Chef-Ansage

ÖBB wollen Ticketpreise "nur moderat steigern"

ÖBB-Boss Matthä: "Es ist glaube ich gute Tradition, dass der Ticketpreis nicht ein Inflationstreiber ist". Bahn sucht tausende neue Mitarbeiter. Die Güter-Tochter schreibt rote Zahlen.

ÖBB-Chef Andreas Matthä hat am Donnerstag neuerlich für den beruflichen Eintritt in die Bundesbahnen geworben. 2025 traten samt Lehrlingen rund 5.500 Menschen in den Betrieb ein. Grund ist die laufende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation. Für den Rest seiner Amtszeit, die kürzlich bis Mitte 2027 verlängert worden war, sprach Matthä von moderaten Ticketpreis-Steigerungen, die auf die Fahrgäste zukommen würden. Die Gütersparte schreibt unterdessen weiter rote Zahlen.

"Es ist glaube ich gute Tradition, dass der Ticketpreis nicht ein Inflationstreiber ist", sagte der Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf APA-Nachfrage im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien trotz der anhaltenden Teuerungswelle. Über einen längeren Zeitraum betrachtet würden die zurückliegenden Steigerungen "immer unter den Inflationsraten" liegen, so Matthä. Manchmal sei ein Jahr ausgelassen worden, um einen längeren Betrachtungszeitraum zu haben.

Im Zuge der aktuellsten Fahrplanumstellung vorigen Dezember waren die Ticketpreise um 3,5 Prozent angehoben worden. Kurz war die Rede davon gewesen, dass ein Vierer vor dem Komma stehen könnte, so kam es dann aber doch nicht.

Personalstand soll sich bei gut 48.000 einpendeln

Zum Jahreswechsel beschäftigten die ÖBB laut Firmenangaben exakt 48.249 Menschen. Bis 2031 stehen mehr als 10.000 Pensionierungen an. Daher sucht die Bahn intensiv nach neuem Personal in allen Bereichen - und Matthä verspricht einen krisensicheren Job mit Zukunftsperspektive, der pünktlich - wenn auch nicht überbordend - bezahlt werde.

Auch heuer werden Tausende neu angestellt werden. Die Rekordzahl an Bewerbungen von 140.000 im Vorjahr könnte heuer nochmals steigen.

Semmering-Bahntunnel soll 2029 eröffnen

Nächstes Jahr wird mit einem Personal-"Hoch" von etwa 49.000 Mitarbeitenden gerechnet. Bis in die 2030er-Jahre soll sich der Personalstand bei 48.000 bis 48.500 einpendeln. Dies, obwohl nach der nunmehr für 2029 avisierten Eröffnung des Semmering-Bahntunnels wie schon durch den zuletzt aufgesperrten Koralm-Bahntunnel mehr Züge mit mehr Reisenden zu bedienen sein werden.

Koralm-Mehrwert

Die ganze neue Koralmstrecke mit dem Herzstück des Tunnels hat 5,9 Mrd. Euro gekostet, die der Bund größtenteils finanziert. Jeder eingesetzte Euro rechne sich volkswirtschaftlich mal 1,88, sagte Matthä. Das Bahn-Finanzierungssystem sei sowohl für die Eisenbahnen in Österreich und die nötige Infrastruktur Vorbild fürs Ausland, sondern auch wichtig für die Wertschöpfung der Bahnindustrie in Österreich. Diese habe überhaupt erst dadurch zu einer der größten der Welt anwachsen können.

Rail Cargo schreibt rote Zahlen

Zu den Bilanzzahlen 2025 wollte Matthä noch nichts Konkretes sagen. Dafür sei es "viel zu früh". Die ÖBB-Gütertochter Rail Cargo Austria (RCA) werde aber auch heuer, wie schon zuletzt, weiterhin rote Zahlen schreiben. Ein Umstrukturierungsprogramm werde die Tochter aber stärken und ab 2027 könnten die Geschäfte wieder einbringlicher laufen.

Naher deutscher Katzenjammer

Kostenfaktor vor allem im Güterbereich werden auch die Streckensperren, die in Deutschland nahe der Grenze bevorstehen. Während die bald startende und einjährige Sperre von Passau nach Regensburg große Umleitungen für den Güterverkehr und einhergehende Mehrkosten bedeutet, so kommt bei der danach folgenden Sperre zwischen Freilassing und Rosenheim vor allem auf Reisende ein mühsames Fortkommen zu. "Augen zu und durch", sagte Matthä etwa. Das deutsche Netz müsse saniert werden, danach könne es besser laufen als mit der schon alten Infrastruktur bis jetzt, so der Manager sinngemäß.

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