Johann Zwettler Bawag

BAWAG-Prozess II

Zwettler: Verlust war "Keulenschlag"

Wegen angeschalgener Gesundheit dauerte Befragung nur zwei Stunden.

Ex-BAWAG-Vorstand Johann Zwettler hat am zehnten Verhandlungstag des zweiten BAWAG-Prozess als Zeuge noch einmal die Tage des Oktober 1998 Revue passieren lassen. Damals hatten die Bank-Spitzen von den Verlusten der BAWAG-Gelder durch den angeklagten Spekulanten Wolfgang Flöttl in den sogenannten Karibik-II-Geschäften erfahren. "Es war so ein Keulenschlag", schilderte Zwettler die damalige Stimmung. In mehreren Sitzungen des Vorstandes wurde dann eine Gesamtlösung unter der Regie von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner geschnürt, so der gesundheitlich angeschlagene Zeuge.

Keine Details
An Details konnte sich Zwettler in seiner Befragung kaum erinnern. Nach einer ersten Dreiviertel-Stunde legte Richter Christian Böhm eine Pause ein und setzte seine Befragung bis knapp vor 12 Uhr fort. Aufgrund des "offensichtlichen Gesundheitszustandes" lud Böhm Zwettler für eine weitere Befragung am morgigen Donnerstag vor. Zwettler ist der einzige der ursprünglich neun Angeklagten, der sich in der teilweisen Neuauflage des Verfahrens nicht mehr verantworten muss. Er war im ersten Prozess zu fünf Jahren verurteilt worden, wurde aber wegen Krankheit für haftunfähig erklärt.

Vor dem 23. Oktober 1998 hätte Elsner Zwettler telefonisch von dem Verlust (in Ausmaß von 639 Mio. Dollar, Anm.) informiert, sagte Zwettler heute aus. Es gebe Probleme, Flöttl habe das Geld weitgehend verloren, die Vorstandskollegen sollten am 23. Oktober in München erscheinen, schilderte Zwettler den Inhalt des Gesprächs. Was bei der Sitzung in München besprochen wurde, konnte Zwettler nicht mehr genau sagen: "Wir sind alle dort schweigend gesessen." Die Tage seien so verschwommen zwischen dieser Sitzungen und den darauffolgenden weiteren Vorstandssitzungen am 26. und 27. Oktober 1998.

Am 23. Oktober wurde Zwettlers Erinnerung nach nicht über Neuinvestitionen von Flöttl gesprochen. Möglicherweise wurde aber schon darüber gesprochen, dass Flöttl sein Vermögen, das damals von Elsner auf 800 Mio. bis 1 Mrd. Dollar beziffert worden sein soll, der BAWAG übertragen werden soll.

Weiteres Treffen
Zwei Tage später wurde dann Zwettler von Elsner zu einem weiteren Treffen mit dem angeklagten Ex-BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz und Ex-BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker gerufen. Dort wurde dann weiter über die Übertragung des Vermögens von Flöttl an die BAWAG sowie über mögliche Neuinvestitionen gesprochen. Die angeklagten Ex-BAWAG-Vorstände Christian Büttner und Hubert Kreuch waren nicht anwesend. Noch in München hätte Elsner allen aufgetragen, dass sie ihre Handys eingeschalten haben sollten, um erreichbar zu sein, erinnerte sich Zwettler heute.

Das Gesamtpaket war dann sicherlich Thema bei der Sondervorstandssitzung am 26. Oktober 1998. Da soll Schwarzecker auch die Liechtenstein-Stiftungen ins Spiel gebracht habe, so Zwettler. Schwarzecker habe die Bilanzbücher geschrieben, er Zwettler sei für das Rechnungswesen zuständig gewesen.

"Für uns war es klar", dass auch der ebenfalls auf der Anklagebank sitzende Aufsichtsratspräsident der Bank, Günter Weninger, zu informieren gewesen wäre, sagte Zwettler heute. Elsner und Weninger hätten "eine enge Beziehung" bei wesentlichen Dingen gehabt und "das war leider wesentlich", so Zwettler. Am 26. Oktober sei Weninger krank gewesen, er hätte aber seiner Erinnerung nach angekündigt, am nächsten Tag in die Bank zu kommen. Am 26. Oktober habe der Vorstand dann beschlossen, die Vermögensgegenstände Flöttls der BAWAG zu übertragen und gleichzeitig Flöttl weitere Kredite für seine Spekulationen zur Verfügung zu stellen, so Zwettler. Wäre Weninger dagegen gewesen, wäre dies aber nicht umsetzbar gewesen. Wieso Weninger erst nach dem Vorstandsbeschluss informiert wurde, wisse Zwettler nicht.

Verwertung brauchte Zeit

Wenn das Vermögen Flöttls dermaßen groß war - 800 Mio. bis 1 Mrd. Dollar - wieso wurde ihm ein weiterer Kredit gewährt?, fragte Richter Böhm nach. Zwettler erklärte dies damit, dass die Verwertung der Gemälde und Liegenschaften Zeit gebraucht hätte, vor allem die Bilder wären nicht kurzfristig zu verkaufen gewesen. Warum die BAWAG auch eine kostenlose Ankaufsoption für die Flöttl-Firma Ross Capital erhielt, konnte Zwettler nicht erklären.

Als Weninger am nächsten Tag bei einer Vorstandssitzung informiert wurde, habe er "eigentlich sehr gefasst" gewirkt, meinte Zwettler. Er, Zwettler, habe nur Kenntnis davon, dass Weninger den damaligen ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch über die Verluste informierte hätte. Ab 12 Uhr befragt Richter Böhm den Gutachter Fritz Kleiner.