Schlammschlacht um Masken: So kontert Palmers

Nach Masken-Skandal

Schlammschlacht um Masken: So kontert Palmers

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Palmers kontert: ''Darstellung der Lenzing AG entbehrt jeglicher Grundlagen''

Bei der Hygiene Austria, einem Joint Venture von Palmers und Lenzing, ist es jetzt wegen des Maskenskandals zum offenen Bruch zwischen den beiden Eigentümern gekommen. Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing hat heute bekanntgegeben, seine beiden Geschäftsführer zurückzuziehen bzw. abzuberufen. Als Grund wird genannt, dass man keinen vollständigen Zugang zu wichtigen Unterlagen erhalten habe. Daher sei man außerstande, die operative Geschäftsführung auszuüben.

Mit sofortiger Wirkung werde die Nominierung von Stephan Sielaff als Geschäftsführer der Hygiene Austria zurückgezogen und Stephan Trubrich werde als Geschäftsführer abberufen. 
 
Die zur Aufarbeitung der Vorgänge notwendigen Unterlagen befänden sich großteils in den Räumen von Palmers, zu denen Lenzing "weder Zutritt noch Zugriff" bekommen habe. "Trotz intensivstem Ressourceneinsatz seitens Lenzing war die dringend erforderliche rasche Aufklärung mit belastbaren Resultaten ebenso wenig möglich, wie die tatsächliche Ausübung der Geschäftsführung. Lenzing sieht daher die Aufarbeitung der aktuellen Vorwürfe bei den zuständigen Behörden. Dabei wird Lenzing nach besten Kräften unterstützen", heißt es in der Aussendung von Montagnachmittag.

Schlammschlacht um Masken: So kontert Palmers

Die Palmers Textil AG zeigt sich als Minderheitseigentümer der Hygiene Austria LP GmbH von getätigten Aussagen der Lenzing AG überrascht. In diesem Zusammenhang gibt Palmers folgendes Statement ab: "Zu keiner Zeit hat Palmers die Aufklärung der Untersuchung behindert oder Unterlagen zurückgehalten. Vielmehr wurden sämtliche Unterlagen in voller Transparenz bei der am 2. März 2021 durchgeführten Hausdurchsuchung den ermittelnden Behörden übergeben."
 
Der Mehrheitseigentümer Lenzing AG habe sich seit der Gründung des Joint-Ventures für die Beschaffung, die Zertifizierung und das Qualitätsmanagement der Ware sowie für die Produktion und Produktinnovation verantwortlich gezeichnet, so Palmers in einer Aussendung. Da immer nur beide Geschäftsführer wirksam für Hygiene Austria LP GmbH zeichnen konnten, würden immer alle Unterlagen auch beiden Geschäftsführern vorliegen. Noch dazu sei der von Lenzing AG bestellte Geschäftsführer auch deren Kapitalmarktbeauftragter.
 
"Ebenso wurden am vergangenen Wochenende Verhandlungen zur Übernahme der Anteile der Lenzing AG durch die Palmers Textil AG geführt, die derzeit noch nicht abgeschlossen sind. Es ist dem zweiten Geschäftsführer Tino Wieser ein Anliegen, dass sämtliche Vorwürfe hinsichtlich der behaupteten Mängel restlos aufgeklärt werden. Dazu erfolgt noch heute eine Information an die Medien", so Palmers Textil AG in einer Aussendung.

Hygiene Austria-Chef Wieser: Bei Lenzing hebt keiner ab 

Nachdem der Faserhersteller Lenzing als Mehrheitseigentümer des Maskenproduzenten Hygiene Austria am Montag überraschend seine beiden Geschäftsführer zurückgezogen hat, muss sich der verbliebene Geschäftsführer Tino Wieser vom Minderheitsgesellschafter Palmers alleine um Schadensbegrenzung im Maskenskandal kümmern. Eigentlich habe er das Unternehmen ganz übernehmen wollen, aber Lenzing habe den Kontakt abgebrochen, sagte Wieser am Montagabend zur APA.
 
Lenzing hatte am Nachmittag per Aussendung erklärt, dass mit sofortiger Wirkung die Nominierung von Stephan Sielaff als Geschäftsführer der Hygiene Austria zurückgezogen und Stephan Trubrich als Geschäftsführer abberufen werde. Als Grund wurde genannt, dass man keinen vollständigen Zugang zu wichtigen Unterlagen erhalten habe.
 
"Letzte Woche haben wir zusammen mit der Lenzing an der Aufklärung der ganzen Sache gearbeitet, auch das ganze Wochenende bis auf gestern um acht Uhr, wo ich dann auf einmal allein da gesessen bin", sagte Wieser zur APA. "Heute kam das Statement zu Mittag, während alle Mitarbeiter zu einem Team Lunch eingeladen wurden, dass alle Mitarbeiter der Lenzing abgezogen werden."
 
Lenzing sei bis dahin mit 15 bis 20 Leuten vor Ort gewesen. "Von der Aufgabenaufteilung her war von Anfang an klar, dass die Lenzing die Produktion und die Materialbeschaffung plus Qualitätssicherung und Zertifikate macht", so Wieser. Die Aufgaben von Palmers seien Verkauf, Marketing, Logistik und Buchhaltung gewesen. "Ich finde es einfach nicht in Ordnung, wenn sich ein Partner in dieser Zeit, salopp gesagt, ein bissl davonstiehlt."

Begründung von Lenzing

Die Begründung von Lenzing, wonach man keinen Zugang zu wichtigen Unterlangen erhalten habe, lässt Wieser nicht gelten. "Wissen Sie, was bei einer Hausdurchsuchung passiert? Die beschlagnahmen alles. Wir sind bis Samstagabend hier gesessen, haben alles zusammen ausgearbeitet. Gestern noch sind Daten ausgetauscht worden, heute in der Früh sind die letzten Daten ausgetauscht worden." Aber es sei eben keine Einsicht in Unterlagen möglich, die bei der Staatsanwaltschaft seien.
 
Am Wochenende sei die Maskenproduktion unterbrochen gewesen, inzwischen habe man sie aber wieder aufgenommen, berichtete Wieser. Man produziere jetzt eben vorerst auf Lager. "Die letzte Woche war jetzt nicht die umsatzstärkste, das muss man ganz klar sagen." Die Qualität der Masken sei aber hervorragend, auch wenn geringe Mengen in China zugekauft worden seien. Das habe man am vergangenen Wochenende neuerlich überprüfen lassen.
 
Er habe weiterhin vor, die Hygiene Austria ganz zu übernehmen. "Ich habe ein Übernahmeangebot gelegt, wir waren schon in Vertragsausarbeitung, es war für 14 Uhr heute der Notar bestellt", sagte Wieser. Stattdessen habe es aber die überraschende Presseaussendung der Lenzing gegeben. Er sei nach wie vor an der Übernahme interessiert, aber "da muss man mit mir reden. Wenn der Mehrheitsgesellschafter nicht mehr mit dir redet, dann wird's ein bissl schwierig. Ich habe alle angerufen, es hebt keiner ab."

Hintergrund

An der im Frühjahr 2020 zur Maskenproduktion gegründeten Hygiene Austria hält die Lenzing AG 50,1 Prozent, die Palmers Textil AG 49,9 Prozent. Das in Wiener Neudorf (Bezirk Mödling) ansässige Unternehmen hatte eingeräumt, dass ein Teil der als "Made in Austria" vermarkteten Masken in China zugekauft wurde.
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