Telekom: Pecik und Sawiris wollen in Aufsichtsrat

Großaktionäre

Telekom: Pecik und Sawiris wollen in Aufsichtsrat

Aufsichtsrat soll von acht auf zehn Personen aufgestockt werden.

Monatelang haben sich der österreichische Investor Ronny Pecik und sein Partner, der ägyptischen Milliardär und Telekom-Manager Naguib Sawiris, Zug und Zug bei der teilstaatlichen Telekom Austria Group eingekauft, nun wollen sich auch bei der Kontrolle des Unternehmens mitreden. Wie die Telekom heute, Freitag, mitteilte, wollen sich Pecik und Sawiris bei der Hauptversammlung am 23. Mai die Zustimmung für eine Erweiterung des Aufsichtsrates von derzeit acht auf dann zehn Personen holen. Die beiden Zusatzposten wollen sie selbst besetzen.

Derzeit halten sie über die RPR-Privatstiftung von Pecik bzw. über deren hundertprozentige Tochter Marathon Zwei Beteiligungs GmbH 20,1 Prozent an der Telekom, der Staat verfügt über 28,42 Prozent. Gehalten wird der Bundesanteil von der Staatsholding ÖIAG, deren Chef Markus Beyrer auch Aufsichtsratspräsident der Telekom Austria ist. Was Pecik und Sawiris mit ihrem Anteil vorhaben, sorgt seit langem für Spekulationen. Pecik selbst betont, nicht an einer schnellen Kassa interessiert zu sein, Beobachter bezweifeln dies.

Bernhard Nagiller, Sprecher der Staatsholding ÖIAG, meinte heute zur APA: "Als stabiler österreichischer Kernaktionär bereiten wir uns umfassend und präzise auf die Hauptversammlung und die dort zu fassenden Beschlüsse vor. Herr Pecik ist mit über 20 Prozent der Anteile Aktionär der TA und als solcher zu respektieren. Grundsätzlich steht es jedem Aktionär mit 5-Prozent-Anteil frei, Beschussvorschläge einzubringen. Die Entscheidung darüber trifft letztlich die Hauptversammlung. Über Stimmverhalten der ÖIAG bei Hauptversammlungen geben wir vorab keine Stellungnahme ab."

Weniger diplomatisch hatte sich Pecik in der Vergangenheit geäußert. So meinte er Mitte März in einem Interview zu einer möglichen Ablöse von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter: "Ich bin auf dem besten Weg dorthin. Ich halte das Unternehmen für unterbewertet und undermanaged. Es gehört eine bessere Führung her." Die Politik hat sich bisher aus der Causa heraus gehalten.

Pecik hat in der Vergangenheit oft als Aushängeschild anonymer Aktionäre bei großen Industrie-Deals in Österreich und der Schweiz mitgearbeitet. Das Wort Spekulant hört Pecik aber nicht gerne, denn "ein Spekulant baut keine Unternehmen auf, ich hingegen sehr wohl", wie er betont. Um seine Aussage zu belegen nennt er seine Teilhaberschaft bei der inzwischen pleite gegangenen A-Tec, bei der Schweizer Oerlikon sowie bei der eineinhalb Jahre gehaltenen VA-Tech. Pecik wurde am 4. März 1962 im kroatischen Varazdin geboren, seine Eltern übersiedelten drei Jahre später nach Wien. Nachdem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Gymnasium machte Pecik zuerst eine Elektrikerlehre, danach ging er in die Bank-Branche.

Bei der Hauptversammlung am 23. Mai wird auch der forensische Bericht der vom Telekom-Aufsichtsrat beauftragten Beratungsfirma BDO Deutschland präsentiert. Dazu heißt es im 2. Tagungsordnungspunkt: "Bericht zur forensischen Untersuchung und zu getroffenen Maßnahmen." Er soll über die diversen Korruptionsskandale bei der Telekom Auskunft geben. Die bisherigen Ergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft mitgeteilt und stehen auf diesem Wege auch dem parlamentarischen Korruptions-U-Ausschuss zur Verfügung. Parallel zur forensischen EDV-Prüfung wurde auch ein Compliance-Manager eingesetzt und entsprechende Richtlinien ausgearbeitet. Sie sollen regeln, wie sich Telekom-Mitarbeiter zum Beispiel bei Einladungen verhalten sollen. Die umstrittenen Jagdeinladungen der Telekom wurden bereits 2009 abgestellt.