Ratingagentur S&P wehrt sich gegen Kritik

Die Ratingagentur Standard & Poor's wehrt sich gegen die Kritik an ihren schlechten Noten für die Schuldensünder Griechenland, Portugal und Spanien. "Was wir zur Zeit sehen ist ja keine neue Tendenz: Seit dem Sommer 2004 sehen wir ausschließlich Herabstufungen der Ratings in der Euro-Zone", sagte der S&P-Europachef Länderrating, Moritz Kraemer. "Es ist keineswegs so, dass wir die Abstufungen aus heiterem Himmel gemacht haben."

Innerhalb weniger Tage hatte S&P Portugals, Griechenlands und Spaniens herabgestuft. Griechische Anleihen werden nur noch mit "BB+" bewertet, was Ramschstatus entspricht.

"Wir analysieren die Situation permanent", erklärte Kraemer zu Griechenland. "Was uns jetzt zur Herabstufung veranlasst hat, hat vor allem mit den Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahren zu tun." Die Zinskosten für Griechenland hätten sich erhöht, zusätzliche Sparmaßnahmen der Regierung in Athen seien wahrscheinlich. "Das alles bedeutet eine zusätzliche Bremswirkung für die wirtschaftliche Erholung des Landes."

Kritik am Timing der Agentur, mit den schlechten Noten mitten in die Verhandlungen um Milliardenhilfen der Euro-Länder und des IWF für Griechenland zu platzen, wies Kraemer zurück. "Die Verhandlungen über eine mögliche Hilfe für Griechenland werden in einer Art und Weise geführt, die nicht dazu beitragen, das Vertrauen der Märkte zu stärken." Zudem sei ein Rettungspaket nur ein erster Schritt. "Darauf zu hoffen, am Wochenende wird alles gut, greift zu kurz."

Kraemer betonte: "Unser Rating ist nur eine Meinung von vielen. Alle Marktteilnehmer richten sich nach ähnlichen fundamentalen Daten." Der Agenturvertreter erinnerte: "Als ab dem Jahr 2004 Italien, Griechenland und Portugal heruntergestuft wurden, hat kaum jemand davon Notiz genommen."

Inzwischen bewertet S&P die Bonität von 125 Staaten. Bisher gab es nach Angaben von Kraemer bei den Länderratings keine Ausfälle vergleichbar denen in der Krise um zweitklassige US-Immobilienkredite (suprime). Damals hatten viele Papiere die Bestnote "AAA" bekommen, die sich später als Schrott entpuppten.

In der Folge wurden unter anderem strengere Regeln für die Branche auf den Weg gebracht. "Das ganze Ratingbusiness in den USA und Europa ist mittlerweile reguliert. Wir haben damit kein Problem", meinte Kraemer. "Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst." In der EU sollen Ende des Jahres neue Regeln für die Ratingagenturen für mehr Qualität und Transparenz sowie die Vermeidung von Interessenkonflikten in Kraft treten. Der Bundestag soll in der kommenden Woche schärfere Regeln für Rating-Agenturen beschließen.

Auch Moody's wird Griechenland-Rating senken

Die Ratingagentur Moody's wird die Kreditwürdigkeit Griechenlands voraussichtlich deutlich herabstufen. Zunächst bleibe die Einschätzung aber noch unverändert bei "A3", teilte die Agentur am Donnerstagabend mit. Eine Entscheidung über eine Herabstufung werde gefällt, sobald die Details über das geforderte Sparprogramm des Landes vorliegen würden.

Es werde dann aber wahrscheinlich zu einer Herabstufung um mehrere Stufen kommen. Die Überprüfung werde sich daran ausrichten, wie die mittelfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten eingeschätzt würden und wie "ambitioniert" das Sparprogramm der Regierung sei.

UNCTAD: Griechenland war völlig falsch bewertet

Die wirtschaftliche und finanzielle Situation Griechenlands wird nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Heiner Flassbeck völlig falsch bewertet. Positive Aspekte wie die Investitionstätigkeit würden völlig ignoriert, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Dabei griff er die Ratingagenturen scharf an: "Die Ratings von Ländern gehören nicht in die Hände irgendwelcher privater Agenturen, die unter dubiosen Umständen ihre Urteile fällen".

Flassbeck, der Chefvolkswirt der UN-Handelsorganisation UNCTAD ist, plädierte dafür, unabhängige Stellen mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes zu betrauen. Momentan bezahle derjenige, der ein Papier vergebe, auch die Ratingagentur. "Das ist ein ganz klarer Interessenkonflikt". Denkbar sei es, die privaten Ratingagenturen ganz abzuschaffen. Dann hätten die Banken die Pflicht, "selbst hinzugucken und sich zu überlegen, was in dem Produkt drinsteckt".

Griechische Investitionen höher als allgemein angenommen

Es stehe außer Frage, dass in Griechenland Fehler gemacht worden seien, sagte Flassbeck. Allerdings werde völlig übersehen, dass das Land in den vergangenen 10 Jahren von allen Euro-Ländern mit Abstand am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert habe. "So etwas Positives wird überhaupt nie erwähnt."

Es würden aber alle negativen Sachen zusammengetragen und zu einem Urteil zusammengefasst nach dem Motto: "Griechenland ist pleite, und das weiß doch jeder. Das ist unverantwortlich." Diese Entwicklung werde noch verstärkt durch den "Herdentrieb der Märkte" und durch Ratingagenturen, die der Stimmung hinterherliefen, sagte Flassbeck.

Von einem Bankrott Griechenlands könne man nicht reden. Dem Land sollte ein Übergangskredit gewährt werden, da es derzeit auf den "unvernünftigen Märkten kein vernünftiges Kapital" bekomme. Flassbeck schlug eine gemeinsame Anleihe der Euro-Länder vor. "Das ist das einzig Vernünftige, das hätte man vor einem Jahr schon machen können."

Risikoaufschläge für Griechenland-Anleihen geben nach

Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen hat sich am Freitag verringert. Investoren zeigten sich zuversichtlich, dass sich die EU in den kommenden Tagen auf Finanzhilfen für das angeschlagene Land verständigen wird. Der Spread der zehnjährigen griechischen Staatsanleihen zu den vergleichbaren Bundesanleihen sank auf 716 Basispunkte nach einem Schlussstand von 765 Basispunkten am Vortag.