Piloten stimmten für Arbeitskampfmaßnahmen

Lufthansa vor größtem Streik ihrer Geschichte

Die Lufthansa bereitet sich mit einem Notfall-Plan auf einen der möglicherweise größten Streiks ihrer Geschichte vor. Bei einer Urabstimmung, zu der 4.500 Piloten der AUA-Mutter Lufthansa, der Töchter Cargo und Germanwings aufgerufen waren, stimmte eine große Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen, wie die Gewerkschaft Cockpit mitteilte.

Ein Cockpit-Sprecher kündigte einen Arbeitskampf "in der Größenordnung der Pilotenstreiks von 2001" an. Damals hatten die Piloten die Arbeit für 3 Tage niedergelegt. Die Lufthansa musste Hunderte Flüge streichen, was die Airline rund 200 Mio. Euro kostete.

Die Lufthansa-Piloten fordern mehr Mitbestimmung und eine Arbeitsplatzgarantie unter dem bestehenden Konzerntarifvertrag. Die Airline - in Österreich seit September Mutter der Austrian Airlines (AUA) - ist dazu nicht bereit. Eine der Sorgen der Arbeitnehmer: Billigere Piloten - zum Beispiel auch von der AUA-Gruppe - könnten den deutschen Angestellten die Jobs streitig machen.

Die Lufthansa rechnet durch den Streik mit deutlichen Belastungen. Allein die Streikdrohnung habe bereits zu einem Rückgang der Buchungen geführt, sagte der für die Tarifverhandlungen zuständige Passagiervorstand Roland Busch Anfang des Monats. "Wenn dann tatsächlich gestreikt würde, dann müssen wir jeden Tag mit massiven Erlösausfällen rechnen", erklärte der Manager.

Die Einsparziele der Gesellschaft wären dadurch "massiv gefährdet". Die Lufthansa will ihre Kosten bis 2011 jährlich um eine Milliarde Euro senken.

Im Tarifkonflikt geht es nicht nur um Lohn und Gehalt. Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) fordert Arbeitsplatzsicherheit für die rund 4.500 Piloten bei der Lufthansa und deren Töchtern Lufthansa Cargo und Germanwings. Im Folgenden die Verhandlungspositionen von Lufthansa und der Gewerkschaft sowie die wichtigsten Streitpunkte:

Was will "Cockpit"

Die Gewerkschaft befürchtet einen sukzessiven Abbau der hoch bezahlten Piloten im Konzerntarifvertrag. Sie will eine Verlagerung von Arbeitsplätzen auf neu übernommene oder neu gegründete Töchter vermeiden und fordert daher eine "belastbare Beschäftigungsgarantie" für die Flugzeugführer. Im Gegenzug für diese Jobgarantie hatte sich die Gewerkschaft bereiterklärt, auf ihre zu Beginn der Verhandlungen im Mai geforderte Lohnerhöhung von 6,4 Prozent für 12 Monate zu verzichten und eine Nullrunde zu akzeptieren. Der Konzerntarifvertrag umfasst neben der Lufthansa Passage die Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings.

Was will die Lufthansa

Die Lufthansa lehnt die geforderte Beschäftigungsgarantie ab und drängt vielmehr auf deutliche Einsparungen, auch bei den Piloten. Die Airline kämpft derzeit mit massiven Geschäftseinbußen durch die Wirtschaftskrise und der Sanierung und Integration der jüngst übernommenen Töchter wie AUA und British Midland. Außerdem setzen der größten europäischen Fluggesellschaft im Europaverkehr zunehmend Billigflieger wie Air Berlin oder Ryanair zu, an die Lufthansa sukzessive Marktanteile verliert.

Die Konfliktpunkte

1. Zukäufe

Bei den zuletzt übernommenen Töchtern wie Brussels oder AUA arbeiten die Piloten teilweise für weniger Gehalt als bei Lufthansa. Die Gewerkschaft befürchtet, dass das Unternehmen Lufthansa-Strecken zunehmend auf die Töchter verlagern könnte, um so Kosten zu sparen. Dann würden die billigeren Piloten der Töchter die Strecken fliegen und nicht mehr die Lufthansa-Piloten, deren Arbeitsplätze die Gewerkschaft in Gefahr sieht.

Nach Angaben der Lufthansa ist im Passagierverkehr jedoch weiteres Wachstum geplant. Die Zahl der Konzerntarifvertrag-Arbeitsplätze habe sich - ohne die frühere Tochter Condor - seit 2001 um 8 Prozent erhöht, argumentiert das Management.

2. Lufthansa Italia

Die Lufthansa hat 2009 eine eigene Tochter in Italien gegründet. Bisher konnten sich Gewerkschaft und Lufthansa aber nicht darüber einigen, wer die Maschinen fliegen soll. Nach Lufthansa-Willen sollen das langfristig Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags machen, die Gewerkschaft will das verhindern. Sie befürchtet, dass Lufthansa-Italia künftig mehr Strecken übernehmen und Konzernpilotenstellen wegfallen könnten. Bisher fliegen noch Lufthansa-Piloten die Maschinen.

3. Aerologic

Ähnlich ist die Situation bei der gemeinsam mit der Deutschen Post neu gegründeten Frachttochter Aerologic. Deren Flugzeuge werden nicht wie bei der eigenen Frachttochter Cargo von Konzernpiloten geflogen, sondern von neu eingestelltem Personal. Auch will die VC Lufthansa-Konzernpiloten ins Cockpit holen.

4. Regionalverkehr - Embraer

Auch die Lufthansa mustert im Regionalverkehr die kleinen Flugzeuge mit weniger als 70 Sitzen aus und ersetzt sie durch größere Maschinen. Das Unternehmen muss gemäß einer vor Jahren getroffenen Vereinbarung bei Flugzeugen über 70 Sitzen, die unter der Marke Lufthansa eingesetzt werden, mit der Gewerkschaft über die Arbeitsbedingungen der Piloten verhandeln. In dem seit Jahren schwelenden Konflikt gab es jedoch keine Einigung - auch weil sich die Gewerkschaft intern nicht einigen konnte. Ein Teil der neuen Maschinen kommt daher bei Partnern wie Air Dolomiti und Augsburg Airways zum Einsatz. Hier steht das Lufthansa-Logo nicht auf den Maschinen. Einen ähnlichen Weg hatte Lufthansa bei der Tochter Cityline gewählt - auch hier werden die Flugzeuge nicht mit dem Namen Lufthansa beschriftet. Bei dem Partner Eurowings werden durch den Sparkurs 19 Flugzeuge stillgelegt und Hunderte Arbeitsplätze abgebaut.