Auch Kroatien plant werbefreien Staatssender

Nach Frankreich und Spanien will nun auch Kroatien seinen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zur Werbefreiheit verpflichten. Laut der Tageszeitung "Jutarnji list" sieht die Regierungsvorlage für das neue Rundfunkgesetz vor, dass der Staatssender HRT künftig selbst keine Werbung senden dürfe, aber einen Teil der Werbeeinnahmen der Privatsender erhalten werde. Das Gesetz solle schon 2010 in Kraft treten.

Derzeit entfallen rund 40 Prozent des 960 Mio. Kuna (131 Mio. Euro) schweren TV-Werbekuchens auf die drei HRT-Sender. Die beiden Privatsender RTL und Nova TV teilen sich den Rest auf. Sie beklagen, dass der mit sinkenden Zuschauerzahlen kämpfende Staatssender Preisdumping betreibe, um seine Werbezeiten zu füllen.

Privatsender werfen HRT Preisdumping vor

Wird der Staatssender werbefrei, könnten RTL und Nova TV wieder höhere Tarife für ihre Werbeblöcke verrechnen. Entsprechend sind sie bereit, einen Teil der zusätzlichen Werbeeinnahmen HRT zu überlassen, allerdings nur für eine Übergangszeit. Offen ist, wie groß dieser Anteil sein wird. HRT fordert 25 bis 30 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen der Privatsender. Der Entwurf des neuen HRT-Gesetzes klammert diesen Punkt aus.

Die Privatsender begrüßten die Regierungspläne und betonten, dass ein werbefreier HRT seine öffentlich-rechtliche Rolle besser erfüllen könne. "Wir sind bereit zu Gesprächen über das konkrete Modell darüber", sagte RTL-Sprecherin Natasa Roksandic. Die HRT-Führung reagierte zurückhaltend.

Sie präferiert einen behutsameren Rückzug des öffentlich-rechtlichen Senders aus dem Werbemarkt. Demnach sollte zunächst eine Werbezeitbeschränkung von zwei Minuten pro Stunde (48 min/Tag) eingeführt werden. Derzeit darf HRT jede Stunde neun Minuten Werbung senden.