Offshore

Steuerhinterzieher-Netzwerk

So verstecken Reiche ihr Geld

Datenleck zeigt, wie "Reiche und Kriminelle" große Vermögen bunkern.

Ein beispielloses Datenleck zerrt die geheimen Geschäfte mit Offshore-Firmen ans Licht und bringt Steuerbetrüger weltweit in Erklärungsnot. Wie mehrere internationale Medien am Donnerstag berichteten, gaben anonyme Informanten rund 2,5 Millionen brisante Finanzdokumente an Journalisten weiter und brachten so eine weltweite Berichterstattung ins Rollen. Unter den 130.000 aufgelisteten Personen ist bisher aus Österreich nur der Name Denise Rich (69) bekannt - sie soll 2006, als sie noch als Doppelstaatsbürgerin in New York lebte, 144 Mio. US-Dollar in einen Trust auf den Cook-Islands geparkt haben.

Im Nachbarland Deutschland sollen es hunderte Namen sein, was in Österreich in den kommenden Wochen und Monaten noch auftauchen wird - die Auswertungen der Daten ist noch längst nicht beendet, sagte ein involvierter Journalist der "Süddeutschen Zeitung" zur APA - bleibt abzuwarten.

Ein Sprecher des österreichischen Finanzministeriums sagte auf Anfrage: "Wir gehen der Sache nach." Wie konkret, wollte er aber nicht verraten.

Die Sprengkraft der Informationen liegt auch in deren Menge
260 Gigabyte Daten aus zehn Steuerparadiesen wurden dem Internationalen Netzwerk für Investigativen Journalismus (ICIJ) in den USA nach eigenen Angaben vor rund 15 Monaten anonym zugespielt. 36 Partnermedien aus aller Welt hätten monatelang in den Listen recherchiert, die von zwei auf Offshore-Gesellschaften spezialisierten Firmen stammten. Nun wurden in einer konzertierten Aktion die prominentesten Fälle veröffentlicht.

An der Datenauswertung beteiligten sich in Deutschland die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR, auch der britische "Guardian", die französische "Le Monde" und die "Washington Post" befassten sich mit den Daten. In Österreich liegen diese keinem Medium vor, weil keines Mitglied im ICIJ ist. In den Unterlagen finden sich nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" neben den Namen von Einzelpersonen aus mehr als 170 Ländern - darunter Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure - mehr als zwei Millionen E-Mails sowie 122.000 Briefkastenfirmen und Trusts aus einschlägigen Steueroasen.

Genannt werden dabei die Britischen Jungferninseln, die Cook-Inseln, Samoa, Hongkong, Singapur, die Cayman-Inseln, Mauritius, die Insel Labuan vor Malaysia und die Seychellen. Die Oasen würden durchaus auch von der internationalen Staatengemeinschaft geduldet und auch angeboten - "zu unserem Entsetzen", sagte Wirtschaftstreuhänder-Chef Klaus Hübner zur APA. Man brauche auch gar nicht so weit zu fahren um in eine Steueroase zu gelangen - Stichwörter: Gibraltar, Kanalinseln.

Gunter Sachs
Der Industriellenerbe Gunter Sachs soll laut "SZ" vor seinem Tod Vermögen in Steueroasen angelegt und es bei den Finanzämtern nicht vollständig deklariert haben, was seine Nachlassverwalter aber mit dem Hinweis zurückwiesen, die betroffenen Firmen seien den Steuerbehörden "schon zu Lebzeiten von Herrn Sachs" offengelegt worden.

Auch Imee Marcos, Tochter des philippinischen Ex-Diktators Ferdinand Marcos, steht im Verdacht, eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln nicht dem Fiskus gemeldet zu haben. Ebenfalls auf den Jungferninseln besitzen den Berichten zufolge die Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew seit 2008 drei Firmen, bei denen jeweils ein und derselbe Unternehmer als Direktor fungiere und Staatsaufträge in Milliardenhöhe bekommen habe.

Francois Hollande
Der Wahlkampfmanager des französischen Staatschefs Francois Hollande wiederum, Jean-Jacques Augier, besitzt laut "Le Monde" zwei Briefkastenfirmen auf den Cayman-Inseln, bestreitet jedoch, damit etwas Illegales getan zu haben. Und im Eurokrisen-Staat Griechenland sind der Zeitung "Ta Nea" zufolge von 107 ermittelten Briefkastenfirmen nur vier den Steuerbehörden gemeldet worden.

Wie viel Geld der öffentlichen Hand durch schwarz angelegtes Vermögen entgeht, lässt sich nur schätzen. Die britische Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network bezifferte die Summen, die zum Jahresende 2010 in weltweiten Steueroasen gebunkert wurden, auf 21 bis 32 Billionen Dollar (16,4 bis 25 Billionen Euro).

Gegen Steuerhinterziehung vorgehen
Die Europäische Kommission forderte alle EU-Länder auf, effektiver gegen Steuerhinterziehung vorzugehen. Aus Sicht der Kommission dürfe es keinen Spielraum geben, "um Steuerbetrug zu ermöglichen", sagte ein Sprecher. Wichtig sei, dass sich alle EU-Länder rasch auf eine gemeinsame Definition von Steueroasen einigten.

Wenn die Sache nur annähernd so stimme, wie von den Medien nun aufgedeckt, "dann ist das einmal mehr ein guter Grund, international viel stärker zusammenzuarbeiten und die Steueroasen auszuräuchern - es handelt sich um Großkriminalität", sagte Wirtschaftstreuhänder Hübner. "Es geht nicht an, dass sich Superreiche auf Kosten der Allgemeinheit bedienen und bereichern." Über die OECD müsse international "viel enger" zusammengearbeitet werden - "mit einem Übereinkommen zur effizienteren Bekämpfung".

© APA
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