ÖBB-Chef Kern: Bahn hat "Imageproblem"

Konzern-Umbau

ÖBB-Chef Kern: Bahn hat "Imageproblem"

Bahn sucht neues Management - Chef sieht die "Chance für Neubeginn".

Die Bahn befindet sich in einer "Umbruchphase", so kommentiert ÖBB-Chef Christian Kern den bevorstehenden Abgang von Personenverkehrs-Chefin Gabriele Lutter. Am 25. Jänner sollen bei Aufsichtsräten der Personenverkehrs- und der Güterverkehrssparte die personellen Weichen gestellt werden. Der Strategie-Verantwortliche der ÖBB-Holding, Ex-Verbund-Manager Georg Lauber, solle interimistisch den Personenverkehr übernehmen, kündigte Kern Donnerstagabend am Rande eines Vortrags vor Journalisten an.

Neues Management gesucht
Im Abgang von Personenverkehrs-Chefin Lutter sieht Kern auch die "Chance für einen Neubeginn". Der Posten werde ausgeschrieben. Gesucht werde ein "leistungsorientiertes neues Management". Die ÖBB Holding soll ab März einen neuen Personalchef erhalten. Bei den ÖBB gebe es derzeit 1.300 Führungskräfte, überspitzt gesagt: "Auf 4 Kilometer Gleis sitzt eine Führungskraft."

In seinem Vortrag beim IT-Beratungshaus CDC erläuterte der Bahn-Chef gleich seine Führungsprinzipien: Niemand im Management dürfe darauf vertrauen, im richtigen "Netzwerk" zu sein, jeder werde an seiner Leistung gemessen. Entscheidend sei das Leistungsprinzip, und nicht, "wen jemand anrufen kann". Lutter war wegen Änderungen im Zuge des Winterfahrplans unter Druck geraten. Schärfere Bestimmungen für Kunden beim Kauf eines Rückfahrtickets hatten für medialen Wirbel gesorgt.

"Veritables Imageproblem"
Die ÖBB hätten ein "veritables Imageproblem", meinte der Bahnchef. "Wir stehen als Unternehmen nicht da, wo wir hin müssen". Weiters gebe es ein "strukturelles Problem", das über Jahrzehnte entstanden sei und nun nicht innerhalb eines Jahres beseitigt werden könne. Die ÖBB müssten ihre Performance für die Kunden in Zukunft deutlich verbessern, um eigenständig bleiben zu können: "Wollen wir eine europäische Adresse oder Teil der Deutschen Bahn sein?" fragte Kern.

Die Struktur der Kommunikation wurde bereits neu geordnet und ein neues Team zusammengestellt. Drei Konzernpressesprecher - Sonja Horner, Johannes Gfrerer und Herbert Ofner - sowie fünf regionale Pressestellen sind ab Jahresbeginn im Einsatz. Der bisherige Konzernpressesprecher Michael Wimmer geht ab Februar in Väterkarenz. David Mock übernahm die Agenden der Strategieentwicklung in der Konzernkommunikation. Als Kommunikationschefin fungiert Kristin Hanusch-Linser.

Pünktlicher geworden
Die ÖBB seien immer noch ein "Tanker", der nicht mit einer einzigen, sondern nur mit vielen Maßnahmen auf Kurs gebracht werden könne, um kundenfreundlicher und effizienter zu werden. Erste Erfolge sieht Kern bereits: In den vergangenen Monaten sei die Bahn pünktlicher geworden. In den ersten beiden Jänner-Wochen hätten die Österreichischen Bundesbahnen sogar das hohe Pünktlichkeitsniveau der Schweizer Bahn übertroffen.

Angesprochen auf die Ermittlungen zum Speditionskartell in Österreich meinte der ÖBB-Chef, er sei zuversichtlich, dass die Bahn bei dem Verfahren keine Strafe bekomme. Die ÖBB habe in dem Sektor nie Geld verdient, das wäre das erste Kartell zur Realisierung von Verlusten, meinte er ironisch.