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Für GraWe-Chef ist Hypo-Verlust schmerzlich

"Wir sind ein starkes Unternehmen, es muss sich niemand Sorgen machen", sagt GraWe-Boss Othmar Ederer zum Totalverlust beim Engagement an der Hypo Group Alpe Adria zusammen, an der die GraWe bisher zu 26,45 % beteiligt ist. Ederer tritt zudem Meldungen entgegen, der Konzern oder die Grazer Wechselseitige AG könne den Verlust "gerade noch" verkraften. Da man konservativ bilanziere und vorsichtig investiere, habe man die Erträge aus Hypo-Anteilsverkäufen geparkt und könne nun den Verlust in Höhe von 203 Mio. Euro Anschaffungskosten aus Gewinnvorträgen der Bank Burgenland abschreiben.

"Schmerzlich, aber nicht existenzgefährdend", seien die Auswirkungen, so Ederer. Tatsächlich schlagen die 203 Mio. Euro Beteiligungsverlust in der Bank Burgenland in der Konzernbilanz mit 288 Mio. Euro zu Buche, dazu kommen 30 Mio. Euro Partizipationskapital.

Die Eigenmittel des Konzerns in Höhe von 798 Mio. Euro (einschließlich unversteuerter Rücklagen) würden dadurch um 288 Mio. Euro vermindert, zuzüglich des positiven Ergebnisses für 2009, dessen Höhe noch nicht feststehe. Die Grazer Wechselseitige Versicherung AG selbst sei davon nicht betroffen.

Wäre die Hypo bei den Eigenmitteln unter die 500-Mio.-Euro-Grenze gerutscht, hätte sie wie berichtet ihr Versicherungsgeschäft nicht aufrechterhalten können. Nun weist sie gemäß Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) genug Kapital auf, um das Versicherungsgeschäft fortführen zu können, hatte es in Finanzkreisen geheißen.

Die Notwendigkeit für eine Änderung der Konzernstrategie sieht Ederer weiterhin nicht: "Wir haben unser Engagement seit 2006 nur noch als Finanzbeteiligung gesehen, wenngleich wir an eine positive Entwicklung unter Federführung der Bayern LB geglaubt haben."

Mit den Anteilsverkäufen an die Investoren-Gruppe Berlin & Co und Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen habe man den eigenen Anteil schrittweise von 48 auf 20 Prozent reduziert. Am Ende sei die Verstaatlichung "leider die einzige Lösung für die Bank" gewesen, resümiert der Generaldirektor, der an einer Aufklärung "der Dinge, die da passiert sind", auf schnellstem Wege interessiert ist.

Die "vorsichtige Veranlagungspolitik" der GraWe, die sich im Fall Hypo Group Alpe Adria im Nachhinein nicht als solche erwiesen habe, wie Ederer einräumte, wolle man fortsetzen: "Wir wollen uns auf die drei Säulen Versicherung, Immobilien sowie Bank Burgenland und Capitalbank konzentrieren". Nach einer Delle 2008, wo Rückgänge beim EGT in Kauf genommen werden mussten, sei 2009 "für unser Haus ein wirklich herausforderndes Jahr".

"Landeshauptmann wollte Geld sehen"

Jörg Schuster, früherer "roter" Vorstandsdirektor der notverstaatlichten Hypo Group Alpe Adria, erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegen seinen damaligen Vorstandskollegen Wolfgang Kulterer und die Kärntner Landespolitik. Der Eigentümer habe nach Ansicht Kulterers Wünsche äußern können, Widerstand dagegen sei bankintern "fast schon als Landesverrat" behandelt worden, kritisierte er im ORF-"Report".

"Der Landeshauptmann wollte - zumindest aus meiner Sucht, ob er selber es so gesehen hat, weiß ich nicht - von der Bank Geld sehen", so Schuster zum Hineinregieren der Politik zu Zeiten von Landeshauptmann Jörg Haider. So seien die Seebühne gebaut und das Beachvolleyball-Event samt Eintrittskarten finanziert worden. Dies sei "fast schon üblich" gewesen. Schuster ist 2003 aus der Bank ausgeschieden.

Kulterer sei in seinem Vorleben nicht mit politischen Fragen befasst gewesen und habe die Meinung vertreten, dass der Eigentümer Wünsche äußern könne, so Schuster. Dass die Hypo eine Aktiengesellschaft sei und dem Bankwesengesetz unterliege, "hat sich im Vorstand und Aufsichtsrat weniger durchgesprochen".

Rechnungshof behält sich detaillierte Prüfung vor

Der Rechnungshof behält sich eine detaillierte Prüfung der Hypo Alpe Adria vor, hat diese aber vorerst noch nicht fixiert, wurde nun bekannt. Zunächst werde die Ende 2008 verstaatlichte Kommunalkredit untersucht. Anschließend - Startschuss bis Mitte 2010 - nehmen die Prüfer das Bankenpaket unter die Lupe.

Im Zuge dieser Prüfung wird die Kärntner Hypo ohnehin Thema, hat sie doch aus dem Bankenpaket erst 900 Mio. Euro und nun weitere 450 Mio. Euro erhalten. Vom Ergebnis der Bankenpaketsprüfung wird abhängen, ob der Rechnungshof eine umfassende Untersuchung der Hypo Alpe Adria anschließt, heißt es im Rechnungshof.

Zuletzt hat die Hypo 2002 Besuch vom Rechnungshof erhalten. Denn schon bevor die BayernLB 2007 einstieg, hatte eine Sonderkonstruktion den öffentlichen Anteil an der Bank unter 50 % gedrückt und damit die Prüfer ausgeschlossen: Die Mitarbeiterstiftung hielt fünf Prozent, das Land über die Kärntner Landes- und Hypothekenbank-Holding nur 49,4 %, die Grawe 45,6 %.

Damals reichte dies, um die Rechnungshofprüfer auszuschließen. Seit Herbst öffnet aber die faktische Beherrschung eines Unternehmens durch die öffentliche Hand dem Rechnungshof die Tür und nicht das formale Halten von über 50 %. Der Flughafen Wien war der Anlass für eine entsprechende Gesetzesänderung.