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Um 185 Prozent

Telekom Austria steigert Ergebnis deutlich

Die Telekom Austria konnte 2009 das Betriebsergebnis deutlich steigern, musste aber einen Umsatzrückgang hinnehmen. Die Zahlen liegen über den Schätzungen der Analysten, bereinigt sieht das Ergebnis aber weniger gut aus. Das teilstaatliche Unternehmen erwirtschaftete im Vorjahr einen Umsatz von 4,802 Mrd. Euro, ein Rückgang von 7,1 %. Der Jahresüberschuss drehte von minus 48,8 auf plus 94,9 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag mit 343,9 Mio. Euro um 185 % über dem Vorjahr - bereinigt gab es ein Minus von 7,6 %.

Das EBITDA erhöhte sich im Jahresvergleich auf 1,749 Mrd. Euro. Der Gewinn je Aktie drehte von minus 0,11 auf plus 0,22 Euro. Die Nettoverschuldung reduzierte sich um 9,5 % auf 3,615 Mrd. Euro.

"Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes erzielte die Gruppe ein respektables Ergebnis 2009. Wir fokussierten auf effektives Kostenmanagement in beiden Segmenten und die Senkung der operativen Aufwendungen. Dadurch dämpften wir die Auswirkungen der niedrigeren Umsätze auf das EBITDA", so Telekom-Austria-Boss Hannes Ametsreiter. Weiters sei es gelungen, die Kundenanzahl im Mobilfunk um 6,4 % auf 18,9 Mio. Euro zu steigern.

Stabiler Ausblick: Dividende bleibt bei 0,75 Cent

Die gesunkenen Umsätze führt die Telekom auf niedrigere Erlöse sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz und auf Wechselkursdifferenzen zurück. Am Ausblick für 2010 hielt der Marktführer fest ( Dividende: 0,75 Euro) "ohne Berücksichtigung der Zusammenlegung der heimischen Geschäftstätigkeiten", hieß es. Die Telekom hatte gestern nach einer Sitzung des Aufsichtsrates die erwartete Fusion von Festnetz- und Mobilfunksparte unter dem Namen A1 Telekom Austria bekanntgegeben. Alter und neuer Chef ist Hannes Ametsreiter.

Erstmals seit 10 Jahren: Wieder mehr Festnetz-Anschlüsse

Im 4. Quartal 2009 verringerte sich der Umsatz um 9,6 % auf 1,182 Mrd. Euro, während das Ergebnis von minus 515,7 auf plus 120 Mio. Euro anstieg. Das EBITDA erhöhte sich von minus 211,6 auf plus 399,4 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss erreichte 63,6 Mio. Euro (Q4 2008: minus 437,7 Mio. Euro). Zum ersten Mal seit mehr als 10 Jahren habe es einen Anstieg der Festnetz-Anschlüsse gegeben.

Dank Kombipaketen ist es gelungen, den Rückgang im Festnetz zu stoppen und zuletzt sogar wieder die Zahl der Anschlüsse zu steigern. Allerdings sind die Durchschnittsumsätze weiterhin rückläufig. Auch im Handygeschäft wird es schwieriger. "Die Zeit des Wachstums ist im Mobilfunk vorbei, die Branche steht unter enormen Preisdruck und Verdrängungswettbewerb", gab Ametsreiter zu bedenken. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunden im Mobilfunk lag 2009 bei 23,6 Euro nach 28,6 Euro im Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die Aufwendungen zur Kundengewinnung alleine im vierten Quartal von 15,9 auf 17 Mio. Euro.

2009 ließen auch die bisher boomenden Mobilfunkanbieter im Ausland aus. Bei der Mobiltel in Bulgarien gab der Umsatz um 7,9 % nach, bei der Velcom in Weißrussland um 3,2 %, bei der kroatischen Vipnet um 8,9 %, bei der slowenischen Si.mobil um 4,9 %. Bei den "Start-up-Unternehmen" in Serbien (Vip mobile) gab es ein Plus von 36,8 %, bei Vip operater von 82,4 %. Zum Vergleich: Bei der Mobilkom in Österreich gab der Umsatz um 5,6 % nach.

