Krise hinterlässt ihre Spuren - Urlauber machen keine großen Sprünge

Der Sommer - Ein einziges Hoffen

Die junge Sommersaison landete beim Start mit einen schmerzlichen Bauchfleck. 6,2 Mio. Gäste nächtigten im ersten Saisonmonat Mai in Österreich. Das sind um satte 11,8 Prozent weniger als im Vorjahr, errechnete die Statistik Austria. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) lässt für den heurigen Sommer wenig Grund zur Freude und spricht von einem Rückgang bei den realen Umsätzen von 5 bis 6 Prozent.

Viele Tourismusbetriebe selbst wagen seit langem schon keinen zahlenfundierten Ausblick mehr in die nahe und mittlere Zukunft. Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise scheinen die Prognosen einzig von Hoffnungen dominiert zu sein, wobei der Glaube an Besserung von mehr als ungewissen Variablen aufrecht erhalten wird: Die kurzentschlossenen Urlauber - ein Lichtblick; das Wetter - könnte sich noch bessern. Positiv bis jetzt: "Es gibt keine Stornos", wie Hans Schenner, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, berichtet. Nachsatz: "Aber Buchungen auch nicht."

Kurzfristigkeit verunsichert Betriebe

Ein alleiniges Krisenphänomen ist dies zwar nicht: Der Trend zur kurzfristigen Ferienplanung zeichnet sich schon seit Jahren ab. Laut einer Gästebefragung vom Sommer 2008 entscheiden nur noch 22 Prozent der Urlauber mehr als vier Monate im Voraus ihre Ferien, verglichen mit noch 34 Prozent 2006. Rund 16 Prozent beschließen weniger als zwei Wochen vor Abreise, wohin es dieses Jahr gehen soll, weitere 17 Prozent machen das zwei bis vier Wochen vorher. Aber in der derzeitigen Konjunkturflaute ist die Spontanität der Kunden ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der die Tourismusbetriebe auf eine harte Probe stellt.

Dementsprechend wichtig sei gutes Wetter, meint Schenner, der wie immer optimistisch bleibt und über die Saison gesehen mit einem kleinen Minus von rund 2 Prozent bei den Nächtigungen rechnet. - Vor allem weil Gäste aus dem entfernteren Ausland als Folge der Krise oder auch der Schweinegrippe ausbleiben werden. An ihrer Stelle sollten jedoch mehr Österreicher und Urlauber aus den Nachbarländern kommen, hofft er, nicht zuletzt wegen einer im Frühjahr gestarteten Werbekampagne.

Egon Smeral, Tourismusexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), ist da weniger zuversichtlich. "Seit dem Spätwinter sieht man genau, dass die Rezession Spuren zeigt", sagte er zur APA. Er bleibt - vorerst - bei seiner Einschätzung, wonach die realen Umsätze in der heurigen Sommersaison um 5 bis 6 Prozent unter dem Vorjahr liegen werden. Zwar verzichten die Urlauber krisenbedingt auf Flugreisen ins Ausland und machen stattdessen spontan Kurzurlaube mit dem Auto. Ausgleichen werde das die Rückgänge aber nicht können, schon deshalb, weil diese Urlauber genau auf die Preise schauen. Das schlechte Wetter könnte hier die Bilanz noch stärker verhageln, fürchtet er.

Immerhin: Gut im Europavergleich

Im Europavergleich liegt Österreich laut Smeral noch gut. Insgesamt werde ein Minus im Tourismus von rund 10 Prozent erwartet. Vor allem Länder wie Spanien, Griechenland oder die Türkei, die stark von Auslandstouristen abhängig sind, werden sich nach Ansicht des Wirtschaftsforschers schwertun. Profitieren werden dagegen Frankreich oder Deutschland, die viele inländische Touristen und solche mit hoher Reiseintensität anziehen. Richtig spürbar werde die Krise im Tourismus jedoch erst im Sommer 2010. Mit Ausnahme des Städtetourismus, der schon 2009 kräftige Rückgänge verzeichnen werde.

