Hilferuf
Aufstand der Wirte gegen DIESEN Lockdown
Es sind keine "Wut-Wirte", schon gar keine Corona-Leugner. Doch immer mehr Gastronomen fordern eine Alternative zum Lockdown, wollen vor allem Klarheit, um planen zu können, und bringen kein Verständnis dafür auf, dass eine Öffnung für Friseur-und Kosmetiksalons überlegt wird, Restaurants und Lokale aber weiter zubleiben müssen.
5 vor 12. Die Wienerin Alexandra Psichos, Wirtin im Café Klimbim (Wien 21) und The Legend in Wien Landstraße, hat deshalb die Aktion 5 vor 12 mitgegründet, die auf die triste Situation in ihrer Branche aufmerksam machen will. Sie ist überzeugt, dass vor allem kleinere Betriebe trotz der großzügigen Regierungshilfen vor Weihnachten nicht mehr lange durchhalten können. Sie selbst hat bereits ihre eigenen Ersparnisse dafür aufgewendet, ihre Mitarbeiter bezahlen zu können. "Wir waren nach dem Frühlings-Lockdown im Herbst wieder schuldenfrei -dann kam der nächste Hammer."
Lösungen. "Wir brauchen irgendeinen Strohhalm", sagt sie zu ÖSTERREICH: "Wir grenzen uns total von den Corona-Leugnern ab und sind nicht gegen die Regierung, sondern einfach nur an Lösungen interessiert."
Einer ihrer Vorschläge: "Eine Option wäre doch, wenigstens die Schanigärten aufzumachen, sobald es die Temperaturen einigermaßen zulassen." Ins Lokal würde Psichos die Gäste nur zur Toilette lassen.
Stehtische. Ähnlich Christina Hummel vom Traditionscafé Hummel: "Was spricht dagegen, im Freien Stehtische in zwei Meter Abstand aufzustellen? Wenn ich mit mehreren Leuten in der Gondel sitzen kann, müsste das doch drin sein." Hummel fordert wie viele andere Gastronomen eine "planbare Zuschuss-Regelung": "Wir müssen schließlich Liquiditätspläne vorlegen." Hummel lukriert derzeit durch Take-away 10 bis 15 Prozent des normalen Umsatzes, mit Stehtischen rechnet sie mit zusätzlichen 10 bis 20 Prozent.
Großzügig. Groß-Cafetier Berndt Querfeld (Landtmann, Museum, Mozart) weiß ebenfalls, dass die Branche neue Ideen braucht: "Ich habe die Regierung kritisiert, aber ich muss sagen, die Gelder, die bis Ende des Jahres gezahlt wurden, waren wirklich großzügig. Mir ist aber auch klar, dass das nicht ewig so weitergehen kann." Auch er fordert, wie sein Kollege Peter Friese vom Schwarzen Kameel Planbarkeit: "Ein Betrieb wie wir braucht zwei Wochen Vorlaufzeit."
Querfeld hat mit einem befreundeten Arzt auch schon über ein Konzept von "Testboxen" in der Stadt nachgedacht, wo sich jede(r) rasch und unbürokratisch testen lassen kann. Er ist überzeugt: "Die Schnelleren und Mutigen werden überleben."
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