Trotz intensiver Konkurrenz großer internationaler Konzerne (Deutsche Telekom, France Telecom, Hutchison) hält die Telekom Austria - Festnetz und Mobilfunk zusammengerechnet - einen Marktanteil von 48,7 %. Alleine bei dem Geschäftsangebot "Business Kombi" hat die Telekom bereits 23.000 Kunden. Insgesamt habe es bei den Kombiprodukten im Jahresvergleich ein Plus von 50 % gegeben. Und dem habe man nun mit der angekündigten Fusion von Festnetz und Mobilfunk zur A1 Telekom Austria Rechnung getragen.

Im Gesamtjahr fielen aber die Festnetzerlöse infolge rückläufiger Sprachvolumina. Die Telekom wies heute darauf hin, dass die Erlöse in diesem Bereich auch den Verkaufspreis der 2008 verkauften Töchter in der Tschechischen Republik, der Slowakei sowie in Polen berücksichtigen.

Im Betriebsergebnis und im Nettoüberschuss für das 3. Quartal des Gesamtkonzerns sind Wertminderungen in der Höhe von 352 Mio. Euro im Zusammenhang mit der Akquisition von Velcom in Weißrussland und der Mobilfunklizenz für Vip mobile in der Republik Serbien inkludiert. Im 4. Quartal 2008 beinhalteten das ausgewiesene Ebitda, das Betriebsergebnis und der Jahresfehlbetrag Aufwendungen für das Restrukturierungsprogramm in der Höhe von 632,1 Mio. Euro, betonte die Telekom.

Weiters hieß es: "Ohne Berücksichtigung des Restrukturierungsaufwandes im Jahr 2008 konnten die betrieblichen Aufwendungen 2009 in beiden Segmenten durch straffes Kostenmanagement um 228,9 Mio. Euro reduziert werden. Auf bereinigter Basis ging das Betriebsergebnis im Berichtsjahr um 7,6 % auf 695,9 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr zurück."

Das in Südosteuropa stark vertretene Unternehmen erwartet auch 2010 ein schwieriges Marktumfeld. Es wird ein Umsatz von 4,7 Mrd. Euro prognostiziert, das EBITDA solle bei 1,6 Mrd. Euro liegen. Beides wäre ein leichter Rückgang gegenüber 2009. Ein massiver Ausbau der Glasfaserinfrastruktur ist nicht geplant. Der "primäre Fokus" liege "nach wie vor auf dem operativen Cash-Flow", der sich 2010 auf rund 800 Mio. Euro belaufen werde. Die Dividende von zumindest 0,75 Euro je Aktie soll weiter bis 2012 ausgeschüttet werden.

Fast jeder zehnte Mitarbeiter im Inland dienstfrei gestellt

Die Telekom Austria hat rund 10.000 Mitarbeiter in Österreich, aber nur gut 9.000 von ihnen gehen auch einer geregelten Arbeit nach. Ende 2009 waren 887 Beschäftigte bei vollem Grundgehalt dienstfrei gestellt, da es nach Meinung des Managements keinen passenden Job für sie gibt. Da diese Beschäftigten beamtet sind, können sie nicht gekündigt werden.

Insgesamt - mit Auslandsbeteiligungen - hatte die Telekom zum Jahreswechsel 16.573 Mitarbeiter, um 381 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig wurden im Festnetz 110 Personen (davon 65 Lehrlinge) und 150 bei der mobilkom eingestellt. Rund ein Drittel der Einsparungen im Jahr 2009 sind auf den Mitarbeiterabbau zurückzuführen.

Auch heuer sollen Mitarbeiter gehen, Kündigungen wird es aber keine geben. Der Abbau erfolgt über die natürliche Fluktation, Sozialpläne und den Wechsel in den Verwaltungsdienst der Polizei. Bisher sind 33 Beschäftigte zur Sicherheitswache gewechselt. Der Wechsel sei am Anfang noch schleppend verlaufen, inzwischen funktioniere er aber recht gut. Insgesamt scheiden pro Jahr rund 400 Personen freiwillig aus, primär allerdings in der mobilkom. Im Festnetzbereich sind rund 90 % der Beschäftigten beamtet.