenden Privat- und Firmenkunden interessiert. Für ihre Investmentbanking-Sparte suchen die Luxemburger einen anderen Käufer. Bisher war von einer schrittweisen Übernahme die Rede gewesen, bei der die Deutsche Bank zunächst einen Anteil von weniger als 50 % erhalten sollte.

Fehlspekulationen und die Belastungen durch die Finanzkrise hatten Sal. Oppenheim in die roten Zahlen gebracht. Das 220 Jahre alte Traditionshaus muss seine Unabhängigkeit aufgeben und verhandelt zunächst exklusiv mit der Deutschen Bank um eine Übernahme. Beide Institute hatten bereits Anfang August eine strategische Partnerschaft bekanntgegeben. Dabei war die Deutsche Bank der angeschlagenen Privatbank mit einem Kredit von 300 Mio. Euro zur Seite gesprungen.

Laut "Welt am Sonntag" haben sich hohe Wertberichtigungen auch auf das Halbjahresergebnis von Sal. Oppenheim ausgewirkt, das der amtierende Bankchef Matthias Graf von Krockow bisher noch nicht bekanntgegeben hat. "Wir wollen besenrein die Verhandlungen zum Abschluss bringen", hieß es im Oppenheim-Umfeld, wie die Zeitung schreibt.

Übernahme von ABN-Amro-Teilen nicht sicher

Die Deutsche Bank ist zudem nach mit der Sache vertrauten Kreisen weiter an einem Kauf von Teilen des verstaatlichten Instituts ABN Amro interessiert. Allerdings gebe es Zweifel, ob das Geschäft stattfinden könne, sagte eine Person, die mit den Vorgängen bei der Deutschen Bank vertraut ist. Es habe zwar Gespräche mit der niederländischen Regierung gegeben. Jedoch sei unklar, ob man sich auf die Konditionen einigen könne.

Die niederländische Regierung versucht, eine Fusion von ABN und Fortis Bank Nederland in die Wege zu leiten. Als Voraussetzung für eine Genehmigung dafür durch die EU-Kommission gilt eine Trennung von Geschäftsteilen beider Banken. Auch die Deutsche Bank hatte sich für die Sparten interessiert. Nach monatelangen Gesprächen konnten sich jedoch beide Seiten nicht auf die Konditionen einigen, worauf das Frankfurter Geldhaus die Verhandlungen abbrach. ABN-Chef Gerrit Zalm signalisierte unlängst, dass ein Verkauf an die Deutsche Bank weiter möglich sei. Am späten Freitagabend hatte die Kommission überraschend die Frist bis Mitte Oktober verlängert.

Ackermann hält an Rendite-Ziel fest

Die Deutsche Bank hält unterdessen an ihrem Gewinnziel von 25 % Eigenkapitalrendite fest. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte dem "Spiegel", es gebe "im Moment jedenfalls keinen Grund, von unserem Gewinnziel abzurücken". Ob es die geplanten höheren Eigenkapitalanforderungen an Banken schwerer machten, dieses Ziel zu erreichen, könne er erst beantworten, wenn die Forderungen bekannt seien.

"Natürlich wird es bei höheren Eigenkapitalquoten schwieriger, das Ziel von 25 % zu erreichen", sagte Ackermann. Auf der anderen Seite profitiere die Bank aber von der gesunken Zahl der Konkurrenten, dadurch seien die Margen gestiegen. Dazu komme das große Potenzial in den Schwellenländern.

Ackermann war in der Vergangenheit wegen des Renditeziels immer wieder in die öffentliche Kritik geraten. Jüngst hatte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Ertragsziele kritisiert. "Ja, da schnappe ich durchaus nach Luft", sagte der Minister kurz vor dem G-20-Gipfel in Pittsburgh. "Solche Renditen lassen sich auf Dauer nur erzielen, wenn man das Gleichgewicht der Märkte beschädigt". Warum solle man in die reale Wirtschaft investieren, wenn der Finanzsektor zweistellige Renditen verspreche. "Das setzt falsche Anreize", bemängelte Steinbrück.

Ackermann bedauerte in dem "Spiegel"-Interview, dass sich die Zahl in Deutschland zu einem "Politikum" entwickelt habe. "Die 25 Prozent Eigenkapitalrendite, vor Steuern wohlgemerkt, ist für uns im Übrigen kein Ziel an sich, sondern nur der Maßstab der Besten der Welt. Dazu wollen wir gehören."

Gegen Obergrenze für Boni

Ackermann hat sich außerdem gegen eine Obergrenze von Löhnen und Boni ausgesprochen. Er kündigte indes an, dass die Deutsche Bank parallel zu den erfolgsabhängigen Boni auch ein "Malus-System" einführen werde. "Man kann seine Boni also auch künftig wieder verlieren", sagte Ackermann in einem Interview mit dem "Spiegel".

Falsche Anreizsysteme seien zwar eine Ursache der Finanzkrise, räumte Ackermann ein. Aber andere Faktoren wie globale wirtschaftliche Ungleichgewichte, eine zu lockere Geldpolitik in den USA oder die expansive Kreditvergabe hätten wesentlich mehr dazu beigetragen. Die Deutsche Bank habe Bonuszahlungen bereits an die langfristige Wertentwicklung des Unternehmens gekoppelt, sagte der Schweizer.

Ein Großteil der erfolgsabhängigen Vergütung werde in Aktien ausgezahlt, die nicht sofort zu Bargeld gemacht werden könnten. Wenn der Aktienkurs der Bank sinke, verliere der Bonus an Wert. Boni seien nötig, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, sagte Ackermann. Seine Bank habe in den vergangenen Monaten einige gute Leute verloren, die mit hohen Garantie-Boni abgeworben worden seien.

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