Dimiri Medwedew, Heinz Fischer

1 Mrd. Euro aus Sotschi

Heimische Firmen setzen auf Russland

Baufirmen, Tourismus-Zulieferer und Gesundheitstechnikfirmen interessiert.

Russland wird in mittlerer Zukunft eine Reihe von sportlichen Großveranstaltungen ausrichten - die Olympischen Winterspiele in Sotschi (2014), die Eishockey-WM 2016 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Österreichische Firmen hoffen, bei diesen Events als Lieferanten zuschlagen zu können.

Aufträge aus Sotschi
Rund eine Milliarde Euro ist das Auftrags-Portefeuille aus Sotschi für rot-weiß-rote Firmen mittlerweile schwer - viel wird aller Voraussicht nach nicht mehr dazukommen. Den Löwenanteil hat sich wie bekannt die Strabag gesichert, die das Olympische Dorf errichtet. Aber auch der Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr konnte in der südrussischen Olympiastadt 25 Seilbahnanlagen an Land ziehen, sagte Firmenchef Michael Doppelmayr am Freitag am Rande einer Wirtschaftsmission in Moskau. Die Firma macht sich im Nordkaukasus Hoffnungen auf ein weiteres Großprojekt: Unter dem Stichwort "Peak 5642" solle ein riesiges Skigebiet entwickelt werden (Gesamtkosten: geschätzte 15 Mrd. Dollar bzwl. 10,5 Mrd. Euro). Was davon auf Doppelmayr entfallen könnte, sei derzeit noch nicht klar.

Der Gesundheitstechnikkonzern VAMED verfolgt weitere Projekte im Raum Sotschi, sagt VAMED-Managerin Andrea Raffaseder. Die Wiener Gesundheitstechnikfirma wolle künftig aber auch in andere russische Regionen und auch für Wellness-Projekte liefern.

Es gehe für die österreichischen Firmen aber nicht nur um materielle Infrastruktur, meinte Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl: "Wir haben die besten Tourismusschulen der Welt und hoffen, die neue Infrastruktur mit Leben erfüllen zu können."

Baubranche

Der russische Bau ist aber nicht nur für die industriellen Branchenriesen wie Strabag oder Alpine von Interesse, sondern auch ein Attraktionspol für Baustoffzulieferer, etwa für den Ziegelkonzern Wienerberger, der in Russland kürzlich zwei Fabriken (St. Petersburg, Kazan) eröffnet hat. Auch Mittelständler wie der burgenländische Bauzulieferer Leier oder der Dämmstoffproduzent Isoroc sind in Russland tätig oder liefern dorthin. Für Isoroc nahm der frühere Baulöwe Alexander Maculan an der Wirtschaftsdelegation nach Russland teil. Isoroc beschäftigt rund 380 Mitarbeiter, die Steinwolle erzeugen. An der Firma sind auch Wirtschaftskammer-Chef Leitl, der oberösterreichische Baustoffproduzent Asamer und Raiffeisen Oberösterreich beteiligt.

Technologie

Einer der größten österreichischen Arbeitgeber in Russland - nach den beiden Großbanken UniCredit und Raiffeisen (RBI) - ist der Autozulieferer Magna Steyr, der in sechs Fabriken 1.200 Leute beschäftigt. Ebenfalls in die Autoindustrie liefert die Grazer Technologie-Schmiede AVL List, deren Chef Herbert List einer gemischten russisch-österreichischen Wirtschaftskommission vorsteht. List ist Partner von mehreren Projekten, die am Donnerstag in Moskau besiegelt wurden. Zu diesen 27 Vorhaben zählt auch eine Initiative des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC, der in Tartastan Komponenten für Flugzeugflügel herstellen möchte. Der oberösterreichische Spezialmaschinenbauer Linsinger will der russischen Staatsbahn eine Lok zur Reparatur von Gleisen verkaufen - bisher sei man aber mehrfach an wechselnden Kompetenzen in der Bahngesellschaft gescheitert, sagte Firmenchef Hans Knoll.

Die oberösterreichischen Interessenten erhalten vom dortigen Wirtschafts-Landesrat Viktor Sigl politischen Geleitschutz. Auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl lobbyiert in Moskau für die Betriebe des östlichsten Bundeslandes, unter anderem Stahlbau Unger und Zörkler Geas (Jois). Auch die Tiroler Wirtschafts-Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf machte in Moskau guten Wind für die Betriebe ihres Bundeslandes.

Glücksspiel

Trotz strenger Regulierung ist auch der russische Glücksspielmarkt offenbar von Interesse. Casinos-Austria-General Karl Stoss will eine Aktivität des Tochterunternehmens Lotterien in Baschkortuskan auf andere russische Regionen ausdehnen, sagte er. Ein Investment im Casino-Bereich komme derzeit kaum in Frage, weil der Spielbetrieb nur an vier Standorten erlaubt sei. Eine Einschränkung zu dieser Aussage machte Stoss mit Blick auf den Casino-Standort Wladiwostok im äußersten Osten des Landes; dieser sei wegen seines riesigen Einzugsgebiets wirtschaftlich interessant. An der Wirtschaftsmission in anlässlich der Reise von Bundespräsident Heinz Fischer hat aber auch Casinos-Konkurrent Novomatic teilgenommen, geht aus dem Teilnehmerverzeichnis der Reise hervor.