EZB-Zinssenkung ohne Wirkung

55 Prozent der Tschechen gegen Euro-Einführung

Zum ersten Mal in der Geschichte Tschechiens ist mehr als die Hälfte seiner Bürger - 55 % - gegen die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro. Dies geht aus einer Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts CVVM hervor.

27 % von den 1.053 Befragten sind "bestimmt dagegen" und 28 % "eher dagegen", die tschechische Krone gegen den Euro auszutauschen. Demgegenüber wollen insgesamt nur 38 % den Euro haben - 12 % "bestimmt dafür" und 26 % "eher dafür". Die restlichen 7 %zent der Befragten äußerten keine Meinung.

Noch vor 3 Jahren waren die Euro-Befürworter in den CVVM-Befragungen in Mehrheit. 2007 gewannen die Gegner der europäischen Währung erstmals die Oberhand, allerdings lag ihr Anteil unter der 50-Prozent-Marke. In der jüngsten Umfrage ist erstmals eine absolute Mehrheit der Tschechen gegen die Euro-Einführung.

Angesichts der Lage der öffentlichen Finanzen Tschechiens ist der Euro derzeit ohnehin kein aktuelles Thema. Nach Ansicht von Politikern und Ökonomen kommt die Einführung der Gemeinschaftswährung frühestens 2015 oder 2016 infrage. Der Hauptgrund ist das Budget-Defizit, das 2009 fast 6 %ozent des BIP ausmachte. Das Budgetdefizit muss unter 3 % des BIP gesenkt werden, damit der Euro eingeführt werden kann.

"Wir müssen die öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen und die Kriterien erfüllen. Erst dann können wird über die Möglichkeit des Beitritts zum Euro reden. Ich denke, dass wir davon noch sehr weit entfernt sind", sagte Finanzminister Eduard Janota gegenüber der Tageszeitung "Lidove noviny".

Laut der jüngsten Fassung des Konvergenz-Programms will Tschechien das Budgetdefizit heuer auf 5,3 % drücken, 2011 auf 4,8 %, 2012 auf 4,2 %. Erst 2013 soll das Defizit bei den zulässigen 3 % liegen.