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RCB: "Party in Wien geht grundsätzlich weiter"

Trotz des schnellen Aufschwunges der Wiener Börse seit den Tiefständen im März erwartet die Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), Birgit Kuras, ein Anhalten des positiven Trends am Wiener Aktienmarkt. Dazu sollte auch die erwartete positive internationale Entwicklung beitragen.

Seit den langjährigen Tiefstständen im März hat der Leitindex ATX um mehr als 50 Prozent zulegen können. Damit liege Wien im internationalen Vergleich auf der Überholspur, nur die Börsen in Moskau und Shanghai seien auf ähnliche oder höhere Zuwächse gekommen. Das Plus bei Dow Jones, DAX oder Eurostoxx lagen dagegen zwischen 33 und 38 Prozent.

Wegfall der "Ost-Panik"

Konjunkturseitig erwartet Kuras für die ATX-Unternehmen im kommenden Quartal deutliche Verbesserungen. Internationale Vorgaben, Gewinnrevisionen und der Wegfall der Ost-Panik sollten als Beschleuniger wirken. Viele Investoren, die den Aufschwung versäumt haben, dürften ebenfalls wieder aufspringen, sobald es zu Marktkorrekturen kommt. Für Ende September prognostiziert Kuras einen ATX-Stand von 2.150 mit einer oberen Bandbreite auf bis zu 2.300 Punkte. Aktuell liegt das Wiener Börsenbarometer bei 2.130 Punkten.

Generell empfiehlt die RCB, wieder stärker in den defensiven Bereich zu gehen, da die Unsicherheiten noch zu hoch seien, was sich auch in der großen "Meinungsvielfalt" bei den Analystenempfehlungen widerspiegelt.

Stefan Maxian, Leiter des RCB-Research, empfiehlt derzeit Infrastruktur-, Gesundheits- und ausgewählte Industrieaktien, wie Intercell, Post, RHI, die kroatische INA oder tschechische Telefonica O2. Nicht extra "bullish" zeigt sich die RCB zum Bankensektor. "Es stehen noch schwierige Quartale bevor", so Maxian. Der Trend bei den notleidenden Krediten gehe in einigen Ländern zweistellig nach oben. Heuer dürften vor allem Unternehmenskredite und im kommenden Jahr die Haushaltskredite betroffen sein.

Gute Chancen für Ost-Anleihen

In Zentral- und Osteuropa werde der Aufschwung noch zu auf sich warten lassen, meint RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek. Im dritten und vierten Quartal dürfte es auch wieder die Chance geben, auf Jahresbasis eine positive Wertschöpfung anzeigen zu können. Auf den Währungsmärkten habe eine deutliche Beruhigung und Gegenbewegung stattgefunden, was bereits Zinssenkungen ermöglicht habe. Im zweiten Halbjahre werde es einen moderaten Aufwärtstrend bei den Ostwährungen geben. Dadurch dürfte der Risikoappetit der Anleger wieder steigen.

Brezinschek sieht daher gute Chancen für Ost-Anleihen. Hinsichtlich der CEE-Aktienmärkte gebe es noch keine Trendwende bei der Gewinnrevisionsdynamik. Die extrem pessimistischen Schätzungen könnten positive Überraschungseffekte bei rohstofforientierten Titeln bringen, insbesondere im vierten Quartal. Russland sollte die größten Chancen aufweisen.