Geldpolitischer Dreiakter hält in Atem

"Woche der Zentralbanken": Fed, Bank of England und EZB entscheiden am Mittwoch und Donnerstag über ihren künftigen Kurs.

Außer Frage steht, dass die "Big Three" an ihrer ultralaxen Geldpolitik vorerst nichts ändern werden. Keine der wichtigen Zentralbanken steht derzeit auch nur im Verdacht, ihren Leitzins anheben zu wollen. Viel zu fragil scheint die Erholung der Wirtschaft von der schwersten Krise seit Jahrzehnten noch immer; die Zinserhöhungen in Norwegen und Australien dürften vorerst eher als Ausnahmen die Regel bestätigen.

Dass die Royal Bank of Australia am Dienstag (3.11.) nochmals draufsattelt und ihren Leitzins weiter anhebt, gilt als so gut wie sicher. Die Zentralbank des fünften Kontinents hatte als erste der G-20-Notenbanken nach der Krise Anfang Oktober ihren Leitzins wieder heraufgesetzt. Doch wegen vieler Besonderheiten der Volkswirtschaft "Down Under" taugt sie wenig als Vorbild für die Großen in Washington, London und Frankfurt. Genauso wenig wie Norwegen, das vergangene Woche die Zinswende in Europa zwar einläutete, aber auf Sicht keine Nachahmer finden dürfte.

Nach dem Prolog auf der Südhalbkugel wird den Finanzmärkten zur Wochenmitte also ein geldpolitischer Dreiakter geboten, der zwar keine Zinserhöhungen umfassen wird. Zwischen den Zeilen könnten Fed, EZB & Co. jedoch so manchen Hinweis darauf verpacken, wie sie sich ihren geordneten Rückzug und das Ende des Dramas "Weltfinanz- und Wirtschaftskrise" vorstellen.

Erster Akt: Washington D.C. Eccles Building. Constitution Avenue/Ecke 20. Straße. Hauptquartier der Federal Reserve. Mittwoch, 4.11. 14.15 Uhr Ortszeit (20.15 MEZ). "Es ist Zeit, die Zinsen anzuheben, Ben" - titelte kürzlich die einflussreiche US-Finanzzeitschrift "Barron's" und forderte Notenbankchef Ben Bernanke auf, nicht mehr nur über den Ausstieg aus der Billiggeld-Ära zu reden.

Zweifel an Nachhaltigkeit des Aufschwungs

Doch Bernanke bleibt misstrauisch, was den Aufschwung angeht, auch wenn die USA die Rezession im Sommer wohl hinter sich gelassen haben. Und er ist keineswegs alleine, weiß Harm Bandholz von UniCredit: "Die Mehrheit der Fed-Vertreter hegt nämlich noch immer Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Zudem wäre eine straffere Geldpolitik in Zeiten rekordhoher Arbeitslosigkeit und niedriger Kerninflation nicht im Einklang mit dem dualen Mandat."

Die Fed soll anders als etwa die EZB gleichzeitig für stabile Preise und Vollbeschäftigung sorgen. Sie dürfte nach Meinung von Analysten daher frühestens im Dezember damit beginnen, die Märkte auf eine Zinswende im Laufe des kommenden Jahres vorzubereiten.

Zweiter Akt: London, Hauptstadt des britischen Königreichs. Threadneedle Street. Sitz der Bank of England. Donnerstag, 5.11. 12 Uhr Ortszeit (13 Uhr MEZ). Notenbankgouverneur Mervyn King dürfte seine Politik der geldpolitischen Lockerung fortsetzen. Peter Dixon von der Commerzbank und andere Experten rechnen damit, dass die Zentralbank sich dabei nicht lumpen lassen wird, zumal Großbritannien weiter tief in der Rezession steckt.

"Wir gehen davon aus, dass die Bank of England eine weitere Aufstockung ihres Wertpapierkaufprogramms um 50 Mrd. Pfund (55,9 Mrd. Euro) ankündigt." Bisher hatte die Notenbank für 175 Mrd. Pfund Staatsanleihen gekauft. Die Gelddruckmaschinen laufen also auf absehbare Zeit weiter, ein Ende ist nicht in Sicht.

Dritter Akt: Frankfurt. Kaiserstraße 29, Euro-Tower, Zentrale der EZB. Donnerstag, 5.11. 14.30 Uhr Ortszeit (MEZ). EZB-Präsident Jean-Claude Trichet könnte, hoffen die Analysten, Hinweise auf die konkrete Ausgestaltung der EZB-Ausstiegsstrategie geben.

Bundesbank-Chef Axel Weber hatte vergangene Woche schon angedeutet, dass von den vielen lebenserhaltenden Maßnahmen, mit denen die Währungshüter Finanzsystem und Wirtschaft in der Krise unterstützt haben, als erstes die langlaufenden Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken zurückgefahren werden könnten. An der Zinsschraube dürfte die EZB wohl noch lange nicht drehen, urteilt Helaba-Analyst Ulf Krauss: "Auch die Euro-Stärke spricht vorerst gegen eine abrupte Zinsanhebung in den kommenden Monaten."