4.021 Insolvenzanträge im ersten Halbjahr 2009

Insolvenzanträge in Tschechien stark gestiegen

Wegen der Wirtschaftskrise geraten immer mehr tschechischen Firmen in finanzielle Schwierigkeiten. Im ersten Halbjahr 2009 wurden 4.021 Insolvenzanträge gestellt, um 58 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2008. Bei den juristischen Personen stiegen die Insolvenzanträge sogar um 87 Prozent, so eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Nach Einschätzung von Creditreform wird sich die Situation weiter verschlechtern. Allein im Juni 2009 wurden 891 Insolvenzverfahren beantragt - bisher die größte monatliche Zahl in der Geschichte. "Angesichts dieser Entwicklung erwarten wir, dass bereits Ende August die Zahl der Insolvenzanträge jene für das ganze Jahr 2008 erreichen wird", sagte die Geschäftsführerin von Creditreform Tschechien, Miloslava Osvaldova. Mehr als die Hälfte der insolventen Unternehmen habe keine Vermögenswerte, sodass die Gläubiger nicht einmal teilweise ihre Forderungen getilgt bekommen dürften, fügte sie hinzu.

Folge der Rezession in Tschechien

Die steigende Zahl der Insolvenzen ist laut tschechischer Wirtschaftskammer keine Überraschung. Es handle sich um eine "ganz selbstverständliche Folge der Rezession in Tschechien sowie der langfristigen Zahlungsunfähigkeit von einer ganzen Reihe von heimischen Firmen", sagte der Präsident der Wirtschaftskammer, Petr Kuzel. Außerdem werde die Situation durch die "oft unbegründete Kreditbremse der Banken" verschlechtert, meinte Kuzel.

Einige Experten wiesen auch darauf hin, dass das Insolvenzverfahren von den Firmen mit dem Ziel missbraucht würden, schnell das Geld zurückzubekommen. "Das ist eine Tendenz der letzten Zeit. Die Gläubiger verwenden das Insolvenzgesetz nicht als ein Instrument der letzten Hilfe, sondern als Instrument der ersten Hilfe", sagte Anwalt Pavel Vincik der tschechischen Tageszeitung "Lidove noviny". Mehrere Firmen bezahlen lieber schnell, als in dem Schuldner-Register eingetragen zu bleiben, schrieb das Blatt.