Auch Tourismus-Obmann Schenner sieht Einbußen auf Wien und Salzburg zukommen. Nach den Zuwächsen der vergangenen Jahre sei das aber wenig dramatisch, wehrt sich Schenner gegen Krisenrhetorik: "Dann sind wir wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren." Auch bei den Gästen in seinen beiden Betrieben in St. Anton am Arlberg und Bad Goisern im Salzkammergut sieht er eine gewisse Krisenmüdigkeit. "Die Gäste tun, als gebe es die Krise nicht und wir auch", sagte Schenner.

Ausländische Gäste ausgefallen

Wenn sich auch manch ein Gast diese Verweigerungshaltung leisten kann; etliche Betrieben werden wohl angesichts des 11,8-prozentigen Nächtigungsrückgang im Mai schwer stöhnen. Das kleinste Problem sind dabei die inländischen Nächtigungen: Der Rückgang ist hier im Mai mit 1,9 Prozent im Vergleich zu den ausländischen Gästenächtigungen (-17,7 Prozent) noch sehr moderat ausgefallen. Laut Statistik Austria wurden 41,6 Prozent der Nächtigungen von inländischen Gästen gebucht.

Am schwersten fallen in der Austro-Bilanz die Rückgänge im Hauptherkunftsmarkt Deutschland ins Gewicht - hier wurde ein Minus von 22 Prozent auf 2,03 Mio. Übernachtungen verbucht. Prozentuell übertroffen wurde dieser Rückgang nur von Gästen aus Großbritannien (-23,8 Prozent). Mit Ausnahme von Belgien (+5,7 Prozent) und Italien (+0,7 Prozent) waren alle wichtigen Herkunftsmärkte rückläufig - darunter Frankreich (-10,8 Prozent), Niederlande (-14,3 Prozent), Schweiz (-1,2 Prozent), USA (-16,2 Prozent), Russland (-11,6 Prozent).

Dabei ist es derzeit gleich, ob man ein Spitzenhotel führt oder eine Privatpension. Rückgänge gibt es in allen Kategorien. Hotelbetriebe der 5- und 4-Stern-Kategorie wiesen im Mai einen Rückgang von 11,6 Prozent auf. Besonders deutlich fielen die Nächtigungen in gewerblichen Ferienwohnungen (-17,3 Prozent) aus. Einbrüche gab es auch in Privatquartieren (-18,8 Prozent) und privaten Ferienhäusern/-wohnungen (-22,9 Prozent).

Weniger Gäste

Auch die Zahl der Gäste (=Ankünfte) spiegelt die rückläufige Tendenz wider. Insgesamt wurden um 9,0 Prozent weniger Ankünfte in Beherbergungsbetrieben gemeldet. Die ausländischen Ankünfte wiesen im Mai ein Minus von 12,3 Prozent auf. Die inländischen Ankünfte verringerten sich um 4,0 Prozent.

Betrachtet man das bisherige Kalenderjahr 2009 (Jänner bis Mai), so liegt die Zahl der Übernachtungen mit 55,17 Mio. um 3,9 Prozent unter dem Niveau der Vergleichsperiode des Vorjahres.

Doch obwohl das Konjunkturtief fast keinen Tourismusbereich unberührt lässt, sind Pauschalprognosen unmöglich. Das zeigt unter anderem die Wiener Hotellerie. Es gebe einige Hotels, die besser gebucht seien als im vergangenen Jahr, andere hingegen sähen die Lage desaströs, erklärte Michaela Reitterer, die Landeschefin der Österreichischen Hoteliersvereinigung, der APA. Man rechne mit einem Rückgang bei den Buchungen und beim Umsatz. Allerdings müsse man bedenken, dass man sich mit dem Ausnahmejahr 2008 vergleiche. Alle warten nun auf den September, wo die Kongresse losgehen. Die sind nach derzeitigem Stand gut gebucht.

Detaillierte Berichte zur touristischen Situation in den einzelnen Bundesländern finden sich im Hintergrund.