Veit Sorger kritisiert heimische Banken

Heimisches Bankenpaket greift weniger rasch

Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, hat am 10. September beklagt, dass das Bankenpaket in Österreich weniger rasch greift als staatliche Banken-Unterstützungspakete in anderen EU-Ländern. Außerdem beklagte er eine "Finanzierungsklemme", die staatliche Interventionen rechtfertigte.

Aber auch bei den Bundeshaftungen für Firmenkredite sei schon wertvolle Zeit verloren. Deutschland sei da weit voraus. Sorger berichtete in einem Vortrag vor der Analystenvereinigung ÖVFA, dass im EU-Schnitt schon 40 Prozent der verfügen staatlichen Mittel für die Banken abgerufen seien. In Österreich seien es hingegen erst 26 Prozent.

"Natürlich", so räumte Sorger ein, sei sorgfältiger Umgang mit Steuergeldern eine Tugend. Doch wenn sogar Deutschland mit seiner Bürokratie schon 30 Prozent der Hilfsmaßnahmen an seine Banken weitergegeben habe, "sollte uns das zu denken geben". Deutsche Banken dächten vielmehr schon an Rückzahlung.

Pflicht zur Kreditvergabe für Banken

Wie berichtet ist bei den staatlichen Partizipationskapitaleinschüssen in Österreich die Pflicht für die Banken verbunden, doppelt so hohe Summen zusätzlich an Krediten zu vergeben. Auch unter dem Aspekt wurde Sorgers Kritik bewertet, das Bankenpaket greife noch nicht ausreichend.

Als die österreichischen Firmen ihre Aktivitäten nach Osteuropa ausdehnten, wurde die Börsenfinanzierung eine Alternative zu Firmenkrediten. Der Höhepunkt war 2006, als solcherart alternativ zum Bankkredit 10 Mrd. Euro (über Börsegänge, Kapitalerhöhungen) an neuem Kapital aufgebracht wurden, und 1,8 Mrd. Euro über börsenotierte Firmenanleihen. Dieser Trend in der Außenfinanzierung der Firmen sei mit der Finanzkrise vorerst gestoppt worden. Für Sorger birgt dies mittelfristig neue Probleme für Firmen und Standort. Denn mehr Eigenkapital bedeute weniger Risiko. Heimische Firmen seien im EU-Schnitt oft mit zu wenig Eigenkapital ausgestattet, auch große Unternehmen.

Zum Vergleich die Relationen vor der Krise und 2008: Zwischen 2003 und 2007 schafften die Firmen 22 Prozent ihrer Außenfinanzierung über die Börse. Der Kredit-Anteil an der Außenfinanzierung lag in dieser Zeit nur bei 20,5 Prozent.

2008 brach für die Firmen der Zugang zur Börse ein. Wurden 2007 noch Aktien und Anleihen über 10,8 Mrd. Euro platziert (das deckte ein Drittel der Außenfinanzierung ab), schrumpfte dieser Wert 2008 auf 3,9 Mrd. Euro (nur 17 Prozent der gesamten Finanzierung).

Weniger Nachfrage nach Finanzierungen

Laut Sorger sanken von 2007 auf 2008 zwar auch die Neukredite von 13,1 auf 12 Mrd. Euro. Weil aber die anderen Finanzierungsquellen viel stärker ausließen, stieg der Kredit-Anteil trotzdem von 39 auf 51 Prozent. Sorger räumt ein, dass in der Rezession auch Investitionen rückläufig sind, das bedeutet weniger Nachfrage nach Finanzierungen.

Bei einem Rückgang der gesamten Außenfinanzierung um 9,8 Mrd. Euro oder 29 Prozent ist es für den IV-Präsidenten dennoch gerechtfertigt, von einer "Finanzierungsklemme" zu sprechen. Das Wort Kreditklemme greife da zu kurz. Nicht jede Firma könne es sich leisten, für eine Anleihe 8,75 Prozent zu zahlen, wie die voest im Frühjahr. Zwar seien die Risikoaufschläge mittlerweile gesunken, trotzdem blieben Anleihen noch relativ teuer.

Mit den 10-Mrd.-Euro-Haftungen des Bundes für Kredite an Leitbetriebe könne "hoffentlich" ein Finanzierungsvolumen von 30 Mrd. Euro frei werden, meint Sorger. Damit sollten diese Firmen für die nächsten 2 bis 3 Jahre mit genug Liquidität ausgestattet sein. Die Firmen bekämen die Haftungen nicht geschenkt, betonte er. Sie zahlten Haftungsentgelt. Und sie sicherten damit zehntausende Jobs. Der Industriellenchef sieht damit "keine Argumente für staatliche Eingriffe in die Entlohnungs- und Dividendenpolitik" gesunder Betriebe.

Viel zu wenig getan wird laut Sorger, um die Aufbringung von Eigenkapital zu beleben. Er wisse, dass jetzt keine Zeit für große Forderungen sei, zählte aber trotzdem einmal mehr mögliche Ideen dazu auf: Steuerförderungen für Junge Aktien, mehr Freibeträge für Mitarbeiterbeteiligungen, neue Strukturen für Risikokapitalinvestoren, Abschaffung der Gesellschaftssteuer. Kurzfristig würde dies eine halbe Milliarde kosten, schätzt der IV-Chef.