UniCredit Bank Austria: Wohnbau verliert 2023 deutlich an Schwung

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UniCredit Bank Austria: Wohnbau verliert 2023 deutlich an Schwung

Der Wohnbauboom neigt sich dem Ende zu. "Ab 2023 verliert der Wohnungsneubau in Österreich voraussichtlich deutlich an Schwung", heißt es in einer Immobilienmarktanalyse der UniCredit Bank Austria von heute, Mittwoch.

Der Bedarf an neuem Wohnraum werde schwächer wachsen, "unter der Annahme, dass sich die Haushaltsprognosen nicht wesentlich verändern", und sei gedeckt, so die Einschätzung der Bankexperten.

Im laufenden Jahr würden sich die Fertigstellungen nochmals leicht erhöhen, denn die Zahl an Neubaubewilligungen sei Ende 2021 noch auf einem hohen Niveau gelegen - trotz der Rückgänge in den vergangenen zwei Jahren von durchschnittlich 8 Prozent jährlich. Der Schwerpunkt verlagere sich aber weiter in Richtung Einfamilienhausbau.

Die Preise für Einfamilienhäuser außerhalb Wiens seien im Vergleich zu allen anderen Wohnimmobiliensegmenten in Österreich bereits 2021 am stärksten gestiegen, im ersten Quartal 2022 sogar um 16,1 Prozent.

In den vergangenen Jahren hat die Wohnbauleistung in Österreich dem stark gestiegenen Bedarf an Wohnraum der vorliegenden Analyse zufolge "weitgehend Rechnung getragen". Angetrieben vom hohen Nachfrageüberhang, den massiven Preiszuwächsen in vielen Segmenten und den sehr günstigen Finanzierungsbedingungen seien hierzulande von 2011 bis 2019 durchschnittlich 61.000 neue Wohnungen pro Jahr errichtet worden. In den 30 Jahren davor seien es 47.000 Einheiten pro Jahr gewesen.

Auch im ersten Coronajahr 2020 ging der Markt für Wohnbau den Angaben zufolge nur kurzfristig zurück, "was vor dem Hintergrund der stärksten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ein bemerkenswertes Ergebnis war". 2021 dürfte die Wohnungsproduktion mit rund 75.000 Einheiten ihren bisherigen Rekordwert erreicht haben, heißt es in der Marktanalyse weiters. Aufgrund der noch fehlenden Daten könnten die Fertigstellungen nur anhand der hohen Baubewilligungszahlen der vergangenen Jahre und der Entwicklung des Bauproduktionswertes geschätzt werden.

Der Markt für gewerbliche Immobilieninvestments in Österreich sei trotz Krise "weiterhin stabil", der Ausblick positiv. Der Wiener Büromarkt profitiere in einem Umfeld verschiedener negativer Einflüsse wie der Pandemie, des Ukraine-Krieges, der hohen Inflation und der massiv steigenden Energiepreise von seiner soliden und stabilen Grundausrichtung und könne damit den herausfordernden Marktbedingungen begegnen. Das Investoreninteresse an Büroimmobilien sei auch heuer weiterhin "lebhaft". Das Gesamtinvestmentvolumen könnte aber 2022 dennoch etwas unter dem Wert des Vorjahres zu liegen kommen.

Der unvermindert bestehende Druck auf Standorte abseits der gängigen Büroachsen lasse nicht nach und veraltete Büroflächen, die den gewachsenen Anforderungen veränderter Nutzungsgewohnheiten nicht mehr entsprechen, seien nicht weiter wettbewerbsfähig. Bei Einkaufszentren wiederum gebe es im Vergleich zum Vorjahr kaum noch Flächenzuwächse.

Die Spitzenrenditen im Büroimmobilienbereich gingen der Analyse zufolge 2021 weiter zurück und verringerten sich bis Mitte 2022 nochmals leicht auf rund 3 Prozent. Im Shopping-Center-Bereich hingegen habe es bei den Spitzenrenditen zum Halbjahr 2022 mit rund 4,5 Prozent "keine wesentlichen Veränderungen" gegenüber dem Jahresende 2021 gegeben. Und bis Ende dieses Jahres sei in allen Assetklassen mit einem Anstieg der Renditen zu rechnen. Das sei vor dem Hintergrund des veränderten Zinsumfeldes und der hohen Inflation als realistisch anzusehen.

"Der Ausblick für den österreichischen Immobilienmarkt ist trotz der aktuellen Herausforderungen weiterhin positiv. Veränderte Rahmenbedingungen führen in der Regel zu Gewinnern und Verlierern, doch ist davon auszugehen, dass der Immobiliensektor final wieder zu den bevorzugten Assetklassen gehören wird", meint Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate der UniCredit Bank Austria. Immobilienprojekte würden derzeit wieder "genauer evaluiert und notfalls auf Eis gelegt". Institutionelle Investoren selektierten sorgfältiger und würden zu darstellbaren Renditen kaufen".

Neben der zunehmenden ökologischen Relevanz des Immobiliensektors im Zuge des ESG-Trends - also in Bezug auf Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmensführung - werde die Verfügbarkeit von leistbarem Bauland das vorherrschende Thema in allen städtischen Ballungsräumen bleiben.

Das für heuer erwartete Transaktionsvolumen von rund 3,5 Mrd. Euro am heimischen Investmentmarkt für gewerbliche Immobilien liegt den Angaben zufolge voraussichtlich unter dem Vorjahr, entspreche aber in Summe etwa dem durchschnittlichen jährlichen Gesamtinvestment der vergangenen zehn Jahre.