China bricht der Export weg

Völlig überraschend

China bricht der Export weg

Juni-Export minus 3,1 Prozent, Erwartung war plus 4 Prozent.

Neue Hiobsbotschaften aus China: Nach den jüngsten Turbulenzen an den Geldmärkten bricht der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nun der enorm wichtige Export weg. Experten werten den ersten Rückgang der Ausfuhren seit eineinhalb Jahren als schlechtes Zeichen für das dritte Quartal. Die Finanzmärkte reagierten nervös. Der Dax gab mehr als ein halbes Prozent nach. Börsianer hoffen nun, dass die Notenbank des Landes eingreift. Weil die Inflation zuletzt aber deutlich gestiegen ist, hat diese nur begrenzten Spielraum.

Schwache Nachfrage aus dem Ausland
Die Exportwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, erklärte die Zollbehörde am Mittwoch. Hauptprobleme: die schwache Nachfrage aus dem Ausland, vor allem der rezessionsgeplagten Eurozone, steigende Löhne in China und ein stärkerer Yuan. "Für die Exporte sieht es im dritten Quartal düster aus", sagte ein Sprecher der Zollbehörde. Ministerpräsident Li Keqiang ergänzte, er sei sich der Risiken für die Wirtschaft bewusst. Die Regierung müsse Reformen und strukturelle Veränderungen angehen, ohne dass dabei das Wachstum und die Beschäftigungsquote bestimmte Werte unterschritten oder die Konsumenten-Preise bestimmte Niveaus überstiegen, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Details wurden jedoch nicht genannt.

Exportvolumen ging um 3,1 Prozent zurück
Im Juni ging das Exportvolumen zum ersten Mal seit Jänner vergangenen Jahres zurück. Das Minus betrug 3,1 Prozent, während Analysten mit einem Zuwachs von vier Prozent gerechnet hatten. Die Einfuhren sanken im Vergleich zu Juni 2012 um 0,7 Prozent. Experten waren von einem Anstieg von acht Prozent ausgegangen. Die Handelsdaten sind allerdings sehr volatil. Außerdem gab es zuletzt immer wieder Zweifel, ob die veröffentlichten Zahlen auch die Realität widerspiegelten. Die Regierung in Peking geht inzwischen verstärkt gegen gefälschte Rechnungen vor, die das Exportvolumen in diesem Jahr künstlich aufgebläht hatten.

Volkswirte sagten, die chinesische Wirtschaft stehe zunehmend unter Druck. Die schwache Nachfrage aus dem Ausland mache den dortigen Firmen zu schaffen. In die USA, den wichtigsten Absatzmarkt, wurde 5,4 Prozent weniger exportiert. Die Eurozone nahm sogar 8,3 Prozent weniger ab. Alles in allem kam China im Juni auf einen Handelsbilanzüberschuss von 27,1 Mrd. Dollar (21,08 Mrd. Euro), was etwa im Rahmen der Markterwartungen lag.

Am kommenden Montag werden die Daten zum Wachstum im zweiten Quartal 2013 erwartet. Ökonomen rechnen mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 7,5 Prozent. Was viel klingt, ist für chinesische Verhältnisse aber wenig. Es wäre der geringste Zuwachs seit 23 Jahren. Die neue Regierung von Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang treibt den Umbau der Wirtschaft voran und nimmt dabei auch ein geringeres Wachstum in Kauf.

Beide setzen auf Hightech-Branchen und wollen das riesige Land unabhängiger von Exporten machen. Den Wirtschaftszweigen, die von Überkapazitäten geplagt sind, wird der Geldhahn zugedreht. Eines der ersten Opfer davon ist die größte Privatwerft des Landes, Rongsheng, die in den vergangenen Monaten 8.000 Stellen abbauen musste. In Finanzbereich soll der ausufernde Schattenbanken-Sektor eingedämmt werden. Auf dem Immobilienmarkt droht zudem eine Überhitzung.

Inflation um 2,7 Prozent gestiegen
Die Inflation in China war im Juni wegen teuerer Lebensmittel zum Vorjahr um 2,7 Prozent gestiegen. Auch wenn die Rate noch unter dem Wert von 3,5 Prozent liegt, den die Regierung in Peking als Ziel nennt, befürchtet die Notenbank des Landes langfristige Inflationsrisiken. Das schränkt ihre Handlungsmöglichkeiten ein.
 

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