Euro ist vorläufig gerettet

Finanzminister-Treffen

Euro ist vorläufig gerettet

Aufatmen in der Eurozone - EZB-Chef: „Anzeichen einer normalen Situation.“

Am Freitag stieg die Gemeinschaftswährung erstmals seit Anfang Mai über die Marke von 1,31 US-Dollar. Ende Juli lag der Euro noch bei schwachen 1,21.

Drei Gründe sorgen nun für (vorsichtige) Zuversicht:

  • Das angekündigte Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) zum (unbegrenzten) Aufkauf von Anleihen der europäischen Krisenländer.
  • Der nun fixierte 700-Milliarden-Rettungsschirm ESM, der am 8. Oktober fertig sein soll.
  • Die Entscheidung der US-Notenbank (Fed), künftig ebenfalls unbeschränkte Anleihekäufe zu tätigen. Monat für Monat will die Fed 40 Mrd. Dollar (31 Mrd. Euro) über den Ankauf von Hypothekenpapieren in die US-Wirtschaft pumpen – so lange und so viel nötig ist, um die Arbeitslosigkeit zu senken.

EZB-Chef: „Anzeichen einer normalen Situation“
Spürbar ist seither die Erleichterung und das Aufatmen in der Eurozone: „Die Maßnahmen sind Meilensteine für ein sehr stabiles Fundament im Kampf gegen die Euro-Krise“, sagte Finanzministerin Maria Fekter bei Treffen der Eurozonen-Finanzminister in Zypern. Zuversichtlich auch EZB-Präsident Mario Draghi. Er spricht bereits von ersten Anzeichen einer normalen Situation, warnte aber: „Wir haben noch einen langen Weg zu gehen.“

Der künftige permanente 700-Milliarden-Rettungsschirm ESM wird – laut Euro-Zonen-Chef Juncker – Ende Oktober „vollkommen einsatzfähig“ sein. Bis dahin müssen die 17 Eurozonenländer die ersten von fünf Tranchen überweisen, in Summe 32 Mrd. Euro. Für Österreich bedeutet das (wie berichtet): 900 Millionen Euro müssen noch im Herbst eingezahlt werden.

Finanzministerin Maria Fekter war gestern eine der begehrtesten Gesprächspartner in Zypern. Internationale Journalisten wollten von Fekter wissen, wie es um den Euro und die Sorgenkinder der EU nun wirklich stünde. Während des informellen Gipfels der Euro-Finanzminister in Nikosia zeigte sich die VP-Ministerin im ÖSTERREICH-Gespräch sehr optimistisch: „Es gibt zwar keinen Grund für Euphorie, aber wir sind auf einem guten Weg. Der Euro hat sich stabilisiert.“

Hinter den verschlossenen Türen im Konferenzzentrum in Nikosa ging es dann freilich um die Problemstaaten der Eurozone. Besonders lang widmete man sich Spanien. Fekter sagt aber, dass das Land „ambitionierte Maßnahmen gesetzt hat. Und 35 Auftragspunkte der EU für die Bankenhilfe erhalten“ habe. Spanien werde „weit weniger als die ursprünglich geglaubten 100 Milliarden brauchen“.

Italien brauche ebenfalls keine Hilfe, hieß es am Rande des Treffens.

Karl Wendl

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