Wilhelm Haberzettl ist unter Druck

ÖBB-Betriebsratsobmann Haberzettl in Offensive

Die Schlammschlacht um die Verantwortung für die illegale Sammlung von Krankenstandsdaten bei den ÖBB geht weiter.

Jetzt geht ÖBB-Betriebsratsobmann Wilhelm Haberzettl wieder in die Offensive. Personalchef Franz Nigl könnte für das Sammeln der Krankendaten Prämien kassiert haben, mutmaßt er. Zuvor war er hart von ÖVP, FPÖ und BZÖ kritisiert worden.

"Es stellt sich die Frage, welcher Anteil an seinen Boni auf diesen Tatbestand zurückzuführen ist", sagte er. Das müsse der Staatsanwalt klären. Nigl habe den Aufsichtsrat und den Vorstand getäuscht, denn er habe die Anweisung erhalten, die illegale Datensammlung zu unterlassen, diese aber weitergeführt, sagte Haberzettl.

Beide Vorwürfe, nämlich Prämien für das Datensammlung erhalten und den Vorstand belogen zu haben, wies Nigls Rechtsanwalt postwendend "entschieden" zurück. "Ich werde für Herrn Nigl die entsprechenden rechtlichen Schritte gegen Herrn Haberzettl wegen Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung vorbereiten" teilte Anwalt Sebastian Lesigang am Freitagnachmittag mit.

Bei sich selber sieht Haberzettl keine Schuld. Als Betriebsrat müsse er Probleme so weit wie möglich im Betrieb erledigen. Der Vorwurf, er habe Krankenstandsdaten eines krebskranken ÖBB-Mitarbeiters per Mail übermittelt sei falsch. Er habe damals einem krebskranken Mitarbeiter durch Anrechnung von Zeiten zu einer höheren Pension helfen wollen, sei damit aber gescheitert.

ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger bezeichnete indes Haberzettl als "Ausdruck der derzeitigen Krise der SPÖ". Die FPÖ findet, die Rolle der SPÖ bei der ÖBB-Affäre werden "immer dubioser", so Generalsekretär Herbert Kickl. Ähnlich BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz: Er sieht einen "roten Bespitzelungsskandal" und forderte Haberzettl zum Rücktritt auf.